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DIPLOMFEIER: Sie studiert Paragrafen und läuft Bestzeiten

Die Rechtswissenschaftliche und die Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Luzern haben gestern ihre Absolventen geehrt. Darunter ist auch die Luzerner Nachwuchssprinterin Lisa Stöckli.
Stephan Santschi
Normalerweise sprintet Lisa Stöckli (23) der Rot entlang. (Bild: Pius Armein (Grosswangen, 14. März 2018))

Normalerweise sprintet Lisa Stöckli (23) der Rot entlang. (Bild: Pius Armein (Grosswangen, 14. März 2018))

Kurz vor der gestrigen Diplomfeier der Rechtswissenschaftlichen Fakultät nahm sich Lisa Stöckli eine Auszeit. Für eineinhalb Wochen weilte sie in Monte Gordo an der portugiesischen Algarveküste. Aus Feriengründen, könnte man meinen. Doch mitnichten: Die 23-jährige Grosswangerin absolvierte mit zwei Kolleginnen ein Trainingslager, um sich für die Leichtathletik-Saison unter freiem Himmel zu rüsten. «Ferien waren das nicht, und doch fühlte es sich ein wenig so an. Denn wenn ich nur essen, schlafen und trainieren kann, geht es mir gut», sagt die junge Frau zu den vergangenen Tagen. Vor vier Wochen war sie in der Halle über 800 Meter erstmals Schweizer Meisterin geworden.

Gestern präsentierte sich Stöckli nicht auf der Laufbahn, sondern im Panoramasaal des Grand Casino Luzern, um ihr Bachelor-Diplom entgegenzunehmen. Im Anschluss daran gönnte sie sich mit ihrem Freund, der nun den Master in Geschichte und Philosophie innehat, und den beiden Elternpaaren ein feines Nachtessen. «Erfolge, und sind es auch nur erreichte Zwischenziele, möchte ich feiern», betont sie.

Manchmal fühlt sie sich wie in einem Krimi

Dass sie Recht studieren möchte, war ihr früh klar gewesen, ohne genau zu wissen, woher dieses Interesse kommt. «Ich hatte mir vorher nicht einmal die Universität angeschaut. Es gab deshalb schon Momente, wo ich mich fragte: Was tue ich, wenn es mir dort nicht gefällt?»

Unsicherheiten, die unbegründet waren, wie sich jetzt zeigt – Lisa Stöckli hat bereits mit dem Master begonnen. «Während des Studiums erhält man ein riesiges Allgemeinwissen. Die Rechtsprechung kann in so vielen Bereichen des Alltags ein Thema sein.» Ihre Bachelorarbeit widmete sie dem Schweizer Fichenskandal von 1989. Bundes- und kantonale Polizeibehörden hatten rund 900 000 Fichen zum Staatsschutz angelegt. Private Kläger, die Persönlichkeitsverletzungen bis vor das Bundesgericht einklagten, hätten Recht bekommen, aber aufgrund der Befürchtung von vielen Folgeklägern keine Genugtuungszahlungen erhalten. «Ich staune, wie viele Menschen sich gar nicht mehr richtig an diesen riesigen Fichenskandal erinnern.» Besonders angetan hat es ihr das Strafrecht, wo sie in Ergänzung zur Theorie regelmässig Erfahrungen in der Praxis sammeln durfte. So zum Beispiel bei Besuchen im Gericht, auf der Polizeistation oder in Strafvollzugsanstalten. Stöckli: «Oft behandeln wir Fälle, die sich tatsächlich ereignet haben. Das ist krass und wirkt dann wie ein Krimi.»

«Es wird geschubst, geschlagen und geklemmt»

Spannend zu beobachten sei, wie emotional die Gesellschaft zuweilen mit Straftaten umgehe, wie aktuell im Prozess des Vierfachmörders von Rupperswil, wo gestern das Urteil verkündet wurde, zu erkennen sei. «Teilweise wird die Todesstrafe gefordert oder das Recht auf eine faire Verhandlung in Frage gestellt.» Dabei gehe vergessen, dass das Schweizer Rechtssystem in seinen Urteilen nicht die Vergeltung der Straftaten, sondern die Resozialisierung ins Zentrum stelle, sagt sie. Nach dem Masterstudium und dem Erwerben des Anwaltspatents kann sich Lisa Stöckli etwa eine Karriere als Staatsanwältin durchaus vorstellen.

Die Widerstandskraft, welche sie wohl dereinst im Berufsleben brauchen wird, holt sie sich auch im Sport. 800-Meter-Rennen sind sehr hart, geprägt von Positionskämpfen und einer Konkurrenz, die «schubst, schlägt und klemmt, um sich Vorteile zu verschaffen», wie sie erzählt. «Wer einen taktischen Fehler begeht, beispielsweise zu weit hinten positioniert ist, wenn auf der zweiten Rennhälfte die Post abgeht, ist verloren.»

