Diese Luzerner Gemeinden sind 2018 am stärksten gewachsen – oder geschrumpft

Der Kanton Luzern wächst munter weiter. Das vergangene Jahr hat ihm 3600 zusätzliche Einwohner beschert. Währenddem Stadt und Agglomeration kräftig zulegen, laufen den Landgemeinden jedoch teilweise die Leute davon.

Lucien Rahm
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Der Kanton Luzern hat einiges zu bieten, was ihn als Wohnort attraktiv macht. Bislang unveröffentlichte Zahlen bestätigen seine Beliebtheit zum wiederholten Mal. Im vergangenen Jahr ist die ständige Luzerner Bevölkerung gegenüber dem Vorjahr um über 3600 Personen gewachsen, wie Erhebungen der Statistikstelle Lustat zeigen. Das entspricht einer Zunahme um 0,9 Prozent. So befinden sich neu über 410'000 Einwohner im Kanton. Gegenüber 1981 sind dies fast 111'000 Einwohner mehr.

Hinweis: Die hier erwähnten Zahlen wurden am 27. August 2019 mit zum Teil leicht anderen Werten offiziell präsentiert. Die Tendenz bleiben gleich, so dass wir die Zahlen nicht angepasst haben.

Einer der Gründe für die Zunahme: Kantonsweit gab es seit 1981 unter dem Strich mehr Geburten als Sterbefälle. «Das hat zum natürlichen Wachstum beigetragen», sagt auf Anfrage Judith Setz, Sprecherin des kantonalen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements.

«Ein Grossteil des Wachstums ging in den letzten Jahren aber auf Wanderungsgewinne zurück», so Setz. Das heisst, dass mehr Personen in den Kanton Luzern eingewandert als daraus abgewandert sind. Besonders die Zuwanderung aus dem Ausland habe hierzu viel beigetragen, sagt Setz.

Wie Lustat-Zahlen zeigen, hat insbesondere der Anteil an Bewohnern aus Deutschland stark zugenommen. Waren es um die Jahrtausendwende noch rund 4000 deutschstämmige Mitbürger, sind mittlerweile 10'000 hinzugekommen (Stand 2017). Demgegenüber hat sich der Anteil an den einst dominierenden Italienern seit 1993 leicht reduziert, wie die folgende Tabelle zeigt:

Anteil der ausländischen Einwohner an der ständigen Wohnbevölkerung

im Kanton Luzern
Jahr Total in Prozent Deutsch- land Italien Portugal Kroatien Spanien Kosovo Serbien1 Maze- donien Bosnien und Herze- gowina Türkei Afrika Asien Amerika Übrige
201774 99418.4%13 954765474611989199778034 369240119301533378871061867206
201674 13318.4%14 005753274442012205576894 580236619741579354469671840182
201571 25917.9%13 838741373302037205774274 815230120151565302658141870157
201469 26817.6%13 682718071732077202271805 245231420851569259653501835144
201367 32017.2%13 376688167692127189366225 968228421321606249052181849130
201265 45417.0%13 055678764022226180758416 893224921911625220648961822125
201164 14316.8%12 581673760182322169251207 959224622751691203548421743126
201062 89016.7%11 816670656402354169043229 156228524011691182749861734118
200960 88616.3%11 2916869550524191746...13 71623232469160810444412166393
200859 65016.2%10 3646840530225041754...14 0752340258116159494387155987
200757 19515.7%8 5986824500026231783...14 2672368264615858604331139168
200655 35515.4%7 0686864481326961895...14 5402416270515397984249128659
200554 72915.4%6 1986953461727701976...14 8842460280014787234330123961
200454 46715.4%5 7117069442128272062...14 9942491286414726814477114370
200354 10815.3%5 2017196417328412151...15 1912530295614846174501111664
200253 96715.3%4 8937392397828532220...15 3562543300914476004489109765
200153 25315.2%4 6437588373929452355...15 2872529305314795964097102661
200051 32814.8%4 1487831373029382446...15 142246029701477551304892265
199950 56014.7%3 8648159369829132558...15 071242730041454512250886868
199849 65614.5%3 6358230366928812669...15 597237020421452467229182676
199749 69314.5%3 5668455366528972847...15 636231318501483430217880778
199649 31214.4%3 4398770365528853007...15 338222918851487401186377364
199548 85514.4%3 3079098354828493130...14 863209618571552395182071264
199447 00013.9%3 2359273340425713249...14 302151416051557389177362766
199345 02013.4%3 2169461319818633319...15 2993038421544362161557960

