Kolumne
Direkt aus Bern: Dank Schutzmassnahmen das letzte Wort

Wie läuft der Betrieb im Bundeshaus in Zeiten von Corona? Der Luzerner GLP-Nationalrat Roland Fischer gibt einen Einblick.

Roland Fischer
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GLP-Nationalrat Roland Fischer.

GLP-Nationalrat Roland Fischer.

Bild: Keystone

Nach dem Abstecher in die Bernexpo-Hallen tagt das Parlament in der Herbstsession zum ersten Mal wieder im Bundeshaus. Von einer vollständigen Rückkehr zur Normalität kann aber nicht die Rede sein. Unsere engen Sitzplätze im Ratssaal und in den Kommissionszimmern sind mit Plexiglas umrahmt; bei Bewegungen im Parlamentsgebäude wird empfohlen, eine Maske zu tragen. Der Zugang für Nicht-Ratsmitglieder ist nach wie vor eingeschränkt.

Auch beim Ablauf der Debatten gibt es seit der Sondersession im Mai Anpassungen. Bevor sich bei grösseren Geschäften die Sprecher der vorberatenden Kommission und der Bundesrat äussern, sind die Fraktionssprecher an der Reihe. Üblicherweise melden die Fraktionssprecher ihre Reden bei der Präsidentin an und werden von ihr aufgefordert, ans Rednerpult zu schreiten. In Coronazeiten herrscht hingegen eine strikte Reihenfolge nach der Grösse der Fraktion. Es werden uns also bei jeder Vorlage die Kräfteverhältnisse im Nationalrat seit den letzten Wahlen gespiegelt. Die SP muss sich nach wie vor mit dem zweiten Platz hinter der SVP begnügen, die Mitte-Fraktion macht auch in der Reihenfolge der Reden ihrem Namen Ehre, und die FDP muss zur Kenntnis nehmen, dass sie knapp von den Grünen überholt wurde. Wir Grünliberale sind zwar stark gewachsen, bilden aber die kleinste Fraktion und reden deshalb am Schluss. Das erfordert hie und da etwas Geduld, hat aber auch seine Vorteile. Man kann auf Aussagen der Vorredner reagieren und hat buchstäblich das letzte Wort.

Nach einer Woche fällt meine Bilanz positiv aus. Trotz Einschränkungen tut es gut, wieder im Bundeshaus zu arbeiten. Wir haben wieder unsere Arbeitsplätze ausserhalb des Ratssaales zur Verfügung, in der Wandelhalle finden wieder Besprechungen statt, und wir treffen uns wieder zum Kaffee im «Vallotton» oder zum Essen in der «Galerie des Alpes». Der Parlamentsbetrieb läuft mit Schutzmassnahmen, aber auch mit Eigenverantwortung und dem Bewusstsein, dass es immer ein Restrisiko gibt. Denn solange es keine genügend grosse Immunität in der Bevölkerung und keinen Impfstoff gibt, müssen wir lernen, auf eine vernünftige Art und Weise mit dem Virus zu leben.

Die Luzerner Bundespolitiker berichten jeweils während der Session aus ihrem Ratsalltag zu einem von ihnen frei gewählten Thema.