Diskussion zum Luzerner Theater: Das Ende der geschlossenen Kulturtempel

Was ist der ideale Standort für ein Theater? An einem Podiumsgespräch gab es unterschiedliche Ansichten.

Hugo Bischof
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Das Luzerner Theater direkt an der Reuss.

Das Luzerner Theater direkt an der Reuss.

Pius Amrein 

Wie muss sich ein Theater positionieren, um Teil des öffentlichen Raums zu werden? Und: Wie beeinflusst der öffentliche Raum die Planung eines Theaters? So lautete das Thema eines öffentlichen Podiumsgesprächs des Theaterclubs Luzern am Freitagabend im Neubad Luzern vor gut 100 Zuhörerinnen und Zuhörern.

Es ging – natürlich – um die bauliche Zukunft des Luzerner Theaters. Und auch um das Gutachten der Eidgenössischen Kommissionen für Denkmalpflege sowie Natur- und Heimatschutz, gemäss dem ein Abriss und Neubau des heutigen Theatergebäudes «zu einer schweren Beeinträchtigung des Ortsbilds von nationaler Bedeutung führen würde».

Resolution für einen «Neubau des Luzerner Theaters»

Das Gutachten hing spürbar wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der im Neubad versammelten Theaterclub-Mitglieder. Was sie und ihr Präsident Philipp Zingg davon halten, machten sie von Anfang an klar. Trotzig und einstimmig verabschiedeten sie eine Resolution «für einen Neubau des Luzerner Theaters».

Luzerns Stadtpräsident Beat Züsli äusserte sich in einem kurzen Referat vorsichtiger. «Wir müssen das Gutachten ernst nehmen», betonte er. Welche Auswirkungen es auf die weitere Planung hat, liess er offen:

«Wir sind daran, den Spielraum auszuloten.»

Züsli wies gleichzeitig daraufhin, ein denkmalpflegerisches Gutachten habe vor einigen Jahren ergeben, «dass am heutigen Theatergebäude nicht mehr viel Erhaltenswertes dran ist».

Züsli hatte kürzlich zusammen mit Regierungsrat Marcel Schwerzmann vor den Medien erklärt, Stadt und Kanton Luzern seien klar für einen Neubau am heutigen Standort. Ganz so euphorisch tönte es diesmal nicht mehr. «Es ist ein schwieriges Projekt an einem schwierigen Standort», sagte Züsli, um gleich anzufügen: «Wir sind nach wie vor überzeugt, dass es der richtige Standort ist.»

Theater als Aufenthaltsort für Leute

Im Podiumsgespräch waren sich die Teilnehmer einig, dass ein neues Theater einen «schwellenlosen Zugang haben und sich zum öffentlichen Raum hin öffnen muss», wie es Gesprächsleiter Gerold Kunz, Denkmalpfleger des Kantons Nidwalden und Architekt, formulierte. Stefan Vogel, Operngeschäftsführer des Staatstheaters Mainz, betonte:

«Die Zeit der Kulturtempel ist vorbei, Theater ist heute ein diskursiver Ort.»

Caspar Schärer, Generalsekretär des Bunds Schweizer Architekten, fügte hinzu: «Es gilt, die Monofunktionalität des Theaters aufzuheben. Ein Theatergebäude soll ein Aufenthaltsort für Leute sein, an dem sie sich frei bewegen können.» Mehrfach als Vorbild genannt wurde das National Theatre London. «Da kommen Leute hin, einfach weil sie sich wohlfühlen, vielleicht ohne zwingend ein Theater schauen zu wollen», sagte Stefan Vogel. «Auch so ist die Funktion des Theaters erfüllt.»

Über den idealen Standort für ein neues Theater gab es unterschiedliche Ansichten. «Die Chance im Zentrum ist gross, weil hier alle Leute vorbeigehen», sagte Thomas Keller, Geschäftsführer des freien Theaters Kaserne Basel. Umso wichtiger sei es, dass ein Theater auch räumlich durchgängig sei. «Es muss nicht alles im Zentrum sein», sagte hingegen Caspar Schärer. «Wieso nicht ein Theater beispielsweise in Emmen bauen?»: Der Genfer Kantonsarchitekt Franceso della Casa stellte ein solches ausserhalb eines Stadtzentrums gelegenes neues Theater vor, die Comédie de Genève in Genf. Sie wird Anfang 2020 eröffnet. Den Anstoss für den Bau ausserhalb des Zentrums gab die Eröffnung einer neuen S-Bahnlinie.