Die neusten Daten von Lustat zeigen nun die ständige Wohnbevölkerung im Kanton Luzern und seinen Gemeinden, wie sie sich am 31. Dezember 2018 präsentiert hat. Zwar sind diese Zahlen noch provisorisch. Doch lassen sie bereits gut erkennen, in welche Richtung es mit der Luzerner Bevölkerung geht.

Am meisten zum letztjährigen Wachstum beigetragen haben demgemäss die Stadt Luzern und ihre umliegenden Gemeinden. In der Stadt sind es im vergangenen Jahr 575 mehr Bewohner geworden (+0,7 Prozent), in Kriens 536 (+2 Prozent). In Emmen beträgt das Plus 286 (+0,9 Prozent), in Horw sind im letzten Jahr 220 Personen dazugekommen (+1,6 Prozent). Somit haben die Nachbargemeinden Luzerns prozentual mehr gewonnen, als die Stadt selbst. Betrachtet man das prozentuale Bevölkerungswachstum in den ländlichen Gemeinden, sind diese gar noch stärker gewachsen, wie in dieser Tabelle ersichtlich wird:

Entwicklung der ständigen Wohnbevölkerung

in den Luzerner Gemeinden
Gemeinde 2017 2018 Veränderung prozentuale Veränderung
Kanton Luzern406 506410 1203614+0.89%
Adligenswil5 3435 38643+0.80%
Aesch1 2051 24742+3.49%
Alberswil65566510+1.53%
Altbüron1 0251 002–23-2.24%
Altishofen1 5721 5753+0.19%
Altwis4384391+0.23%
Ballwil2 7862 761–25-0.90%
Beromünster6 4786 590112+1.73%
Buchrain6 1166 265149+2.44%
Büron2 4442 553109+4.46%
Buttisholz3 2873 245–42-1.28%
Dagmersellen5 3695 518149+2.78%
Dierikon1 5031 481–22-1.46%
Doppleschwand786783–3-0.38%
Ebersecken386378–8-2.07%
Ebikon13 53113 635104+0.77%
Egolzwil1 4831 457–26-1.753%
Eich1 6321 625–7-0.43%
Emmen30 68230 968286+0.93%
Entlebuch3 3153 283–32-0.97%
Ermensee9849906+0.61%
Eschenbach3 5893 587–2-0.06%
Escholzmatt-Marbach4 3584 346–12-0.28%
Ettiswil2 6912 74756+2.08%
Fischbach70671610+1.42%
Flühli1 9561 97721+1.07%
Gettnau1 1511 17322+1.91%
Geuensee2 9112 9154+0.14%
Gisikon1 3311 38756+4.21%
Greppen1 0751 12045+4.19%
Grossdietwil863859–4-0.46%
Grosswangen3 2733 244–29-0.89%
Hasle1 7521 741–11-0.63%
Hergiswil1 9081 9135+0.26%
Hildisrieden2 2752 33156+2.46%
Hitzkirch5 2015 321120+2.31%
Hochdorf9 8329 85220+0.20%
Hohenrain2 4742 420–54-2.18%
Honau3913943+0.77%
Horw13 91514 135220+1.58%
Inwil2 5572 62265+2.54%
Knutwil2 1822 23755+2.52%
Kriens26 99727 533536+1.99%
Luthern1 2951 274–21-1.62%
Luzern81 40181 976575+0.71%
Malters7 2317 31685+1.18%
Mauensee1 4881 458–30-2.02%
Meggen7 1387 250112+1.57%
Meierskappel1 3691 46596+7.01%
Menznau2 9022 874–28-0.96%
Nebikon2 6452 6505+0.19%
Neuenkirch7 1047 065–39-0.55%
Nottwil3 8483 86214+0.36%
Oberkirch4 6794 70728+0.60%
Pfaffnau2 6682 68012+0.45%
Rain2 7702 80939+1.41%
Reiden7 0387 139101+1.44%
Rickenbach3 2543 372118+3.63%
Roggliswil68870012+1.74%
Römerswil1 7691 79021+1.19%
Romoos670666–4-0.60%
Root4 9955 065170+1.40%
Rothenburg7 5717 549–22-0.29%
Ruswil6 8566 964108+1.58%
Schenkon2 8622 94785+2.97%
Schlierbach87888911+1.25%
Schongau1 0441 033–11-1.05%
Schötz4 3964 43640+0.91%
Schüpfheim4 1814 21938+0.91%
Schwarzenberg1 6901 70919+1.12%
Sempach4 1284 17547+1.14%
Sursee9 9009 96262+0.63%
Triengen4 6524 650–2-0.04%
Udligenswil2 2792 2812+0.09%
Ufhusen903902–1-0.11%
Vitznau1 3811 3810-
Wauwil2 1772 25679+3.63%
Weggis4 4044 382–22-0.50%
Werthenstein2 1152 1249+0.43%
Wikon1 5251 5349+0.59%
Willisau7 8257 802–23-0.29%
Wolhusen4 3754 350–25-0.57%
Zell2 0042 04137+1.85%

