Doch kein Denkmalschutz: Jetzt kann das Grenzhof-Schulhaus in Littau abgerissen werden

Erfolgreiche Beschwerde der Stadt Luzern: Das Bildungs- und Kulturdepartement hebt die Unterschutzstellung des Littauer Schulhauses auf.

Evelyne Fischer
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Der Rechtsweg hat sich gelohnt: Das Grenzhof-Schulhaus in Littau ist nicht länger denkmalgeschützt. Das Bildungs- und Kulturdepartement (BKD) hat eine Verwaltungsbeschwerde der Stadt Luzern gutgeheissen. Die im August 2018 von der kantonalen Dienststelle Hochschulbildung und Kultur beschlossene Unterschutzstellung sei «unverhältnismässig», hält das BKD in einer Mitteilung vom Mittwoch fest. Zwar sei das Gebäude ein «einzigartiger Vertreter der Schulbau-Architektur aus den 60er-Jahren». Doch wegen der hohen Schadstoffbelastung mit Naphthalin und weiteren Teeröl-Inhaltsstoffen werde die Anlage durch die Stadt «aktuell und wohl auch in Zukunft nicht mehr als Schulgebäude genutzt».

Die Stadt will das Schulhaus Grenzhof nicht sanieren und dafür das näher gelegene Schulhaus Rönnimoos ausbauen.

Die Stadt will das Schulhaus Grenzhof nicht sanieren und dafür das näher gelegene Schulhaus Rönnimoos ausbauen.

Bild: Dominik Wunderli (Littau, 22. November 2016)

Die Stadt Luzern hatte beabsichtigt, auf dem Grenzhof-Areal dereinst Wohnraum zu schaffen. Sie favorisierte einen Abriss und einen Neubau beim benachbarten Schulhaus Rönnimoos. Diese Argumentation stützt das BKD: Die Zusammenlegung der beiden Schulstandorte erscheine aufgrund deren Nähe «sinnvoll», auch bestehe ein «öffentliches Interesse am gemeinnützigen Wohnungsbau». Bloss: Ein konkretes Wohnbauprojekt lag bis dato nicht vor.

Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) sagt dazu: Das Urteil des Bildungs- und Kulturdepartement sei «das Ergebnis einer umfassenden und gesamthaften Interessenabwägung». Der gemeinnützige Wohnungsbau, aber auch die finanziellen Folgen für die Stadt Luzern seien nur zwei von vielen Aspekten gewesen. «Wegleitend war die Aufgabe der schulischen Nutzung und die bestehenden Unsicherheiten auf die Schadstoffsanierung.» Und Marcel Schwerzmann fügt an: Die Unterschutzstellung hätte auch Kosten beim Kanton verursacht.

Stadt Luzern freut sich über «Handlungsspielraum»

Die Stadt Luzern zeigt sich erfreut über den «positiven Entscheid», wie Baudirektorin Manuela Jost (GLP) sagt. «Der Handlungsspielraum bleibt damit erhalten.» Man sei froh, teile das BKD die Meinung über die mit Unsicherheit behaftete Schadstoffsanierung.

Interessant ist: Die Dienststelle Hochschulbildung und Kultur hielt im August 2018 fest, das Schulhaus Grenzhof könne für rund 28 Millionen Franken saniert werden und sei danach «vollumfänglich für den Schulbetrieb nutzbar». Zum Vergleich: Für den Rönnimoos-Ausbau wurden 2017 rund 30 Millionen Franken veranschlagt. Jost sagt, die Dienststelle sei in diesem Punkt korrigiert worden. Insbesondere die Kosten für die Schadstoffsanierung seien in den 28 Millionen nicht enthalten. Die Kosten für den jetzigen Rönnimoos-Ausbau würden sich aus dem Siegerprojekt des Wettbewerbs ergeben, momentan laufe die Jurierung. Jost betont: «Für die Stadt als Grundeigentümerin waren nicht nur die Kosten entscheidend, sondern auch der Beschluss, den Standort aufgrund der schulischen Bedürfnisse aufzugeben und im Rönnimoos zusammenzuführen.»

In puncto Grenzhof will der Stadtrat nach der Sommerpause das weitere Vorgehen definieren. «Es braucht eine städtebauliche Entwicklungs- und eine Machbarkeitsstudie», sagt Jost. Aufgrund des ausstehenden Entscheids des BKD seien solche Abklärungen bislang nicht sinnvoll gewesen. «Die Ergebnisse dürften frühestens im nächsten Sommer vorliegen.» Vorerst bleibt das Gebäude, das von Feuerwehr und Polizei zu Ausbildungszwecken genutzt wird, also stehen. Aber: «Der Stadtrat hat immer gesagt, die gesamte Anlage könne nicht erhalten werden.»

Dienststelle kann Entscheid nicht anfechten

Das Urteil liegt unserer Zeitung nicht vor. Das BKD sagte, als Beschwerdeinstanz sei man nicht befugt, den Entscheid öffentlich zu machen. Die Stadt wiederum verwies ans BKD, das als Entscheidsbehörde über die Publikation entscheidet.

Der Entscheid dürfte rechtskräftig werden. Denn: Die Dienststelle Hochschulbildung und Kultur verfügt in diesem Fall nicht über die rechtliche Grundlage, das Urteil anzufechten. Leiterin Karin Pauleweit: «Bei jedem Entscheid wird zwischen fachlichen und anderen Interessen abgewogen. Es kann immer sein, dass die nächste Instanz zu anderen Schlussfolgerungen kommt. Das gilt es zu akzeptieren.»

Beantragt hatte die Unterschutzstellung die Denkmalpflege. Es handle sich «um einen herausragenden und charakteristischen Schulhausbau der Nachkriegsmoderne», sagte Denkmalpflegerin Cony Grünenfelder. Sie nimmt den aktuellen Entscheid zur Kenntnis.

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