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Diese Tüftler machen E-Bikes günstiger – und bauen ihre eigenen Velos zusammen

Die Luzerner Gabriel Barroso (44) und Sergio Tresch (29) füllen mit ihren E-Bikes eine Nische im boomenden Markt.
Stephan Santschi
Gabriel Barroso (links) und Sergio Tresch mit ihren E-Bikes.Bild: Jakob Ineichen (Horw, 6. November 2019)

Gabriel Barroso (links) und Sergio Tresch mit ihren E-Bikes.Bild: Jakob Ineichen (Horw, 6. November 2019)

Gabriel Barroso und Sergio Tresch lernten sich an der Hochschule Luzern (HSLU) kennen. Beide arbeiteten am Institut für Maschinen- und Energietechnik in der gleichen Forschungsgruppe und sassen sich gegenüber. Der heute 44-jährige Hitzkircher und der 29-jährige Udligenswiler kamen ins Gespräch, und bald beschäftigte sie vor allem ein Thema: E-Bikes. Barroso fuhr mit dem Elektrovelo zur Arbeit nach Horw – 30 Kilometer pro Weg, 1200 Kilometer im Monat. Tresch, Nutzer normaler Velos, war fasziniert, und so stellten sie sich die Frage: «Könnten wir coole E-Bikes nicht selber entwickeln?» Und: «Warum sind die 45 km/h schnellen E-Bikes eigentlich so teuer?»

Die Antworten waren derart viel versprechend, dass sie vor zwei Jahren eine Firma gründeten – AureusDrive. Der studierte Maschineningenieur Barroso und Tresch, der sich vom Polymechaniker zum Maschineningenieur ausbilden liess, bauen seither mit der Hilfe des Mechanikers Gino Montecuollo ihre eigenen E-Bikes zusammen. «Rahmen, Sattel, Bremse, Schutzblech, Klingel, Handgriff – 80 Prozent der Komponenten sind Standard und einzeln bestellbar», erklärt Barroso. Auch Ersatzteile können flexibel nach dem Offertenprinzip angefordert werden. Die erste Serie finanzierten sie mit einer Crowd-Funding-Kampagne. In Sachen Infrastruktur werden sie von Smart-up, dem Programm der HSLU für Unternehmensgründungen, unterstützt.

«Wir verzichten auf Schnickschnack»

Im Zentrum der Geschäftsidee stand ein «besonders gutes Preis-/Leistungsverhältnis», so Tresch. «Wir wollten 45 km/h schnelle E-Bikes unter 3000 Franken anbieten und mit diesem Argument die Pendler und Freizeitfahrer vom Auto aufs E-Bike bewegen.» Der Blick in die kleine Werkstatt in Horw zeigt: Das ist den beiden Tüftlern gelungen. Die Pedelec-Kategorie bis 25 km/h ist ab 2690 Franken zu haben, S-Pedelec (bis 45 km/h) ab 2890 Franken. Letztere würden im Durchschnitt rund 4500 Franken kosten. «Wir verzichten auf Zwischenhändler und Schnickschnack, konzentrieren uns auf das Wesentliche» erklärt Barroso. Ganz nach dem Firmenmotto: «Einfach E-Bike.»

Die Herzstücke sind der mit 500 Watt aussergewöhnlich starke und schlanke Elektromotor und eine Software, die sie selber programmieren. «Damit können wir ein E-Bike mit 25 km/h in eines mit 45 km/h verwandeln oder umgekehrt – und das mit den gleichen Komponenten», erklärt Barroso und führt aus: «Der durchschnittliche Arbeitsweg beläuft sich auf 15 Kilometer. Auf diese Distanz bringt das Auto zeitlich keinen Vorteil.» Umso mehr profitiere die Umwelt. «Der CO2-Ausstoss kann merklich verringert werden», so Tresch. «Ein E-Bike braucht auf 30 Kilometer 30 Mal weniger Energie als ein Dieselfahrzeug.»

Noch ist AureusDrive ein kleiner Player im boomenden Markt – seit Verkaufsstart im Juli 2018 hat die Firma zirka 230 E-Bikes veräussert. Total fanden in der Schweiz im letzten Jahr 111000 Elektrofahrräder einen Abnehmer. Das ist Rekord und macht rund einen Drittel aller verkaufter Velos aus (350000). Zum Vergleich: 2005 waren es gerade mal 2000 E-Bikes.

Barroso und Tresch gehen beide einem 80-Prozent-Job nach, sind aber guter Dinge, dereinst auf das E-Bike-Geschäft umsatteln zu können. «Die Schweiz ist bei den E-Bikes bis 45 km/h eine Hochburg», sagt Tresch und erklärt: «Bei uns darf man damit auch auf Velowegen fahren und ein normaler Helm genügt.» In Deutschland sei die Fahrt mit schnellen E-Bikes auf Velowegen nicht erlaubt und in Italien müsse man sich mit einem Motorradhelm schützen. Als nächstes planen sie die Expansion nach Zürich und Bern, Verhandlungen mit Servicepartnern vor Ort laufen.

Gibt es mit E-Bikes mehr Unfälle?

Bleibt die Frage nach der Sicherheit. Häufen sich nicht die Meldungen von Unfällen mit E-Bikes? Barroso relativiert: «Wer mit 45 km/h unterwegs ist, legt viel weitere Distanzen zurück als normale Velofahrer. Auf den Kilometer berechnet, gibt es darum nicht mehr Unfälle.» Das bestätige das Bundesamt für Strassen, sagt Barroso, hält aber fest: «Ältere Personen, die lange nicht Velo fuhren und sich ein E-Bike mit 25 km/h zulegen, sollten vorsichtig sein. Man muss sich an das höhere Tempo und die Unterstützung vom E-Motor gewöhnen.»

Hinweis
www.aureusdrive.ch

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