Mit sieben Prozent verzeichnet Meierskappel die kantonsweit stärkste Zunahme. Gegenüber den 1369 Bewohnern Ende 2017 ist die Zahl in einem Jahr um 96 Personen gestiegen. Verantwortlich für den Zuwachs sind vor allem zwei Überbauungen, die letztes Jahr bezogen werden konnten, wie Gemeindeschreiber René Dähler auf Anfrage sagt.

Zuzüger-Kinder können erlaubte Schulklassengrösse sprengen

Einerseits wurde eine Überbauung am Meierskappeler Rütirain vollendet, die rund drei Dutzend Wohnungen an Hanglage umfasst, viele davon sind Eigentumsobjekte. Auch das Bauprojekt Seilerhof hat vergangenes Jahr zusätzlichen Wohnraum geschaffen.

Dutzende Eigentumswohnungen an Hanglage: die Überbauung Rütirain in Meierskappel. (Bild: ruetirain.ch/C. Ghislini)

Dutzende Eigentumswohnungen an Hanglage: die Überbauung Rütirain in Meierskappel. (Bild: ruetirain.ch/C. Ghislini)

Nicht nur See- und Bergsicht würden Meierskappel für Neuzuzüger attraktiv machen, so Dähler. Die Lage der Gemeinde zwischen Rotkreuz und Küssnacht beziehungsweise Zuger- und Vierwaldstättersee seien weitere Vorteile; ebenso die damit verbundene gute Anbindung an die umliegenden Autobahnanschlüsse in Richtung Zürich und Luzern. Und im Vergleich zu den Nachbarkantonen Zug und Schwyz seien die Immobilienpreise in Meierskappel einigermassen «attraktiv», so Dähler.

Die neuen Bewohner bringen Vorteile mit sich, wie im Falle der Eigentumswohnungskäufer ein eher hohes Einkommen, das die Gemeinde besteuern darf. Doch die Zuzüger können auch Nachteile haben. «Bringen die Neuzuzüger Kinder mit, könnte es bei den Grössen der Schulklassen zu Schwierigkeiten kommen», sagt Dähler. Wenn eine Klasse eine gesetzlich vorgegebene Grösse überschreitet, müssten deren Schüler auf zwei Klassen verteilt werden. Das würde eine zusätzliche Lehrperson und einen neuen Unterrichtsraum bedingen. In Meierskappel wird nun genau dies nötig: «Der Gemeinderat hat am Montag beschlossen, dass es ab dem Schuljahr 2019/2020 eine zusätzliche altersdurchmischte 5./6. Klasse geben wird», so Dähler.

