Dieser Master-Absolvent braucht praktisch keine Freizeit

Joseph Sieber komponiert, musiziert und dirigiert. Jetzt hat er seinen Master in Klavierpädagogik abgeschlossen und braucht erst mal eine Pause. Aber dann hat er ambitiöse Ziele.

Roman Kühne
Drucken
Teilen
Hat trotz der kleinen Musikpause in Tschechien ein E-Piano dabei: Master-Absolvent Joseph Sieber mit Kollege Jan Oliver Bühlmann. (Bild: PD)

Hat trotz der kleinen Musikpause in Tschechien ein E-Piano dabei: Master-Absolvent Joseph Sieber mit Kollege Jan Oliver Bühlmann. (Bild: PD)

Der Pianist Joseph Sieber ist momentan schwierig zu erreichen. Vor ein paar Tagen erhielten er und seine Kommilitonen die Bachelor- und Masterdiplome der Hochschule Luzern – Musik (siehe Kasten). Mittlerweile ist er bereits mit einem anderen Musiker unterwegs in Tschechien. Sie leben im Campingbus, wandern viel, entspannen sich - ohne Mobiltelefon. Etwas ungewöhnlich für einen jetzt schon viel beschäftigten 26-Jährigen. «Ich habe auch in der Schweiz kein Handy mehr», erklärt Sieber. Ein bewusster Schritt. «Diesen Kanal permanent zu bedienen und am Laufen zu halten wurde immer schwieriger und hat mich viel Energie gekostet. Ich musste und wollte mich wieder stärker fokussieren.» Denn Musik habe viel mit Ruhe zu tun. Um mit guter Qualität üben zu können, brauche es einen Fokus, ein Gleichgewicht. Tschechien ist deshalb auch eine Art Pause von der Musik. «Ich habe den ganzen Sommer gearbeitet», erklärt Sieber.

Es gab Probelager, viele Sitzungen und Planungen für den Herbst. Vor zwei Wochen erlebte er den Höhepunkt, als er das Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester ZJSO im KKL am Lucerne Festival dirigieren durfte. Nun ist die Luft etwas draussen. Aber zwei, drei Wochen ganz ohne Musik? Joseph Sieber lacht: «Wir haben ein E-Piano dabei. Jan Oliver Bühlmann ist Sänger und Pianist. Wir spielen jeden Tag und diskutieren auch über Musik. Aber nicht zu viel. Im Zentrum steht schon das Abschalten. Wir möchten neue Energie tanken.»

Jiu-Jitsu ist wie Dirigieren

In der Schweiz scheint der Pianist unter Dauerstrom. Ständig hat er Projekte am Laufen. Orchesterkonzerte, Soloauftritte, Gesangsbegleitung – woher nimmt er diese Energie? Was treibt ihn an? «Meist sind es die Menschen, die mich inspirieren», führt Sieber aus. «Sie geben mir die Lust, ein Projekt anzureissen.» Mit der Sopranistin Patricia Zanella etwa, welche er vom Studium her kennt, gestaltet er im Herbst einen Liederabend. Überhaupt gebe es sehr viele talentierte Leute – mehr, als es Plattformen gebe. Viel Freizeit bleibt einem da nicht mehr. «Bei mir ist eigentlich alles der Musik untergeordnet», gibt Sieber zu. «Ich brauche nur wenig Freizeit. Die Musik bietet mir genügend und reichhaltige Abwechslung». Etwas Ausgleich braucht jedoch auch ein tonales Multitalent. Bei ihm ist es der japanische Kampfsport Jiu-Jitsu. Gerade beim Jiu-Jitsu findet er viele Parallelen zum Dirigieren. Bei beiden ginge es darum, Bewegungen einzustudieren und diese dann ihrem Zweck gemäss auszuführen. «Die ganze Bewegung muss auf einen natürlichen Zweck hinauslaufen. Wenn man grosse Musiker beobachtet, so machen diese alles aus dem Handgelenk, erreichen mit wenig Aufwand einen maximalen Effekt.»

Zwischenjahr in Deutschland oder den USA

Seine Zukunft sieht Joseph Sieber beim Dirigieren. Jetzt möchte er erst mal ein Zwischenjahr machen. Er wird wohl an eine Uni in Deutschland oder den USA gehen. Diese Länder bieten am ehesten eine offene Ausbildung, sestzen auf das regelmässige Training mit dem Orchester. «Dies ist für mich das wichtigste», bringt es Sieber auf den Punkt.

Das sind die Zentralschweizer Absolventen

Maria del Mar Ballester Puigserver, Weggis; Giulia Bättig, Weggis; Carolina Barazza, Luzern; Michael Barmet, Egolzwil; Linda Bellova, Ebikon; Bernadette Christen, Zell; Marco Dorer, Rothenburg; Simone Durrer-Stock, St. Niklausen; Simone Felber, Horw; Evamaria Felder, Schüpfheim; Silvia Fischer, Triengen; Mathias Fries, Oberkirch; Simon Hafner, Sigigen; Uta Herfort, Kriens; Gabriel Herger, Ebikon; Mario Ineichen, Luzern; Sabine Jutz, Kriens; Thomas Lehmann, Werthenstein; Remo Leitl, Obernau; Brenda Monica Maiorini Varela, Schüpfheim; Lea Mathis, Luzern; Gabriel Miranda Martínez, Luzern; Cornelia Morokutti, Altwis; Roman Müller, Buchrain; Patrick Notter, Doppleschwand; Florian Respondek, Hochdorf; Niklaus Rindlisbacher, Luzern; Sandra Rust, Sursee; Joseph Sieber , Kastanienbaum; René Simonpietri, Kriens; Julia Stadelmann, Luzern; Marisa Urfer, Kriens; Laura Valkovsky, Ebikon; Martin Walter, Willisau; Emanuel Wildeisen, Schenkon; Léonie Wismer, Rickenbach; Ursula Zihlmann, Luzern; Adrian Würsch, Emmetten; Remo Abächerli, Giswil; Joël Banz, Sachseln; Valérie Halter, Lungern; Michael Mächler, Schindellegi; Sharon Mazzoletti, Wollerau; Rahel Trinkler, Galgenen; Susanne Andres, Baar; Daniel Holzgang, Rotkreuz; Mathias Landtwing, Unterägeri; Jeanine Murer, Baar; Charlotte Röttger, Hünenberg; Anita Schaufelberger, Baar; Thomas Schicker, Rotkreuz; Lucia Strickler, Menzingen.