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DIPLOMFEIER: Nach dem Master folgt das nächste Projekt

Die Universität Luzern hat gestern ihre Absolventen der Rechtswissenschaftlichen und der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät geehrt. Darunter ist auch Martin Steiner, der bereits die nächste Weiterbildung anvisiert.
Martina Odermatt
Martin Steiner (41) hat sich mit der Darstellung des Islam in den Medien und der Politik befasst. (Bild: Corinne Glanzmann (Wohlen, 15. März 2018))

Martin Steiner (41) hat sich mit der Darstellung des Islam in den Medien und der Politik befasst. (Bild: Corinne Glanzmann (Wohlen, 15. März 2018))

Martin Steiner ist viel rumgekommen in der Welt. Er hat in Zürich, Nordirland und Paris gelebt und wohnt jetzt mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern in der Aargauer Gemeinde Bremgarten. Gestern erhielten er und andere Absolventen ihr Diplom der Universität Luzern. Den Weltenbummler merkt man ihm trotzdem noch an. Das Fremde, das er aus seinen Reisen kennt, und die «Darstellung des Eigenen im Anderen», wie ein Seminar im Studium hiess, hat den 41-Jährigen in seiner Masterarbeit beschäftigt. «Der Islam in Wahlplakaten und in der ‹Aargauer Zeitung›: Von verhüllten Frauen, Minaretten, bärtigen Männern und Gewalt. Der neuste liebe Feind?», lautet der verheissungsvolle Titel seiner Thesis.

Er hat Wahlplakate und Bilder in der «Aargauer Zeitung» analysiert und ist zum Schluss gekommen: Ist der Islam Thema, wird immer auf die gleichen Bilder zurückgegriffen – Minarette, Moscheen, verschleierte Frauen und andere Klischees. «Die Berichterstattung ist sehr konfliktorientiert. Es wird wenig antizyklisch berichtet.» Das bedeutet, dass sich die Berichterstattung bei Wahlen oder Initiativen zu diesem Thema häuft und sie zwischendurch wieder abflacht. «Es wird viel über die Gegensätze zwischen westlicher Kultur und Islam berichtet, nicht aber über sprachliche oder kulturelle Gemeinsamkeiten», sagt Steiner.

Festgefahrene Bilder werden zur Wahrheit

Im Rahmen seiner Arbeit stiess der Familienvater auf syrische Künstler, die diesem Phänomen entgegenwirken wollten. In kurzen Videosequenzen liessen sie verschiedene Personen aus ihrem Leben erzählen. Eine Aktion, die Steiner beeindruckt hat. «Wir müssten über das Menschsein losgelöst von der Kultur berichten.» Werden von Medien und Politikern immer wieder dieselben festgefahrenen Bilder transportiert, wird das laut Steiner irgendwann für die Leute zur Wahrheit. «Sie dann mit einer anderen Perspektive abholen zu können, ist enorm schwierig», sagt Steiner. Klar müsse man Konflikte auch thematisieren, aber «die radikalen Muslime erschweren das Leben der moderaten Gläubigen.» Deshalb sei es wichtig, nicht alle über einen Kamm zu scheren und in den Medien ein vielfältiges Bild zu vermitteln. «Das macht es uns schwieriger, sich genau auf ein Bild einzuschränken.»

Die Erarbeitung seiner Master-Thesis ist nun schon eine Weile her. Etwas lässt ihn aber nicht mehr ganz los, und zwar die Idee der Syrer. Steiner, der bereits einige Kunstprojekte realisiert hat, könnte sich vorstellen, so etwas Ähnliches auch hier durchzuführen. Als Gegengewicht zu den zyklischen Berichten und den Konflikten, ohne diese zu verneinen. Im kleinen Rahmen wird Steiner, der als Kantonsschullehrer arbeitet, dies mit einer Schülerin als Matura-Arbeit realisieren. Video- und Tonaufnahmen sowie Texte von und über verschiedene Muslime sollen Menschlichkeit vermitteln. Es sei möglich, dass er das Projekt dann später noch weiter ausarbeite – was den Rahmen einer Matura-Arbeit aber sprengen würde. Doch trotz seines Engagements bleibt Steiner pessimistisch. «Kann ich mit einem Kunstobjekt auch Leute beeinflussen, die ihre Meinung bereits gemacht haben? Wahrscheinlich würden nur jene Leute die Ausstellung besuchen, die sich sowieso bereits dafür interessieren.»

Weiterbildung schon ins Auge gefasst

Immer wieder verirren sich englische oder französische Ausdrücke in seine Erzählungen. Das überrascht wenig, denn Steiner, der an der Schule unterrichtet, die er früher selbst besucht hat, absolvierte seinen Master in Kultur- und Sozialwissenschaften zweisprachig in Neuenburg und Luzern. Sein Hauptfach vermittelt der Geschichtslehrer bilingual auf Französisch. Diesen Unterricht vorzubereiten, sei recht aufwendig, besonders im ersten Jahr. Steiner, den es immer wieder in andere Ecken der Schweiz verschlägt, sagt, er möchte jetzt sicher bis 2020 in Wohlen bleiben. «Ich kann die nächsten zwei Jahre von den Vorbereitungen zehren», sagt er und lacht. Doch er hat bereits die nächste Weiterbildung ins Auge gefasst: ein CAS in Kulturmanagement. «Damit ich meine Kunstprojekte professionalisieren kann.»

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Absolventinnen und Absolventen der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät im Herbstsemester 2017 (Zentralschweiz und Freiamt):

Bachelor: Arnold, Nino, Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften, Altdorf; Ayalp, Murat, Philosophie, Luzern; Bächler, Naja, Geschichte, Luzern; Beltramini, Nagesh, Geschichte, Rothenburg; Bucher, Philippe, Geschichte, Meggen; Burri, Philipp Anton, Politische Ökonomie, Malters; Chamoulaud, Joséphine, Kulturwissenschaften, Luzern; Enz, Fabio, Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften, Wilen (Sarnen); Fischli, Anuschka, Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften, Ebikon; Fuchs, Lea, Kulturwissenschaften, Rothenburg; Gerig, Michelle, Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften, Schwyz; Kaufmann, Sophie, Politische Ökonomie, Cham; Knoll, Gian, Geschichte, Schattdorf; Koch, Benjamin, Politische Ökonomie, Neuenkirch; Neuhaus, Chiara, Kulturwissenschaften, Küssnacht am Rigi; Odermatt, Samuel, Kulturwissenschaften, Luzern; Pachmann, Maximilian, Philosophy, Politics and Economics, Sarnen; Pfrunder, Linus, Kulturwissenschaften, Zug; Rao, Vyjayanthi, Soziologie, Hochdorf; Roos, Fabienne, Politische Ökonomie, Inwil; Russo, Stefano, Geschichte, Luzern

Master: Gadola, Graziella, Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften, Wilen (Sarnen); Gut, Alessandra, Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften, Luzern; Hansch, Franziska, Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften, Luzern; Imhof, Jan, Politische Ökonomie, Oberägeri; Muff, Walter, Geschichte, Luzern; Odermatt, Zéline, Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften, Ennetbürgen; Regli, Anton-Maurice, Geschichte, Wolhusen; Steiner, Martin, Zweisprachiger Master of Arts in Geschichte, Bremgarten AG; Vogt, Malte, Politikwissenschaft, Luzern

Doktorat: Bachmann, Eva, Geschichte, Luzern; Bühler, Martin, Soziologie, Luzern; Meier, Maria, Geschichte, Lenzburg

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