Über 100 Leute mehr gab es zudem auch in Büron. Von 2444 kletterte die Einwohnerzahl auf 2553 – das sind 4,5 Prozent mehr. Um je 4,2 Prozent haben Greppen (von 1075 auf 1120) und Gisikon (von 1331 auf 1387) zugelegt. Aber auch Wauwil weist mit einer Zunahme von 2177 auf 2256 eine positive Entwicklung auf (Plus von 3,6 Prozent).

Diese Luzerner Gemeinden sind 2018 am stärksten gewachsen – oder geschrumpft

in Prozent der Bevölkerung

Hohenrain verliert am stärksten

Das Wachstum spiegelt sich allerdings nicht in allen Gemeinden wider. In 25 Gemeinden zeichnet sich gemäss den Lustat-Daten ein Einwohnerrückgang ab. Betrachtet man die Entwicklung in Prozent der Bevölkerung, trifft es Altbüron am härtesten: Zwar sind es dort im vergangenen Jahr nur 23 Personen weniger geworden. Weil die Gemeinde aber nur über rund 1000 Einwohner verfügt, schenkt der Abgang ein. Der Rückgang von 1025 (2017) auf 1002 (2018) Bewohner entspricht einem Minus von 2,24 Prozent.

«Mit den mittlerweile wieder vorliegenden Anmeldungen für 2019 beträgt die Einwohnerzahl 1011 Personen», sagt Valentin Kreienbühl, Gemeindepräsident von Altbüron (CVP). Der Rückgang sei zudem kein Trend. «Über die letzten Jahre gesehen hatten wir ein moderates Wachstum zu verzeichnen». Vorgesehene Bauprojekte würden in Zukunft auch wieder Leute nach Altbüron bringen, ist er überzeugt. Warum die Leute letztes Jahr abgewandert sind, könne er nicht sagen.

Fast genauso hoch wie in Altbüron ist der Rückgang in Hohenrain. Hier ist die Bevölkerung um 2,18 Prozent eingegangen (von 2474 auf 2420). Mit dem Minus von 54 Personen muss die Gemeinde den kantonsweit grössten Verlust in absoluten Zahlen hinnehmen. Gemeindepräsident Herbert Schmid (CVP) gibt sich jedoch zuversichtlich: «Es wird auch wieder zunehmen.»

Konkret spricht Schmid von zwei Grossüberbauungen, die in den nächsten Jahren erstellt werden sollen. Zum einen entstehen 28 neue Wohnungen im Gebiet des Restaurants Kreuz und des alten Gemeindehauses. Mit über 40 weiteren Wohneinheiten rechnet Schmid bei der Umzonung des Gebiets Johanniterhof.

Als Grund für den Wachstumsschwund nennt Schmid, es gebe in Hohenrain viele Familien, deren Nachwuchs nun ausgeflogen sei. Und dieser würde eher die Stadtnähe suchen. Seit zehn Jahren schwankt die Bevölkerungszahl des Dorfes um 2400 herum.

Die drei weiteren Gemeinden mit den höchsten prozentualen Rückgängen 2018 sind Ebersecken (um 2,1 Prozent auf 378 Einwohner geschrumpft), Mauensee (um 2 Prozent auf 1458) und Egolzwil (um 1,8 Prozent auf 1457).

