Diskutieren über Glauben im KKL

Schriftsteller Martin Walser, Kardinal Kurt Koch und Theologin Susanne Heine haben am NZZ-Podium über das Lucerne- Festival-Thema «Glaube» diskutiert. Freilich einte sie der Glaube nicht.

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Kardinal Kurt Koch, hier bei einem Interview mit unserer Zeitung im April 2012. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Kardinal Kurt Koch, hier bei einem Interview mit unserer Zeitung im April 2012. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Das Gespräch sei anspruchsvoll gewesen, «kein Spaziergang», meinte Gesprächsleiter und NZZ-Feuilletonchef Martin Meyer zum Abschluss der gut eineinhalbstündigen Veranstaltung im KKL.

In seinem Einführungsreferat setzte sich Martin Walser hauptsächlich mit dem protestantischen Theologen Karl Barth auseinander. Er sprach davon, wie Gott in den Laboratorien der Theologie zerbröselt. «Gott ist nicht tot», sagte Walser, «er fehlt.»

«Religion und Literatur gehören zusammen»

Walser empfahl, religiöse Texte (»die grösstmögliche Literatur») wieder als Literatur zu lesen. Hiob sei auch durch Beckett nicht übertroffen worden. «Religion und Literatur gehören wieder zusammen, wie sie es mal waren.» Dass religiöse Literatur «nur Literatur» sei, wie Walser meinte, stiess auf der theologischen Gegenseite auf Widerspruch.

Unterschiedliche Ansichten trennten aber bei diesem Gespräch nicht nur den Schriftsteller und die Theologen. Auch zwischen der evangelischen Wiener Theologin Susanne Heine und Kardinal Kurt Koch zeigten sich Risse im gemeinsamen christlichen Bekenntnis.

Für Heine, die Bibellektüre über Theologie setzt, ist der Glaube aus dem Stoff der Hoffnung gemacht. Der Glaube könne nicht gelehrt oder gelernt, schon gar nicht eingetrichtert werden. Er sei ein Aha- Erlebnis, das aus der Erkenntnis der Ambivalenz des Menschseins entstehen könne.

Erfahrung der Gemeinschaft

Entscheidend sei die Erfahrung der Glaubwürdigkeit der Gemeinde, meinte Heine. Formeln dagegen, wie sie sie etwa bei der Institution der katholischen Kirche sehe, hülfen nicht.

Gegen diese Reduktion der katholischen Kirche auf das Formelhafte - und auf eine nicht mehr zeitgemässe Sprache über die Erlösung durch Christus - setzte sich Kardinal Koch zur Wehr. Auch für ihn ist Christsein aber nur in der Gemeinschaft und nicht im Alleingang möglich. Glaube ist für ihn zudem sekundär, nicht primär. Er sei die Antwort auf das Angesprochensein von Gott, das Primäre.

Auf die Kirche angesprochen und ihre Aufgabe, die christliche Botschaft weiterzugeben, sagte Kardinal Koch, es sei ein stetes Bemühen um Glaubwürdigkeit. Die Kirche könne dieser Forderung aber letztlich nicht gerecht werden, weil es eine Über-Forderung sei. «Die Kirche ist nur der Mond, Christus ist die Sonne.»

sda