Digitalisierung
Durch die Mall of Switzerland kurvt jetzt ein miauender Service-Roboter

Er transportiert Pizzas, Kaffee und Glacé: Seit kurzem beschäftigt das Restaurant Andulino im Erdgeschoss der Mall einen Roboter-Mitarbeiter. Was kann der so alles?

Simon Mathis Jetzt kommentieren
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Ein ungewöhnliches Gefährt kurvt durch die Eingangshalle der Ebikoner Mall of Switzerland und zieht die Neugierde der Passanten auf sich. Der Service-Roboter namens Bellabot transportiert Glacé von der Gelateria ins italienische Restaurant Andulino. Wenn sich eine Person in den Weg stellt, macht der Roboter mit Katzenohren einen Umweg und sagt fröhlich: «Entschuldigen Sie, Essen ist unterwegs.»

Der Bellabot mag es, am Kopf gestreichelt zu werden.

Der Bellabot mag es, am Kopf gestreichelt zu werden.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. Oktober 2021)

Seit Donnerstag ist der Bellabot für Jeyakumar Thambiaiah im Einsatz – er ist der Geschäftsführer der Gelateria und des Restaurants Andulino. «Besonders praktisch ist der Roboter, wenn im Restaurant Glacés bestellt werden, die dann durch die Eingangshalle getragen werden müssen», erzählt Thambiaiah. Dafür hätten seine Mitarbeiter nämlich oft keine Zeit, sagt er während einer Präsentation am Dienstag.

Aber auch andere Routineaufgaben übernimmt der Bellabot, der auf vier Tablar-Ebenen Teller, Gläser und Besteck fassen kann. So hilft er dem Personal, Pizzas an einen Tisch zu befördern:

Video: Simon Mathis

Der Bellabot verfügt über rudimentär «soziale» Funktionen. Er miaut zufrieden, wenn man ihn am Kopf streichelt. Die Kulleraugen auf dem Display blicken mal hier, mal dort hin – was vor allem Kinder fasziniere, so Thambiaiah. «Es ist allerdings nicht Sinn und Zweck des Roboters, menschliche Interaktionen oder Arbeitsplätze zu ersetzen», betont Thomas Holenstein, Geschäftsführer und Inhaber der Precom Group AG in Horw. Die Precom-Tochter Sebotics hat sich die exklusiven Vertriebsrechte des Bellabots in der Schweiz gesichert. Hergestellt wird das Gerät vom chinesischen Unternehmen Pudu Technology.

Thomas Holenstein, Inhaber Precom Group AG.

Thomas Holenstein, Inhaber Precom Group AG.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. Oktober 2021)

Laut Thomas Holenstein gehe es vielmehr darum, das menschliche Personal zu unterstützen, sodass es sich auf die wertvollen Aufgaben konzentrieren könne – und das sei eben der zwischenmenschliche Kontakt, die Beratung und der Austausch. Servieren kann der Roboter nicht; auch das soll Sache der Menschen bleiben.

«Ich glaube fest daran, dass Roboter Arbeiten übernehmen können, um die sich die Menschen nicht reissen.»

Nicht nur das «Andulino» beschäftigt neu einen Bellabot; auch das Verkehrshaus Luzern hat in einen Serviceroboter für die Gastronomie investiert. Mittlerweile sei eine weitere Bestellung aus Pfäffikon in Schwyz eingetroffen. Laut Holenstein beträgt der Preis eines solchen Gerätes rund 21'900 Franken. Er blickt optimistisch auf die nächsten Monate; bis Ende Jahr will er Gastronominnen und Gastronomen mit insgesamt 40 Bellabots versorgen.

Der Bellabot fährt Pizzas an einen Tisch im Restaurant Andulino.

Der Bellabot fährt Pizzas an einen Tisch im Restaurant Andulino.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. Oktober 2021)

Holenstein sagt aber auch, dass solche Geräte nicht für alle Gastrobetriebe in Frage kämen. Nützlich sei der Bellabot vor allem an Orten, an denen viel los ist. Auch die Räumlichkeiten spielen eine Rolle: Schwellen sind für die Roboterkatze, die sich mit vier Rädern fortbewegt, ein unüberwindbares Hindernis. Nach den ersten Tagen zeigt sich Thambiaiah zufrieden:

Jeyakumar Thambiaiah.

Jeyakumar Thambiaiah.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. Oktober 2021)
«Es braucht eine gewisse Eingewöhnung, aber der Roboter funktioniert einwandfrei und steigert bereits unsere Effizienz.»

Der Augenschein am Dienstag zeigt: Feinjustierungen sind etwa bei der Routenplanung nötig. Einmal schrammte der Roboter leicht einen Tisch, den er nicht auf der Rechnung hatte. Holenstein versichert: «Sobald der Roboter einen Widerstand trifft, macht er sofort eine Vollbremse.» Einmal war der Roboter arg schnell unterwegs, sodass ein hohes Coup-Glas gefährlich ins Wanken geriet. Auch dafür gebe es eine Lösung, so Holenstein: Man könne dem Roboter nämlich einschärfen, behutsamer zwischen den Tischen hindurch zu rollen.

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