Gastkommentar

Direkt aus Bern: Die verfälschte Statistik der Arbeitslosen

Der Eicher SVP-Nationalrat Franz Grüter kritisiert, dass die Ausgesteuerten in der Arbeitslosenstatistik nicht erscheinen und die Schweiz so besser dasteht, als es in der Realität der Fall ist.

Franz Grüter
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Franz Grüter.

Franz Grüter.

Es lohnt sich, Statistiken kritisch zu hinterfragen. So ist es auch bei der offiziellen Arbeitslosenstatistik. Denn dort werden die Ausgesteuerten nicht berücksichtigt. Das verfälscht die realen Arbeitslosenzahlen massiv. Darauf habe ich 2015 als frisch gewählter Nationalrat bereits hingewiesen. Leider wurde mein damaliger Vorstoss zwei Jahre lang nicht behandelt und letztlich abgeschrieben. Mir ist das Thema wichtig, darum habe ich 2018 das Anliegen erneut im Parlament eingebracht.

In der Schweiz werden monatlich zwischen 3500 bis 4000 Menschen ausgesteuert. Das bedeutet, dass die Betroffenen ab dann von ihren Reserven leben müssen. Sind die Reserven einmal aufgebraucht, werden sie zu Sozialhilfe­empfängern. Und spätestens ab dem Moment der Aussteuerung verschwinden diese Personen aus den Statistiken.

Wenn man die Ausgesteuerten dazu zählt, dann müsste man ehrlicherweise nicht von 2,4 Prozent, sondern von 5 Prozent Arbeitslosen sprechen. Damit ist die Schweiz international von einer Spitzenposition ins Mittelfeld abgerutscht. Wir haben mehr Erwerbslose als Deutschland, Holland, USA, Japan und auch viele Länder in Osteuropa. Das ist nicht akzeptabel, insbesondere weil es oft Schweizer Bürgerinnen und Bürger über 50 Jahren trifft, die hart gearbeitet und die Sozialwerke finanziert haben. Jetzt erfahren Sie ein Ausscheiden aus dem Erwerbsleben auf äusserst tragische Weise.

Dass die Behörden diese Zahlen nicht publizieren, ist ein Indiz dafür, dass man nicht genau hinschauen und der Begrenzungsinitiative keinen Rückenwind geben will. Mit ehrlichen und transparenten Statistiken ermöglicht man jedoch erst richtige Entscheidung. Zu hoffen bleibt deshalb, dass zukünftig in der Arbeitslosenstatistik die Zahlen richtig dargestellt werden. Bedenken wir darüber hinaus, dass jeder zehnte Bulgare oder Rumäne bei der Einreise in die Schweiz arbeitslos ist und dass über 45 Prozent der Sozialhilfeempfänger aus dem EU-Raum stammen. Ältere Arbeitslose mit einer neuen Überbrückungsrente abzuschieben ist daher die falsche Lösung. Ehrlich wäre es, die Zuwanderung endlich zu sinnvoll zu begrenzen und aktiver zu steuern.

Hinweis: Während der Session in Bern berichten Luzerner Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus ihrem Ratsalltag zu einem frei gewählten Thema.

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