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Finsterwald: Dieser Luzerner Verein unterstützt die Älpler

Die Älplerbruderschaft Finsterwald sorgt für rund 25 Alpen. Eine Mitgliedschaft erlischt normalerweise erst mit dem Tod. Um Mutationen im Griff zu haben, wird auch unkonventionell gearbeitet.
Ernesto Piazza
Der aktuelle Präsident Martin Renggli auf seiner Alp «Stettili» in Finsterwald. (Bild: Pius Amrein, 8. August 2018)

Der aktuelle Präsident Martin Renggli auf seiner Alp «Stettili» in Finsterwald. (Bild: Pius Amrein, 8. August 2018)

Das Thermometer kratzt bereits am Vormittag an der 30-Grad-Grenze. Ein weiterer Hitzetag kündigt sich an – auch in Entlebuch. Vom Hof Schluchen – dem Zuhause der Familie Bieri – kann man den Blick entlang dem nahe gelegenen Hügelzug bis nach Heiligkreuz und hoch zum Bergrestaurant First schweifen lassen.

In den Gemeinden Entlebuch und Hasle, im Gebiet Schimbrig-Risete, liegen die 25 Alpen des Vereins Älplerbruderschaft Finsterwald. 2018 kann der Verein sein 60-jähriges Bestehen feiern. Morgen Sonntag findet im Rahmen des Jubiläums das Sommerpicknick auf der Brüdernalp statt. Diese wird – wie auch der Hof Schluchen – von Reto und Karin Bieri bewirtschaftet. Letztere nimmt im sogenannten Älplerrat auch als Schreiberin (Aktuarin) Einsitz. Weitere Vorstand-Chargen sind der Älplervater (Präsident), der Pfleger (Kassier), zwei Beisitzer und zwei Rechnungsprüfer. Die Gemeinschaft steht «unter dem Schutze der lieben Gottesmutter Maria und des Heiligen Bruder Klaus und Wendel (Heiliger Wendelin)», wie die Statuten «der löblichen Älplerbruderschaft Finsterwald» erwähnen.

Fahnenträger der Älplerbruderschaft an der Fahnenweihe am 4. Oktober 1959. (Bild: PD)

Fahnenträger der Älplerbruderschaft an der Fahnenweihe am 4. Oktober 1959. (Bild: PD)

Mitglieder bei der Fahnenweihe am 4. Oktober 1959. (Bild: PD)

Mitglieder bei der Fahnenweihe am 4. Oktober 1959. (Bild: PD)

Die Fahnenpaten Marie Giger-Bachmann und Franz Felder bei der Fahnenweihe im Oktober 1959. (Bild: PD)

Die Fahnenpaten Marie Giger-Bachmann und Franz Felder bei der Fahnenweihe im Oktober 1959. (Bild: PD)

Verein kennt breites Mitgliederspektrum

Der Verein hat knapp 300 Mitglieder, davon ist rund die Hälfte mit dem Status «aktiv» versehen. Diese bezahlen einen jährlichen Beitrag von 15 Franken. Das einmalige Eintrittsgeld beträgt 20 Franken. Mitglied werden dürfe jeder unbescholtene christliche Bauer und Älpler von Finsterwald, ob Mann oder Frau, erklären die Statuten weiter. Das wird heute jedoch nicht mehr so streng gelebt. Zu den Mitgliedern gehören auch Älpler und Älplerinnen, die in diesem Gebiet ihren Beruf ausüben. Sie müssen aber das 20. Altersjahr erfüllt haben. «Mitglieder sind bei uns auch der Metzger, der Tierarzt, der Käser oder der Pfarrer», erklärt Karin Bieri.

«Mitglieder sind bei uns auch der Metzger, der Tierarzt, der Käser oder der Pfarrer.»

Beim Zweck spornen die im Jahre 1980 überarbeiteten Statuten der löblichen Älplerbruderschaft Finsterwald die Mitglieder zu einem frohen Leben aus dem christlichen Glauben an – insbesondere während der Alpzeit. Die Älplerbruderschaft führt zwei Kassen: eine Festtagskasse für Aktivitäten und eine Bruderschaftskasse. Bei einer Auflösung des Vereins würde Letztere für christliche Zwecke verwendet.

Die Zugehörigkeit zum Verein läuft unter der Maxime «einmal dabei – immer dabei». Oder anders formuliert: «Wenn eine Person der Älplerbruderschaft Finsterwald beitritt, ist sie es das ganze Leben», sagt Präsident Martin Renggli. Normalerweise erlischt die Mitgliedschaft erst mit dem Tod. Beim Ableben müsste die Älplerbruderschaft von den Hinterbliebenen durch Zurückschicken der Statuten orientiert werden. «Es kann ja sein, dass Personen weggezügelt sind und die Informationen nicht bis zu uns kommen», so Karin Bieri.