Langfristig gesehen sind alle gewachsen – bis auf ein paar Landgemeinden

Über die lange Frist betrachtet, präsentiert sich ein etwas weniger dramatisches Bild als beim Vorjahresvergleich. In den letzten zehn Jahren sind fast alle Luzerner Gemeinden gewachsen. Einzig fünf der heute 83 Gemeinden sind seit 2008 geschrumpft. Während Adligenswil und Entlebuch kleine Verluste von 1,6 respektive 0,1 Prozent verzeichnen, trifft es einige Landgemeinden härter. Allen voran Ebersecken: Das Hinterländer Dorf hat in den vergangenen zehn Jahren 11 Prozent seiner Bevölkerung verloren – aus 425 wurden 378.

«Wir können bei uns den Wohnungsbau nur begrenzt fördern, weil die nötigen Einzonungen nur in kleinem Ausmass möglich sind», sagt der Ebersecker Gemeindepräsident Thomas Roos (CVP). So bevorzuge zum Beispiel der Besitzer einer der geeigneten Parzellen, dass sein Land weiterhin landwirtschaftlich genutzt wird. Bei anderen Bauplätzen sei eventuell die Lage nicht attraktiv genug.

Insbesondere junge Leute würden daher aus Ebersecken abwandern. «Viele von ihnen würden zwar gerne bleiben, finden aber bei uns keine Wohnung, wenn sie bei den Eltern ausziehen», so Roos. Der Bestand an Mietwohnungen sei im Dorf gering, und diese seien oftmals besetzt. Häufig würden die Jungen dann in die Nachbardörfer ziehen, um dennoch nahe an Ebersecken zu wohnen. Von der Fusion Eberseckens mit Altishofen im kommenden Jahr erhofft sich Roos neue Bauprojekte, welche die Bevölkerung wieder wachsen lassen.

Weitere Gemeinden, die in den letzten zehn Jahren einen grösseren Bevölkerungsschwund erlebt haben, sind Luthern (–7 Prozent seit 2008) und Romoos (–6,5 Prozent).

Diese Luzerner Gemeinden sind in den letzten 10 Jahren am stärksten gewachsen – oder geschrumpft

Veränderung in Prozent der Bevölkerung von 2008 bis 2018

Was der Langzeitvergleich auch zeigt: Die prozentualen Anteile der jeweiligen Regionen an der kantonalen Gesamtbevölkerung haben sich über die Jahre ein wenig verschoben. Lebten 1987 noch knapp 24 Prozent der ständigen Bevölkerung in der Stadt Luzern, sind es 30 Jahre später noch 20 Prozent (siehe Box unten). Zugenommen hat in dieser Zeit die Einwohnerschaft des Agglomerationsgürtels. Dazu zählt das Statistikzentrum Lustat die Gemeinden um die Agglomeration der Stadt Luzern herum (Schwarzenberg, Malters, Neuenkirch, Hildisrieden, Rain, Eschenbach, Inwil und Udligenswil). In den vergangenen drei Jahrzehnten ist der «Gürtel» um 1,1 Prozentpunkte gewachsen und macht Ende 2017 rund 7 Prozent aller Luzerner aus. Ebenso hat die Region Sursee zugenommen: Diese bewohnten 2017 knapp 31'000 Leute. Das sind 7,5 Prozent der Kantonsbevölkerung (1987: 6 Prozent).

Indessen sind bei den innerkantonalen Bevölkerungswanderungen vor allem die Gemeinden des Agglomerationskerns beliebt. Dazu zählen Kriens, Horw, Meggen, Adligenswil, Dierikon, Ebikon, Emmen, Buchrain und Rothenburg. So sind 65 Prozent der 21'000 Leute, welche aus der Stadt Luzern zwischen 2011 und 2017 kantonsintern umgezogen sind, in eine dieser Gemeinden gezügelt. Der Transfer funktioniert aber auch in die andere Richtung. Von den Bewohnern der Agglokerngemeinden, die innerhalb des Kantons zügelten, zog es in dieser Zeit rund einen Drittel der 32'000 Personen in die Stadt Luzern. Fast genauso viele wechselten ihren Wohnort innerhalb des Agglomerationskerns.

