Digitalisierung soll Luzerner Lehrbetrieben helfen

Der Kanton Luzern bietet Ausbildnern neu eine Plattform an, um Dokumente – etwa Lehrverträge – online einzureichen. Der Pilotversuch verlief erfolgreich.

Matthias Stadler
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Dokumente für Lehrlinge – hier eine Coiffeuse – können im Kanton Luzern neu auch digital erfasst werden.

Dokumente für Lehrlinge – hier eine Coiffeuse – können im Kanton Luzern neu auch digital erfasst werden.

Symbolbild: Gaetan Bally / Keystone

Wenn ein Unternehmen bis dato mit dem Kanton Luzern wegen einer Lehrlingsangelegenheit in Kontakt treten musste, passierte das zumeist per Post. Dem ist nicht mehr so, wie die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung in einem Schreiben mitteilt. Nach knapp zwei Jahren Entwicklung gibt es nun eine Online-Plattform, auf welcher die Lehrbetriebe und der Kanton administrative Angelegenheiten schnell, unkompliziert und günstig erledigen können.

So gibt es für Betriebe neu beispielsweise die Möglichkeit, ihre Lehrverträge direkt im Portal Berufsbildung zu erfassen, wo der Angestellte beim Kanton sie einsehen, bearbeiten und auch grünes Licht geben kann. Auch neue Ausbildner können dort registriert werden.

«Das ist für Betriebe attraktiv»

Ab Mai dieses Jahres testeten 30 Luzerner Lehrbetriebe die Pilotversion des Portals. Dank der Unterstützung dieser Unternehmen konnte die Plattform innert kurzer Zeit optimiert und im August flächendeckend eingeführt werden, wie der Kanton schreibt: «Es können beispielsweise auch die Lehrstellenausschreibungen für das kommende Lehrjahr dort erfasst werden», erklärt Christof Spöring, Leiter Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, gegenüber unserer Zeitung. Die Stelle wird dann vom Kanton geprüft und automatisiert auf der Lehrstellenseite www.berufsberatung.ch veröffentlicht.

Spöring führt aus, dass die kantonale Plattform vor allem für den Austausch von Lehrbetrieben mit dem Kanton gedacht ist. Momentan würden bereits 2216 Unternehmen oder 46 Prozent der Lehrbetriebe im Kanton Luzern mitmachen. Den rasanten Start erklärt er sich damit, dass die Plattform «sehr bedienerfreundlich und deswegen für die Lehrbetriebe attraktiv ist». Sie sei ein Meilenstein für die Berufsbildung und bringe die Digitalisierung in der Verwaltung der Berufsbildung einen grossen Schritt voran. Er geht davon aus, dass in drei Jahren gut vier von fünf Lehrbetrieben die Online-Plattform benützen.

Sieben Kantone und ein Fürstentum machen mit

Grund für den Aufbau der Plattform ist laut Spöring, dass es eine Strategie des Kantons ist, administrative Abläufe zu digitalisieren. «Zudem war es auch ein viel geäusserter Wunsch der Lehrbetriebe, dass sie ihre Daten so pflegen können.»

Auch andere Kantone sind am Portal interessiert. So haben Solothurn, die beiden Appenzell, Graubünden, Schaffhausen, Thurgau sowie das Fürstentum Liechtenstein die Plattform eingeführt. Mindestens zwei weitere «grosse Kantone» seien daran interessiert, wie Christof Spöring ausführt.

Federführend bei der Entwicklung sei jedoch der Kanton Luzern gewesen. Dieser bezahlt gemäss dem Dienststellenleiter für die Entwicklung gut 30'000 Franken plus interne Personalkosten. «Der Kanton spart dank des Portals aber pro Jahr alleine 10'000 Franken Porto, da wir diverse Dokumente nicht mehr hin und her schicken müssen.» So hätten die Lehrbetriebe bis anhin beispielsweise die Lehrverträge zum Kanton zur Überprüfung schicken müssen. Nach der Kontrolle habe dieser die Verträge sowohl an den Lehrbetrieb als auch an den Lehrling retournieren müssen. Es spart also nicht nur der Kanton damit Geld, auch die Lehrbetriebe werden entlastet.

Das Portal kann von jedem Lehrbetrieb im Kanton Luzern verwendet werden. Spöring rechnet damit, dass nicht jeder Betrieb gleich darauf aufspringt, da kleine Unternehmen oftmals nur alle drei bis vier Jahre einen neuen Lehrling einstellen würden. Doch gibt er sich optimistisch, dass die Plattform bei den Betrieben gut ankommt, da die ersten Rückmeldungen und die Einführung erfolgsversprechend gewesen seien. Bis im Frühling 2020 sollen zudem weitere Funktionen aufgeschaltet werden.

Hinweis: Hier gehts zum Portal

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