Erst kürzlich sei eine Mutation aus dem Seetal gemeldet worden. «Das ist aber die absolute Ausnahme», weiss die Aktuarin. Darum durchstöbert eine Vereinsperson auch die Luzerner Tageszeitung, um so auf Todesfälle von Mitgliedern zu stossen. Den einheimischen Verstorbenen erweist der Verein beim Abschiedsgottesdienst mit der Fahne die letzte Ehre. Weiter besagen die Statuten, dass jemand, der sich dem Geiste der Bruderschaft zuwider aufführe, das gute Einvernehmen unter den Mitgliedern störe oder seinen Mitgliedschaftspflichten nicht nachkomme, die Zugehörigkeit verliert. Dazu ist aber ein Generalversammlung-Beschluss notwendig.

Vorstandsmitglieder zu rekrutieren ist Knacknuss

«Soweit ist es aber meines Wissens in der Geschichte des am 5. Juni 1958 gegründeten Vereins noch nie gekommen», sagt Präsident Renggli. Ein Jahr später, am 4. Oktober, wurde die erste Fahne eingeweiht. Am 14. November 1960 kam es zur Feuertaufe der Älplerkilbi. Aus den Protokollen geht auch das stetige Bestreben zur Förderung des alten Kulturgutes hervor. Als aktuell grösste Herausforderung bezeichnet Renggli «das Werben um Mitglieder». Diesen Prozess versuche man möglichst aktiv anzugehen. Oft «vererben» sich Mitgliedschaften innerhalb der Familien. Ganz nach dem Motto: Wie die Eltern – so die Kinder. Eine Knacknuss sieht Karin Bieri in der Rekrutierung der Vorstands-Crew. Früher sei eine solche Charge noch ein Ehrenamt gewesen, «heute sind viele froh, möglichst nicht für ein Mandat angefragt zu werden.» Der Älplervater darf nur für zwei Amtsperioden á je zwei Jahre nacheinander gewählt werden. Er kann sich aber später wieder zur Verfügung stellen. So wollen es die Statuten. Bis es im nächsten Jahr soweit ist, möchte Renggli noch den Betruf lernen. Und dass er später auf den Präsidentenstuhl zurückkehrt, würde auch Karin Bieri befürworten. Dann könnte sie sich vorstellen, «ebenfalls weiterzumachen», sagt sie schmunzelnd. Es macht fast den Anschein, als ob die beiden nur im Doppelpack zu kriegen sind.

Im Jubiläumsjahr sind die Vereinsaktivitäten umfangreicher als üblich. So haben neben dem Raclette-Essen bereits Gottesdienste auf den Alpen Chätterich, Risch und Lauenberg stattgefunden. Mitte August steht auf der Brüdernalp ein weiterer an. Mit dem Erntedank-Gottesdienst, für den Diakon Franz Renggli verantwortlich ist, werden diesjährigen Feierlichkeiten abgerundet. In diesem Rahmen tragen unter anderem immer zwei Kinder dem Diakon als Zeichen der Wertschätzung ein Gedicht vor. Zudem überreichen sie ihm von der Alp Risch jeweils ein Mutschli. Das ist der einzige Ort im Vereinsgebiet, wo noch gekäst wird.

Einmal pro Jahr spricht Diakon Franz Renggli den Alpsegen. «Dabei besucht er all jene, die sich das Ritual wünschen», sagt Präsident Martin Renggli. Speziell ein Termin ist dem Verein «heilig»: die Generalversammlung. Sie findet immer nach dem Gedächtnisgottesdienst am Bettagssonntagabend statt.

Gleichzeitiger Talbetrieb macht Älpler zu Pendlern

Momentan herrscht auf den Finsterwalder Alpen Sommerbetrieb – und das normalerweise während 100 Tagen. Die vielerorts fast tropischen Temperaturen gehen aber auch im Entlebuch nicht spurlos vorbei. So kann es sein, dass das Vieh früher von den Alpen kommt, dass die Winterfutterreserven angezehrt werden müssen. Renggli selber ist im «Stettili» von der Wasserknappheit betroffen. Bereits führt er täglich mit einem Tank Wasser zu. Bieris wie Rengglis haben noch einen Talbetrieb. Momentan sind sie also Pendler. Und nebenbei gilt es, noch die letzten Details für das Sommerpicknick zu erledigen. Dort erwartet der Vorstand eine Rekordbeteiligung.

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