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Diese Woche verzichten Tausende Luzerner Schüler auf ihre «Flimmer-Dinger»

Bereits zum 14. Mal findet diese Woche in zahlreichen Schulen im Kanton Luzern eine Flimmerpause statt. Wer daran teilnimmt, verzichtet in der Freizeit auf Bildschirm-Medien wie Computer, Smartphone oder Spielkonsole. Dabei gibt es heuer eine Premiere.
Susanne Balli
Weg vom Bildschirm - das ist die Idee der Flimmerpause. (Symbolbild: Getty)

Weg vom Bildschirm - das ist die Idee der Flimmerpause. (Symbolbild: Getty)

Die Bildschirm-Medien prägen unseren Alltag. Sie dienen als Werkzeug beim Arbeiten, bei der Planung, Kommunikation und auch zur Unterhaltung in der Freizeit. Genau auf Letzteres wird in der Flimmerpause, einem Projekt von Akzent Prävention und Suchttherapie Luzern, der Fokus gelegt. Während dieser Woche verzichten all jene, die sich auf das Experiment einlassen, in ihrer Freizeit auf Bildschirm-Medien. Projektleiterin Brigitte Waldis-Kottmann (57) von Akzent sagt, warum dieses Jahr das Interesse am Projekt besonders gross ist:

Wie viele Personen aus dem Kanton Luzern nehmen heuer an der Flimmerpause teil?

Brigitte Waldis: Es sind mehr als 5000 Kinder und Erwachsene im Kanton Luzern. Es haben sich 19 ganze Schulhäuser aber auch 21 einzelne Klassen dafür angemeldet. Das sind deutlich mehr als in den Vorjahren, wo es jeweils zwischen 2000 und 3000 Personen waren.

Warum ist das Interesse an der Flimmerpause so gross?

Es ist ein Zeitthema, das immer mehr beschäftigt, und bei dem man auch an seine Grenzen kommt – seien es Lehrpersonen und Erziehungsberechtigte wie auch Kinder und Jugendliche. Zudem ist es ein Thema des Lehrplans 21, in welchem es als eine Kompetenz festgehalten ist. Das Spezielle in diesem Jahr ist übrigens, dass sich sieben Familien für die Flimmerpause angemeldet haben. Das sind deutlich mehr als in den vergangenen Jahren.

So viele sind das ja aber nicht.

Ja, aber wir gehen von einer hohen «Helligkeitsziffer» aus – von einer Dunkelziffer möchte ich hier nicht sprechen, da es ja etwas Positives ist (lacht). Viele Familien begleiten ihre Kinder und nutzen diese Zeit für gemeinsame Aktivitäten, ohne sich anzumelden. So weiss ich beispielsweise von Abendspaziergängen, die geplant sind oder von Familien-Ping-Pong-Turnieren in dieser Woche.

Eine Flimmerpause machen, ohne dass die Eltern mitziehen, ist wohl auch schwierig?

Richtig. Es gibt immer wieder Rückmeldungen von Kindern, die sagen, wie herausfordernd die Flimmerpause für sie war, weil zu Hause zum Beispiel immer der Fernseher läuft. Dann können sich die Kinder nicht an die Regeln halten oder müssen sich ins Zimmer zurückziehen.

Fällt es den Kindern heutzutage generelle schwer, ohne Smartphone, Computer, Fernseher und Spielkonsole auszukommen?

Es ist nicht für alle gleich schwierig. Erfahrungsgemäss ist es für die Kleineren etwas einfacher als für die älteren Kinder. Bei ihnen löst die Flimmerpause zuerst manchmal auch etwas Widerstand aus.

Wie setzten die Klassen denn die Flimmerpausen um? Eine Kontrolle ist ja kaum möglich?

Nein. Wir machen daraus auch keinen Wettbewerb mit Preisen mehr. Wir sind keine Kontrollinstanz. Viel wichtiger als Kontrolle sind die Vorbereitung und die Begleitung während dieser Zeit. Die Lehrpersonen besprechen mit den Kindern im Unterricht, worauf verzichtet wird. Es werden Alternativen der Freizeitgestaltung gesucht. Zum Beispiel durch den Besuch von Ludotheken im Vorfeld. Einige Schulen stellen auch einen Spielbus auf dem Pausenplatz auf und verzichten während der Flimmerpause auf Hausaufgaben.

Und wie gut halten sich die Lehrpersonen selber an die Flimmerpause.

Unterschiedlich. Einige Lehrpersonen ziehen das zum Teil sogar im Unterricht durch. Das ist toll und sehr konsequent. Aber auch sehr schwierig, auf Computer als Hilfsmittel für den Unterricht oder für die Unterrichtsvorbereitung zu verzichten. Lehrpersonen sind daher frei, die digitalen Medien als Werkzeug und Planungsinstrument auch während der Flimmerpause zu nutzen.

Einerseits sind ja Laptops und Smartphones immer mehr Teil des heutigen Unterrichts. Bereits in Kindergärten gibt es einen Laptop. Andererseits sollen die Kinder in der Freizeit darauf verzichten. Ein zweischneidiges Schwert.

Ja. Gerade das ist eine Herausforderung. In der Flimmerpause stellt sich darum die Frage: Wie können Erwachsene den Kindern den Unterschied zwischen «Arbeitsgerät» und «Freizeitunterhaltung» bei den Kindern vermittelt werden, damit das glaubwürdig rüberkommt?

Ja. Wie?

Digitale Medien zu nutzen hat viel mit Alltagsmustern und Konsumverhalten zu tun. Die Flimmerpause soll Kinder, Lehrpersonen und Eltern sensibilisieren, sich über den eigenen Medienkonsum Gedanken zu machen. Jeweils im März führen wir im Vorfeld der Flimmerpause eine Infoveranstaltung durch, um Hilfestellung in der Vorbereitung zur Flimmerpause zu geben. Für die Schulen haben wir eine Themenbox erarbeitet mit Unterrichtsvorschlägen, um Mediennutzung zu thematisieren und Alternativen in der Freizeit zu erarbeiten.

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