Trotz des Studiums kein Training verpasst

Der Sport bietet ihr aber auch die Möglichkeit, den Kopf durchzulüften und sich vorübergehend von den Paragrafen zu befreien. «Ich gehe jeden Tag joggen, mache Intervalleinheiten, übe auf der Bahn oder absolviere Krafttrainings. Trotz des Studiums habe ich auf kein einziges Training verzichtet.» Dass sie sich für den Laufsport entschied, sei wenig überraschend, fügt sie schmunzelnd an. Wenn es etwas gebe, das ihr Mühe bereiten würde, dann seien es koordinative Herausforderungen. «Ich kann gut rennen, doch wenn ich zusätzlich noch anderes tun muss, wird es schwierig.»

Die Inspiration für ihre Paradedisziplin über 800 Meter holte sie sich schon als Kind bei André Bucher, dem ehemaligen Weltmeister aus Neudorf. «Ich konnte ihm einst bei einem Training in Grosswangen zuschauen. Er war unerreichbar, ich wünschte mir damals, den gleichen Erfolg zu haben wie er», erzählt Stöckli, die von klein auf sehr energiegeladen gewesen sei. Auf die Frage, ob sie diese Ziele noch heute habe, lacht sie herzlich: «Schön wäre es. Ich sehe jetzt, was alles dahintersteckt. Ich trainiere hart, mache mir aber keinen Druck.»

Sie liebäugelt mit der EM-Qualifikation

Der erstmalige Gewinn eines nationalen Titels bei den Aktiven könne ihr in Sachen Selbstvertrauen nun durchaus einen Schub geben. «Als Nächstes möchte ich die Limite für die Universiade im nächsten Jahr laufen.» Um an diesen Weltsportspielen der Studenten in Neapel teilnehmen zu können, muss sie ihre Bestzeit über 800 Meter von 2:08,13 auf 2:05 Minuten senken. «Und von da ist es dann nicht mehr allzu weit zu den 2:02,50, die ich für die EM-Qualifikation brauche. Mal sehen, wie weit mein Potenzial reicht.»

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Absolventinnen und Absolventen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät im Herbstsemester 2017 (Zentralschweiz und Freiamt):

Bachelor: Arnold, Olivia, Horw; Biarda, Magda, Küssnacht am Rigi; Bieri, Elias, Willisau; Bissig, Prisca, Ennetbürgen; Blaser, Anja, Sörenberg; Bonetti, Gabriele, Luzern; Bruhin, Winona, Schübelbach; Culjak, Katarina, Ebikon; Dallago, Julia, Ebikon; De Rosa, Luca, Rothenburg; Delfosse, Vera, Kastanienbaum; Dettling, Viviane, Lauerz; Donauer, Chiara Aydan Sian, Küssnacht am Rigi; Fessler, Linus, Hergiswil NW; Furrer, Lea, Andermatt; Graf, Fabienne, Dagmersellen; Grossmann, Jennifer, Schwyz; Hard, Fabienne, Waltenschwil; Hollenweger, Angela, Horw; Küng, Yannick, Ebikon; Lehmann, Hannes, Luzern; Loosli, Dorian, Baar; Lötscher, Jacqueline, Emmenbrücke; Maters, Nora, Wilen (Sarnen); Montero, Nuria, Kriens; Odermatt, Michèle, Sarnen; Paci, Mauro, Kriens; Pengic, Ajla, Rotkreuz; Purtschert, Jana, Kriens; Salatic, Radojka, Sins; Schäuble, Mario, Luzern; Schmid, Stefanie, Rickenbach LU; Stefanovic, Milica, Emmen; Stöckli, Lisa, Grosswangen; Strebel, Carmen, Baar; Surer, Lara, Ebikon; Unternährer, Nora, Horw; Zuurendonk, Anika, Luzern

Master: Arnold, Simon, Kriens; Bachmann, Julia, Luzern; Brasnjic, Marijana, Emmen; Brun, Sarah, Boswil; Brunner, Jacqueline, Zug; Burri, Philipp Anton, Malters; Dillier, Ramona, Sarnen; Dubach, Benjamin, Zug; Erni, Livia Alexandra, Eschenbach; Ettaji, Reda, Kriens; Freitag, Charlie, Gunzwil; Gaber, Linda, Sursee; Gander, David, Rothenburg; Gisler, Rebecca, Altdorf UR; Kolobaric, Ivana, Altdorf UR; Lekaj, Valon, Wolhusen; Milosevic, Dragana, Muri AG, Aargau; Rankwiler, Darinka, Luzern; Reust, Stephanie, Küssnacht am Rigi; Rrmoku, Ajet, Luzern; Schneider, Manuel, Rothenburg; Schnüriger, Claudia, Unterägeri; Selmonaj, Antigona, Baldegg; Thali, Philipp, Obernau; von Moos, Pascal, Meggen; Weber, Antonia, Ebikon
Doktorat: Achermann, Jonas, Luzern; Horat, Felix, Luzern; Odermatt-Bloch, Sarina, Malters

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