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Dieser Krienser wechselt zwischen Seelsorger, Manager und drei Büros

Bernhard Waldmüller (55) ist neuer Pastoralraumleiter von Kriens. Der gebürtige Bayer steht für eine offene, sozial engagierte Kirche ein – und muss in seiner Funktion immer wieder einen Spagat vollziehen.
Stefan Dähler
Der neue Pastoralraumleiter der katholischen Pfarreien Kriens, Bernhard Waldmüller, in der Galluskirche. (Bild: Boris Bürgisser (26. Oktober 2018))

Der neue Pastoralraumleiter der katholischen Pfarreien Kriens, Bernhard Waldmüller, in der Galluskirche. (Bild: Boris Bürgisser (26. Oktober 2018))

«Suchet der Stadt Bestes» – unter dieses Motto stellte Bernhard Waldmüller seinen ersten Gottesdienst als Krienser Pastoralraumleiter. Nein, das hat nichts damit zu tun, dass Kriens von der Gemeinde zur Stadt wird. Der Satz stamme vom Propheten Jeremia und besage, dass «die Kirche dem Menschen dienen muss», sagt der 55-jährige gebürtige Bayer, der seine Stelle am 1. Oktober angetreten hat. «Das heisst, die Kirche muss sich sozial engagieren, das ist ihr Auftrag und der macht sie glaubwürdig.»

Diese Haltung wurzelt in einem Erlebnis, das Waldmüllers Verhältnis zur Kirche stark geprägt hat. «1983 habe ich meinen Onkel, der als Priester in einem Slum von Nairobi tätig war, besucht.» Das Elend und die Armut der Menschen dort sei gross gewesen. «Doch der Glaube und die Kirche gaben ihnen Hoffnung, eine Aufgabe, etwas Aufrichtendes und spendeten Trost.»

Drei Pfarreien rücken enger zusammen

Mit Kriens ist diese Situation natürlich nicht vergleichbar. «Doch auch hier kann man Menschen helfen. Wir tun das etwa mit Angeboten für Senioren oder die Integration von Flüchtlingen, indem wir Jugendlichen Räume zur Verfügung stellen und durch die Begleitung von Menschen in Trauer oder problematischen Situationen.» Diesbezüglich ist Waldmüller auch selbst engagiert, denn sein Beruf als Pastoralraumleiter beinhaltet seelsorgerische Aufgaben – aber nicht nur. «Ich muss auch Manager sein, etwa in der Personalführung, und die Reorganisation der Pfarreien vorantreiben.»

Seit 2012 bilden die drei Krienser Pfarreien St. Franziskus, St. Gallus und Bruder Klaus einen Pastoralraum. Sie wurden von drei Personen geleitet, jetzt ändert das Modell und eine Person leitet alle Pfarreien. «Die Herausforderung ist, die Identifikation der Leute mit ihrer Pfarrei beizubehalten und daneben gemeinsame Gottesdienste, Anlässe oder Kurse zu entwickeln. Das kann teils schon ein Spagat sein.» Das zeigt sich auch räumlich. Waldmüller arbeitet abwechselnd in allen Pfarreien. «Ich will die Leute vor Ort kennen lernen. Dank der Digitalisierung funktioniert das auch ganz gut, ich kann meinen Laptop ja jeweils mitnehmen.»

«Ich bedaure, wenn Aussagen aus dem Vatikan oder gewisser Bischöfe Homosexuelle oder Frauen vor den Kopf stossen.»

Insgesamt sei der Prozess auf gutem Weg. «Wichtig ist, dass wir den Pfarreien auch Freiraum lassen.» So sollen gewisse Eigenheiten weiterhin ihren Platz haben. «In der Galluskirche etwa finden eher klassische Gottesdienste statt, die Orgel spielt eine wichtige Rolle; im Bruder Klaus wird eher experimentiert.»

Waldmüller leitete zuletzt den Pastoralraum Region Bern. In Kriens folgt er auf Ruedy Sigrist, der zum Pastoralraum Adligenswil/Meggen/Udligenswil gewechselt hat (wir berichteten). Wie sein Vorgänger vertritt Waldmüller kirchenpolitisch eine liberale Haltung. «Ich bedaure, wenn Aussagen aus dem Vatikan oder gewisser Bischöfe Homosexuelle oder Frauen vor den Kopf stossen.» Für ihn sind alle in der Kirche willkommen. Wird er auf die konservative Haltung der «Weltkirche» angesprochen, versuche er aber auch, zu erklären, dass sich diese in einem schwierigen Spannungsfeld befinde – auch hier muss Waldmüller einen Spagat vollziehen. «Ich bin mir sicher, dass sich die Kirche diesbezüglich wandeln wird. Aber nur sehr langsam.»

Kirchliches Angebot in Luzern Süd «nötig»

Schneller wandelt sich Kriens. Im Zentrum und im Gebiet Luzern Süd entstehen zahlreiche Neubauten. Wie wird sich das auf die Kirche auswirken? «Bezüglich Mitgliederzahlen und Steuereinnahmen können wir das noch nicht abschätzen», so Waldmüller. Aktuell zählt die Kirchgemeinde 14 742 Mitglieder, die Zahlen waren zuletzt leicht rückläufig. Klar sei, dass man auf den neuen Stadtteil in Luzern Süd reagieren müsse. «Das Gebiet gehört territorial zur Pfarrei Bruder Klaus. Die Leute werden aber nicht von sich aus dorthin gehen.» Nötig sei ein Angebot vor Ort.

In der Vergangenheit wurde auch schon ein Haus der Religionen ins Spiel gebracht. In Bern war Waldmüller am Aufbau eines solchen am Rande beteiligt. «Ob das auch zu Kriens passen würde, kann ich noch nicht beurteilen.» Denkbar seien allenfalls auch andere, mobile Angebote. «Sie müssen sicher einen urbanen Charakter haben.»

Zur Person
Bernhard Waldmüller (55) ist in Bayern aufgewachsen und wohnt seit 1991 in der Schweiz. Er ist Schweizer Staatsbürger, verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Der promovierte Theologe leitete zuletzt den Pastoralraum Region Bern.

Bernhard Waldmüller (55) ist in Bayern aufgewachsen und wohnt seit 1991 in der Schweiz. Er ist Schweizer Staatsbürger, verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Der promovierte Theologe leitete zuletzt den Pastoralraum Region Bern.

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