Dieser Luzerner baut perfekte Trommeln, keine «Zwetschgen»

René Winkelmann aus Schwarzenberg beherrscht das Trommelbauen wie nur noch wenige in der Schweiz. Demnächst eröffnet der 70-Jährige ein Atelier in Schwarzenberg. Für ihn ist klar: Trommeln hält geistig fit.

Natalie Ehrenzweig
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Trommelbauer René Winkelmann in seinem Atelier. (Bild: Nadia Schärli, Schwarzenberg, 20. Mai 2019)

Trommelbauer René Winkelmann in seinem Atelier. (Bild: Nadia Schärli, Schwarzenberg, 20. Mai 2019)

Achtjährig war René Winkelmann, als er sich vor 62 Jahren bei der Basler Fasnachtsclique VKB anmeldete, weil er Trommler werden wollte. «Ich hatte den Nachbarn trommeln gehört und das hat mich fasziniert», erzählt der Basler, der seit 30 Jahren in der Zentralschweiz wohnt. In den Basler Fasnachtscliquen fangen Trommler bei Null an. «Das Wichtigste, gerade als Kind, ist der Wirbel. Ein Kind lernt einfacher, einen rollenden Wirbel zu trommeln, weil seine Handgelenke noch flexibler sind.»

Dieses Jahr wird René Winkelmann 70-jährig. Er trommelt immer noch täglich und hat nun beschlossen, in seinem Zuhause in Schwarzenberg ein Trommelatelier zu eröffnen. «Nur als ich als Koch-Lehrling während der Fasnacht arbeiten musste, habe ich ein paar Jahre nicht getrommelt», sagt er. «Sonst war ich immer sehr ehrgeizig. Als Tambour muss man mindestens 30 bis 60 Minuten üben am Tag.» Er ging sogar noch weiter und bildete sich zum Trommellehrer weiter – ehrenamtlich.

Trommeln ist auch eine Konzentrationssache

Nach der berufsbedingten Trommelpause musste Winkelmann wieder von vorne beginnen. «Nach zwei Jahren Üben war ich wieder so weit, dass ich 18 Märsche spielen und wieder mit einer Clique mitlaufen konnte», erinnert er sich. Ihm gefallen die Märsche: Erst müsse man die Stücke – er spricht von «Melodien» – ins Ohr bekommen. Er sagt:

«Wenn ich den ‹Whisky & Soda› höre, läuft es mir kalt den Rücken runter.»

Trommeln halte auch geistig fit. In einer Gruppe marschierend die Märsche zu spielen, sei nicht einfach: «Man muss sich der Clique unterordnen, sich konzentrieren».

Obwohl Winkelmann wohnsitzmässig Basel verlassen hat, fährt er auch jetzt alle zwei Wochen zur Tambouren-Probe nach Basel. Auch wegen des Dialekts, meint er schmunzelnd. Als ihn in den 80er Jahren, während er in Beromünster als Küchenchef arbeitete, immer mehr Leute baten, Trommeln nach Basel zur Reparatur mitzunehmen, dachte er sich, dass er das doch auch selbst machen könnte. Im Selbststudium brachte er sich das Trommelbauen bei. Dazu gehören das Ein- und Ausseilen sowie das Anziehen der Seile und Spannen des Fells (Fachausdruck: Schränken).

Der Perfektionist

Sein Atelier war jeweils samstags offen, die Trommler, kamen mit ihren Instrumenten zu ihm. «Ich hatte einen guten, grossen Kundenstamm», sagt er. Der 69-Jährige ist Perfektionist, wägt die Schlägel ab und investiert so viel Zeit in das Schränken, dass er keine «Zwetschge» (verzogene Trommel) abliefert, sondern nur einwandfreie, gleichmässig gespannte Trommeln. «Ich habe genug Erfahrung, dass ich das Fell am Schluss mit dem Finger kontrolliere», sagt er.

Trommelbauen ist ein Handwerk, das nicht mehr viele Menschen beherrschen. Etwa zehn Stunden benötigt René Winkelmann, um eine neue Trommel zu bauen. Die Herausforderung sei das Bearbeiten verschiedener Materialien – Holz, Metall, Seile, Felle. Winkelmann näht sogar die Lederstruppen (Bänder, die die Seile zusammenhalten) selbst:

«Trommelbauen ist Philosophie, Wissenschaft und Erfahrung zugleich.»

Die letzten fünf Seile zieht dann der Trommler (Tambour) selbst nochmals nach, denn beim Schränken lässt mit der Zeit die Kraft nach.

Mit der Wiedereröffnung seines Trommelateliers hofft Winkelmann, sein Winterhobby mit anderen Trommlern zu teilen. «Im Sommer bin ich mit meiner Goldwing und meinen Hunden im Seitenwagen unterwegs», sagt er. Er möchte wieder jeden Samstag Trommler in seinem Atelier begrüssen und ihnen mit ihren Instrumenten helfen. Ganz besonders freut er sich auf seine Trommel in Lila, die gerade beim Airbrushing ist – eine mehr für seine umfangreiche Sammlung, die er im Herbst auch ausstellen wird.

Hinweis: Trommel-Atelier Winki, Schwarzenberg, Sonnenrain 37, 6103 Schwarzenberg.

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