Diese zwei Frauen fordern die fünf amtierenden Ebikoner Gemeinderäte heraus

Heidi Koch (GLP) und Marianne Wimmer-Lötscher (SP) wollen beide in die Exekutive. Dank ihren Kandidaturen können die Ebikoner am 29. März überhaupt auswählen.

Roman Hodel
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Von links: Heidi Koch (GLP) und Marianne Wimmer (SP) vor dem Gemeindehaus Ebikon.

Von links: Heidi Koch (GLP) und Marianne Wimmer (SP) vor dem Gemeindehaus Ebikon.

Corinne Glanzmann / Luzerner Zeitung

Die Ausgangslage bei den Gemeinderatswahlen in Ebikon am 29. März ist spannender als erwartet: Zwar treten alle fünf amtierenden Gemeinderäte wieder an – aber sie sind nicht die Einzigen. Zwei Frauen wollen es wissen und fordern die Bisherigen heraus. Da ist zum einen Heidi Koch (Grünliberale). Die 60-Jährige kandidiert, «weil die Bevölkerung wieder mehr Vertrauen in den Gemeinderat braucht», wie sie sagt. Dieses sei in der aktuellen Legislatur teils verloren gegangen. Damit spricht Koch Abstimmungen wie etwa jene zum MParc-Areal an, bei welcher die Exekutive nicht die allerbeste Figur machte. «Die Bevölkerung muss stärker in die Planung eingebunden werden, da würde ich als Gemeinderätin ansetzen», sagt Koch. Und sonst? «Mich stark machen für ein attraktives Dorfzentrum.» Der Kauf des Löwen-Areals durch die Gemeinde sei ein erster Schritt. «Darüber hinaus würde ich versuchen, die Quartiere zu stärken, etwa mit neuen Treffpunkten.»

Kurz vor den Wahlen die Partei gewechselt

Ihre Kandidatur sorgte im Dorf für Gesprächsstoff. Dies vor allem deshalb, weil die Grünliberale bis im vergangenen Herbst noch SP-Mitglied war. Entsprechend mager fällt denn auch der Support von anderen Parteien aus – einzig die eigene Partei empfiehlt sie zur Wahl. Selbst bei den Grünen ist sie nicht auf der Liste – im Gegensatz zu SP-Kandidatin Marianne Wimmer-Lötscher. «Ich hätte mir schon mehr Unterstützung gewünscht und mich verwundert auch, in welchem Ausmass ich mit meinem Parteiwechsel bei manchen SPlern in Ungnade gefallen bin», sagt Koch. Dabei habe sie die Genossen nur verlassen, weil ihre Umweltanliegen zu wenig Gehör gefunden hätten.

«Der SP war ich zu grün und den Grünen bin ich nun offenbar zu wenig rot für eine Wahlempfehlung.»

Ihre Wahlchancen dürften deshalb überschaubar sein, dennoch gibt sich Koch kämpferisch: «In meinem Berufsalltag sehe ich, dass viele Leute keine Stimme haben – und für sie engagiere ich mich.» In Ebikon wohnt die gebürtige Deutsche seit 25 Jahren, zusammen mit ihrem Ehemann und Labrador-Hund Carlo. «Auf der Strasse erhalte ich viel Zuspruch für meine Kandidatur», sagt sie. «Man kann doch nicht nur immer schimpfen, sondern muss auch etwas tun – zumal ich spüre, dass es in Ebikon wieder vorwärtsgeht.» Falls es mit der Wahl nicht klappt, behält sie sich in vier Jahren eine Kandidatur für den Einwohnerrat vor, so denn die Bevölkerung die Einführung eines Parlaments beschliessen sollte.

SP will verlorenen Sitz zurück

Den Einwohnerrat als Alternative? Dies ist für die zweite Herausforderin, Marianne Wimmer, zwar auch eine Option. Doch viel lieber würde sie natürlich Gemeinderätin werden. Denn ein Amt in der Legislative hat die Kantonsrätin bereits. Und obwohl alle Bisherigen zur Wiederwahl antreten, hat Wimmer reelle Chancen, für die SP den 2016 verloren gegangenen Gemeinderatssitz zurückzuholen. Denn die 57-Jährige ist in der Gemeinde bestens vernetzt und «nimmt rege am gesellschaftlichen Leben teil», wie sie sagt. Dabei wird sie nun oft auf die Wahlen angesprochen:

«Neulich kam eine Frau auf mich zu und meinte, sie gehe wählen und wisse, wem sie die Stimme gebe.»

Dass die Kandidatur von Heidi Koch sie wohl Stimmen kosten könnte, nimmt sie sportlich: «So haben die Ebikoner mehr Auswahl. Im Fall eines zweiten Wahlgangs müssten wir aber sicher die Kräfte bündeln.»

Als Leiterin des gemeindeeigenen Zentrums Höchweid kennt Wimmer nicht zuletzt den Behördenapparat bestens. Diese Konstellation ist jedoch nicht ganz ohne: Die Gemeinderäte sind ihre Vorgesetzten. «Das ist mir klar», sagt sie. «Ich greife bewusst keinen bestimmten Sitz an, sondern mein Ziel ist wieder eine sozial-ökologische Stimme in der Exekutive.» Entsprechend will sie sich nicht zu den Leistungen des Gemeinderats in der aktuellen Legislatur äussern – nur soviel: «Ich habe das Höchweid 2011 in einer unruhigen Zeit übernommen, mit häufigen Personalwechseln.» Das genau habe sie aber gereizt.

«Ich wollte da hineinschauen, denn ich war überzeugt, dass die Ursache für die Probleme nicht die Menschen sind, sondern die Strukturen.»

So ähnlich sehe sie die Arbeit im Gemeinderat. Trotz ihrer politischen Heimat ist es ihr zudem wichtig zu betonen, dass sie wirtschaftlich denke: «Das beweise ich im Höchweid.»

Wimmer bezeichnet sich als visionär und entscheidungsfreudig. Was Letzteres betrifft, würde sie sich als Gemeinderätin auch nicht vor unpopulären Massnahmen scheuen: «Wir werden wohl nicht um eine Steuererhöhung herumkommen mit Blick auf die vielen Investitionen etwa bei den Schulhäusern.» Trotz Finanzproblemen und Wachstumsskepsis bei der Bevölkerung hat die verheiratete Mutter von zwei Kindern aber ein gutes Gefühl bezüglich Ebikons Zukunft – Überbauungen wie die Sagenmatt hätten Potenzial. Sie sagt:

«Die nächste Generation Ebikoner wird urbaner denken und für sie müssen wir Angebote schaffen.»

Hinweis: Bereits erschienen sind die Porträts der fünf amtierenden Gemeinderäte, die alle zur Wiederwahl antreten.