Stadt Luzern verzeichnete mehr Todesfälle als Geburten

In der Stadt Luzern gab es in den Jahren von 1987 bis 2017 gesamthaft weniger Geburten, als es Todesfälle gab. Unter dem Strich hat dies zu einem Bevölkerungsrückgang um 2369 Personen geführt, wie Sibylle Haas, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Lustat, auf Anfrage ausführt.

In allen anderen Analyseregionen gab es im gleichen Zeitraum mehr Geburten als Todesfälle. So verzeichnete beispielsweise der Agglomerationskern (Kriens, Horw, Meggen, Adligenswil, Dierikon, Ebikon, Emmen, Buchrain und Rothenburg) in dieser Zeit mit einem Plus von 10‘545 Personen den höchsten absoluten Geburtenüberschuss.

«Die unterschiedlichen Geburtenüberschüsse sind unter anderem Folgen der Altersstruktur der Bevölkerung: Eine hohe Anzahl von Frauen im gebärfähigen Alter führt zu höheren Geburtenzahlen, während eine hohe Anzahl von älteren Personen zu höheren Sterbezahlen führt», so Haas. Die Stadt Luzern weise den höchsten Anteil an über 65-Jährigen und gleichzeitig in vielen Jahren einen unterdurchschnittlichen Anteil an 20- bis 39-Jährigen auf. «Demgegenüber haben die Regionen, welche hohe Geburtenüberschüsse verzeichneten über viele Jahre überdurchschnittlich tiefe Anteile an über 65-Jährigen beziehungsweise überdurchschnittlich hohe Anteile an 20-39-Jährigen.»

Neben der Altersstruktur könnten aber auch strukturunabhängige Faktoren die Geburtenhäufigkeit beeinflussen. «Dies können beispielsweise familienfreundliche Arbeitsplatz- oder Betreuungsangebote sein», so Haas.

Dass prozentual gesehen heute ein geringerer Anteil der Kantonsbevölkerung in der Stadt Luzern lebt als Ende der Achtziger, hat überdies mit einer Abwanderung der Stadtluzerner in gewissen Jahren zu tun. «Insgesamt war der Wanderungssaldo der Stadt Luzern für die Jahre 1987 bis 2017 zwar positiv. Besonders Mitte bis Ende der 1990er Jahre war der Saldo jedoch negativ», schreibt Haas. Im Jahr 2017 war der Saldo aus Hin- und Wegzug erstmals seit 1999 wieder negativ: Unter dem Strich wanderten 508 Personen aus der Stadt Luzern ab. (lur)

Sind die Zuzüger auch gut für die Steuereinnahmen?

Wenn eine Gemeinde zwar eine wachsende Bevölkerung aufweist, diese aber – wie zum Beispiel in Emmen – viele säumige Steuerzahler aufweist, hat sie aus finanzieller Sicht möglicherweise nicht viel von den Zuzügern. Wie sich die Situation diesbezüglich bei den 286 Personen präsentiert, um die Emmen im letzten Jahr zugenommen hat, lasse sich noch nicht sagen. «Ihre Steuererklärungen werden erst Ende Jahr eingereicht», sagt Gemeindepräsident Rolf Born (FDP) auf Anfrage.

In Horw (Zunahme um 220 Personen) dürften die neuen Einwohner finanziell attraktiv sein. «Da 2018 die eher hochpreisigen Überbauungen Felmispark und Stirnrüti neu bezogen wurden, handelt es sich bei den Neuzuzügern um tendenziell gute Steuerzahler», sagt Gemeindepräsident Ruedi Burkard (FDP) auf Anfrage. Das entspreche der Strategie der Gemeinde. Man strebe einen «qualitativ eher höheren Standard» an Wohnungen an. Dennoch hätten natürlich alle Bevölkerungsschichten in Horw Platz, so Burkard. «Dies jedoch in einem gesunden Verhältnis zueinander.» (lur)

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