Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Interview

Dieser Zuger macht das scheinbar Unmögliche möglich

Joe Brändli repariert seit bald 40 Jahren elektronische Härtefälle in seinem Electronic Center in Zug. Was nicht ab der Stange erhältlich ist, stellt der 73-Jährige in der Regel selber her. Unmöglich ist nichts – nur dauert’s manchmal etwas länger.
Roger Rüegger
«Eigentlich will ich nur die Kunden glücklich machen.» Joe Brändli in seinem Shop. (Bild: Alexandra Wey (Zug,29. August 2018))

«Eigentlich will ich nur die Kunden glücklich machen.» Joe Brändli in seinem Shop. (Bild: Alexandra Wey (Zug,29. August 2018))

Joe Brändli, Sie lösen auch scheinbar unlösbare elektronische Probleme. Ihr Slogan «geht nicht, gibt’s nicht» spricht für sich. Wie lange brauchen Sie, um etwas «Unmögliches» möglich zu machen?

Das darf ich nicht sagen. Manchmal geht es etwas länger.

Es heisst doch: Wunder dauern etwas länger?

Mein eigener Werbespruch ist dieser: Bei uns finden Sie fast alles, wonach Sie schon immer gesucht haben. Geht nicht, gibt’s nicht war die Idee meines Sohnes. Ich will aber eigentlich nur Kunden glücklich machen.

Wie erreichen Sie das?

Indem ich auf Wünsche eingehe. Ein Musiker wollte beispielsweise, dass ich einen Verstärker in sein Alphorn montiere.

Haben Sie ihn glücklich gemacht?

Ich hätte dem sicher einen Verstärker einbauen können. Aber er wollte plötzlich nicht mehr. Ein anderer Kunde hatte die Idee, ich solle ihm einen Kassettenplayer in seine Handorgel einbauen.

Es gibt Strassenmusiker, die so etwas dringend nötig hätten. War der so einer?

Kann sein. An den Namen des Musikers erinnere ich mich nicht mehr. Aber vermutlich hat das Instrument mit meiner Modifikation besser geklungen als vorher.

Bekommen Sie alles hin?

Bis jetzt habe ich die Erwartungen der Kunden meist erfüllt. Doch es wird schwieriger, den elektronischen Schrott, der heute teilweise verkauft wird, zu reparieren.

Was macht die neue Technologie so schwierig?

Die Prozessoren dieser Wegwerfware. Das Innenleben sieht manchmal aus wie in einem Computer mit viel Mikroelektronik. Das macht es schwierig, Probleme zu erkennen und zu lösen.

Dann war in Ihrem Berufszweig früher alles besser?

Heute sind andere Problemlösungen gefragt. Früher hatten wir viele junge Bastler oder Modelleisenbahner, denen man rasch eine spezielle Schaltung herstellen musste. Die gibt es heute fast nicht mehr.

Einer Fotografin bauten sie ein Effektpedal um. Das Gerät benutzten einst Musiker, jetzt erzeugt die Frau damit Blitze. Sie sind ein Teufelskerl!

Ja, so etwas habe ich ihr umgebaut. Bestellen Sie ihr einen Gruss. Ist sie zufrieden damit?

Glaub schon. Das zeigt, Sie haben immer noch Spezialaufträge. Zudem können Sie heute Mobiltelefone reparieren. Die gab’s früher nicht.

Hör mir auf. Schau nur, wie die Leute durch die Gegend rennen. Mit gesenkten Köpfen auf ihre Natels fixiert. Der junge Typ auf der anderen Strassenseite stolpert jetzt dann über das Trottoir. Nei Du. Wir reparieren solche seit 25 Jahren, aber innerlich bin ich allergisch auf diese Geräte.

Eine Kollegin aus Zug sagt, Joe Brändli sei eine Legende.

Eine Legende? Nein. Mich kennen einfach viele Leute. Dieses Jahr wurde ich zum Zuger des Jahres gewählt.

Eben. Das wird man nicht einfach. Was ist ihr Verdienst?

Da müssen Sie die Leute fragen, die für mich gestimmt haben. Vielleicht bin ich der Schönste.

Da bin ich mir nicht sicher, aber es ist eine gute Antwort.

Aber das schreiben Sie jetzt nicht auf! «Nei hör uf; der ander!» Sie wissen viel zu viel über mich.

Ich weiss, dass man Joe Brändli in Kalifornien kennt!

Das wissen Sie auch? Nei aber...das stimmt im Fall. Da kam ein Typ aus Los Angeles in meinen Laden und sagte, dass ihm einer in Amerika gesagt hatte: «When you are in Switzerland, you must see Joe Brändli.»

Das ist doch stark?

Ich glaube, ein Bekannter des Typs aus den USA war zuvor in meinem Geschäft. Wenn man Spezialwünsche erfüllt, wird das weitererzählt. So kommen die Leute nicht nur aus den USA, sondern auch aus der halben Zentralschweiz zu mir.

Schön wie das Buschtelefon funktioniert. Das passt, Sie haben ja sprichwörtlich auf dem Gebiet gearbeitet.

Stimmt. Ich habe viele Jahre für Siemens Telefonanlagen in Afrika montiert. Als ich vor 40 Jahren zurück in die Schweiz kam, wollte ich mich selbstständig machen. Da ich mich mit Elektronik auskenne, war es naheliegend, das Geschäft zu eröffnen.

Ich wüsste gerne, was die Zuger machen, wenn Joe Brändli nicht mehr da ist, der alles flicken kann?

Der Schuhmacher flickt. Joe Brändli repariert. Was machen die Zuger? Das weiss ich nicht. Im Moment baue ich mein Geschäft um. Jeden Tag hauen mich ein paar Leute an und fragen: Du willst doch nicht etwa schliessen?

Und, schliessen Sie?

Nein, ich räume bloss mit einigen Dingen auf. Ich will mich nur gesundschrumpfen.

Sie fahren ein älteres amerikanisches Motorrad und einen Sportwagen. Da ist noch nicht viel Elektronik eingebaut. Was gefällt Ihnen an diesen Maschinen?

Dass man die selber reparieren kann. Ich habe noch nie ein Motorrad in eine Werkstatt gebracht.

Waren Sie viel motorisiert unterwegs?

Klar. In den USA und in Afrika habe ich etliche Zwischenfälle erlebt auf Reisen.

Was war das Verrückteste?

Als ich mit einer Freundin in einem VW-Bus durch die Sahara reiste. Mitten in der Nach brannte die Karre komplett aus.

Sie haben viel zu erzählen. Trotzdem war es eine Zangengeburt, Sie für das Interview zu gewinnen. Warum nur?

Weil ich finde, dass es andere Leute gibt, die auch viel zu erzählen haben. Ich kann denen genauso gut zuhören. Sind wir fertig? Ich will jetzt eine Zigarre rauchen und die in Ruhe geniessen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.