DIETSCHIBERG: Als man auf dem Dietschiberg noch Ski fuhr

Vor rund 50 Jahren galt Luzern als Hochburg des Wintersports. Auf dem Dietschiberg fanden bis vor 30 Jahren Skitage statt. Die Menschen waren früher weniger.

Basil Böhni
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Skitag1942 auf dem Dietschiberg, hinten ist die grosse Schanze zu erkennen. (Bild: Max A. Wyss/Stiftung Fotodok)

Skitag1942 auf dem Dietschiberg, hinten ist die grosse Schanze zu erkennen. (Bild: Max A. Wyss/Stiftung Fotodok)

Die gleiche Stelle auf dem Dietschiberg heute.

Die gleiche Stelle auf dem Dietschiberg heute.

Die Menschen waren früher weniger mobil, dafür schneite es im Winter regelmässig bis in die Niederungen. Konsequenz: Städter und Skischulen wählten nicht selten nahe gelegene Hügel, um einen Tag auf den Ski zu verbringen. So versammelten sich, wie das Archivbild nebenan zeigt, im Januar 1942 junge und ältere Wintersportbegeisterte am Hang des Dietschibergs in Luzern. Sogar eine Schanze gab es – mit Schweizerkreuz am Absprungtisch. Das Foto, das im Staatsarchiv Luzern aufbewahrt wird, wurde damals mit Blick zum bewaldeten Hang hinter dem Golf-Club-Haus Dietschiberg aufgenommen.

Abfahrt, Springen, Langlauf

Am Skitag 1942 wurde jedoch nicht nur gemütlich und schwungvoll talwärts gefahren, es fanden auch richtige Wettkämpfe statt. Nachzulesen ist dies etwa in der Ausgabe der Zeitung «Vaterland» vom 12. Januar 1942. Demnach lieferte sich Jung und Alt im Langlauf, dem Sprunglauf und in der Kombination der beiden Disziplinen Wettkämpfe. Junioren und Senioren kämpften auf der Schanze um die Bestklassierung. Hierzu durfte jeder Wettbewerbsteilnehmer drei Sprünge wagen. Bei den jungen Springern sprang der Erstplatzierte 23 Meter weit, während bei den Senioren 25 Meter den Tagesrekord darstellte. Das Langlaufrennen wurde auf der 7,5 Kilometer langen Dietschiberg-Rundstrecke abgehalten, wobei die Senioren die Strecke zweifach zurücklegen mussten, wie das «Vaterland» berichtete.

Solche Skitage waren jedoch «eher spontaner Natur», wie Werner Koch, seit 1957 Mitglied des Skiclubs Luzern und von 1985 bis 2000 Skischulleiter, erklärt. So soll laut dem «Vaterland» ein schneefallreiches Wochenende den Skitag auf dem Dietschiberg zu einem schönen Erfolg gemacht haben. Die veranstaltenden Skiclubs hielten fest, dass mit der «Gunst (die guten Wetter- und Schneeverhätlnisse; Anm. d. Red.) auch eine Ungunst einherging». Das tolle Skiwetter habe nämlich dazu geführt, dass viele Wintersportler in der unmittelbaren Nähe ihres Wohnortes dem Skifahren frönten. Es war «überall irgendein Rennen los, und so litt die Beteiligung am Luzerner Skitag ein wenig». Es wurde bedauert, dass die «Zürcher Untersträssler » nicht erschienen sind und ausser den Nachbargemeinden nur «ein starkes Aufgebot vom Stoos» den Luzernern und ihren Anrainern in den Wettkämpfen die Stirn boten.

Bis vor 30 Jahren

«Bis vor rund 30 Jahren gingen die Luzerner recht häufig an den Hängen des Dietschibergs und auch auf dem so genannten ‹Elefanten-Hoger› beim heute überbauten Unterlöchli-Gebiet Ski und Schlitten fahren», so Koch. Damals soll es gar einen kleinen Aufzug oder Schlepplift im Dietschiberg-Gebiet gegeben haben, glaubt sich Koch zu erinnern. «Reichten die Schneemengen in den Niederungen fürs Skifahren nicht aus, nahmen viele Leute an den organisierten Skiausflügen des Skiclubs teil», sagt Koch. So seien bis zu 500 Personen pro Ausflug in Sonderzügen und -bussen regelmässig in höher gelegene Skigebiete, wie beispielsweise die Rigi, gereist.

Die Szenerie auf dem Dietschiberg hat sich heute gegenüber der Foto von 1942 verändert. Geblieben ist das kleine Häuschen (auf der Foto unten in der rechten Bildhälfte sichtbar). Doch dort, wo sich 1942 unzählige Skifahrer tummelten, steht heute eine Gruppe grosser Bäume, zurzeit umgeben von wenig winterlichem Grün.

Hinweis: «Schi-Geschichte» von Werner Koch, 72 Seiten, Rex Verlag 2006, 26.10 Franken.