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Interview

Diesen Luzerner Goa-DJ kennt man sogar in Mexiko

Raffael Willi ist in der Goa-Szene als Jumpstreet bekannt. Der 28-Jährige aus Emmenbrücke ist Toxikologe an der Hochschule in Muttenz.
Roger Rüegger
Harte Sounds auf den Lauschern: Jumpstreet alias Raffael Willi. (Bild: Boris Bürgisser, Muttenz, 10. September 2019)

Harte Sounds auf den Lauschern: Jumpstreet alias Raffael Willi. (Bild: Boris Bürgisser, Muttenz, 10. September 2019)

Wie viele Platten haben Sie?

Raffael Willi: Platten?

Ja, die mit Musik drauf.

Ich habe noch nie ein Release auf CD gemacht.

Schallplatten aus Vinyl, die schwarzen Scheiben, die mit 33 Touren auf Plattenspieler laufen. Das Handwerk eines Disc Jockeys eben.

Die gibt es in meiner Musik schon gar nicht. So legten DJ’s früher auf. Für Rockbands mag der Vintage-Plattensound stimmen, in meinem Stil nicht. Heute arbeiten die meisten DJ’s mit einem USB-Stick, das ist praktischer und der Sound viel klarer.

Zugegeben, Ihre Tracks gehen ab. Wie heisst der Stil?

Ja, meine Musik ist hart. Der Stil heisst Psychedelic Trance. Der wurde in den 90er-Jahren in Goa an Outdoor-Partys gespielt.

Also vor Ihrer Zeit. Wo startete Ihre Laufbahn?

Zuerst spielte ich Gitarre in einer Metalband. Als die Bandmitglieder studieren gingen, fiel das Ganze auseinander. Ich wollte aber weiter Musik machen. Zuerst lud ich Musikprogramme aus dem Internet runter und begann mit Chillout Music, dann Drum’n’Bass, bis ich meinen eigenen Stil entwickelte.

Geht das Mixen am Computer denn unter Musik? Das frage ich Sie als Gitarristen.

Für mich definitiv. Wenn Leute sagen, es sei keine Musik, weil keine Instrumente gespielt werden, stimmt das nicht. Das hat für mich keinen Zusammenhang. Musik ist Musik.

Warum haben Sie auf die digitale Seite gewechselt?

Der Sound hat Potenzial, auch wenn er am Computer entsteht.

Sie sind gefragt. In den letzten drei Wochen waren Sie an Festivals in Italien, Armenien und den USA. Wo bleibt der Spass, wenn man noch ein 80-Prozent-Arbeitspensum erfüllt?

Derzeit ist es verrückt. Für die Arbeit bleibt kaum Zeit. Ich sollte längst einen Bericht abliefern. Zum Glück habe ich einen verständnisvollen Chef. Mein Tagesprogramm ist gedrängt. Am Wochenende verreise ich, sonst heisst es Schlafen, Labor, Studio, Organisieren und Marketing auf den sozialen Medien.

Bewerben Sie sich als DJ?

Um Engagements kümmere ich mich nicht. Mein Label aus Italien organisiert das meiste. Ich werde für Auftritte angefragt.

Müssen Sie überhaupt arbeiten nebenbei?

Nächstes Jahr mache ich Pause und widme mich der Musik. Bei Festivals wie in Armenien, wo nur wenige hundert Leute waren, gibt’s keine hohen Gagen. Es gibt Events mit 30000 Leuten, da werden DJ’s gut bezahlt. Es gibt welche, die 10000Franken pro Festival einstreichen. Zu denen gehöre ich nicht. Ein feudales Leben in der Schweiz als Goa-DJ liegt nicht drin.

Wie macht man auf sich aufmerksam?

An Festivals trifft man Leute. Ich kenne einen Iraner, der in der Szene verankert ist. Das sind Kontakte, die ich pflege.

Ein Iraner?

Iran hat eine grosse Bewegung.

Mit welchem Equipment sind Sie unterwegs?

Nur mit Laptop und USB-Stick. Ein Rucksack genügt.

Wie haben Sie auf sich aufmerksam gemacht?

Meine Musik war völlig neu. Ich begann, als es hier noch nicht so viele Leute in der Goa-Szene gab. Zudem sind meine Tracks gut, wie ich finde. Sonst würde ich sie ja nicht produzieren.

Die Fans muss man bei der Stange halten. Sie sind inzwischen einer von vielen in dieser Sparte. Was tun Sie?

Ich versuche, stets Neues zu mastern, will aber meine Identität bewahren. Es ist viel Experimentelles dabei, das gefällt mir – den Leuten offenbar auch.

Sie geben dem Partyvolk an, was sie zu tanzen haben. Das hat etwas Manipulatives!

So ähnlich. Für mich ist es das Schönste, wenn ein neuer Track bei den Leuten ankommt und sie sich in eine Art Trance bringen. Dann weiss ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Als Toxikologe können Sie abschätzen, wie die Leute drauf sind. Reicht Ihre Musik, um die in Trance zu versetzen?

Ich würde schon sagen. Es gibt zwar Substanzen, die helfen würden, aber die Leute wissen selber, was gut für sie ist.

Gibt es Fans, die eigens für Jumpstreet ein Festival besuchen?

Einige studieren das Line-Up, andere sind nicht interessiert, wer auflegt. Als ich in Mexiko engagiert wurde, bekam ich noch zu Hause Nachrichten von Leuten, die sich auf mich freuen.

Was beeindruckt Sie noch?

Wenn ich mich unter das Publikum mische und erkannt werde. Das erste Engagement war in Frankreich. Unglaublich, wie viele Leute ein Selfie mit mir wollten. Alleine, dass man mich gefragt hatte, war unglaublich.

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