Doch mehr Geld für das Blue Balls Festival? Die Stadt Luzern soll nochmals über die Bücher gehen, fordert die SVP

Das Luzerner Stadtparlament soll über höhere Beiträge entscheiden. Zu diesem Zweck hat die SVP eine Motion eingereicht.

Stefan Dähler
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Der Europaplatz während des Blue Balls 2018.

Der Europaplatz während des Blue Balls 2018.

Manuela Jans-Koch (Luzern, 26. Juli 2018)

Das Blue Balls kämpft schon länger mit finanziellen Problemen. Der Luzerner Stadtrat will das Festival aber nicht stärker unterstützen. Dies gab er im April bekannt. Zur Diskussion stand eine Stiftung, in der die Stadt als Stifterin und Beitragszahlerin mitwirken sollte. Dies hätte als Präjudiz Begehrlichkeiten bei anderen Veranstaltern wecken können, begründete die Stadtregierung den Entscheid. Stattdessen soll das Festival weiter wie bisher unterstützt werden: etwa mit der Bereitstellung von öffentlichem Grund und einem Betrag von 130 000 Franken pro Jahr. Die Veranstalter betonten jedoch stets, dass dieser Betrag durch die Billettsteuern der Stadt wieder zurückbezahlt werde.

Nun fordert die SVP in einer Motion, dass der Stadtrat nochmals über die Bücher geht. In einem Planungsbericht soll er gegenüber dem Parlament aufzeigen, aus welchen Gründen die Stiftungsidee gescheitert ist und Varianten vorschlagen, wie das Blue Balls ab 2021 durch die Stadt «ideologisch, durch Sachleistungen oder finanzielle Beiträge unterstützt werden könnte», heisst es im Vorstoss. Die Stadt soll dabei auch ihre «Erwartungshaltung» einbringen. Das heisst noch nicht, dass sich die SVP für eine Beitragserhöhung ausspricht, sagt Motionär Marcel Lingg. «Dafür kennen wir die Fakten noch zu wenig. Wir wissen nicht, was genau verhandelt wurde und benötigen detaillierte Angaben zur Finanzierung und zum Konzept.» Es sei aber wichtig, sich jetzt dazu Gedanken zu machen. «Sonst könnte es zu spät sein und das Blue Balls findet gar nicht mehr statt.»

Offene Ohren bei der GLP

Wie kommt der Vorstoss bei den anderen Parteien an? Die GLP signalisiert Offenheit. «Wir können die darin aufgeworfenen Fragen nachvollziehen und fänden es gut, wenn das Thema nochmals auf das Tapet kommt», sagt Grossstadträtin Judith Wyrsch. «Wir schätzen das Blue Balls sehr, wünschen uns aber wie beim Luzerner Fest eine Anpassung des Konzepts. Die Nachhaltigkeit soll mehr Gewicht erhalten. Es müssen auch nicht mehr so viele Marktstände sein, damit das Kernanliegen, die Musik, noch stärker in den Fokus rückt.» In neuen Verhandlungen um höhere Beiträge soll die Stadt solche Aspekte einbringen.

SP und CVP sind kritisch

Andere Parteien äussern sich skeptisch bis sehr kritisch. «Eine Neukonzipierung wie beim Luzerner Fest dauert lange und könnte gar einen längeren Unterbruch zur Folge haben», sagt SP-Grossstadtrat Adrian Albisser. Dazu sei nun der falsche Zeitpunkt. «Jetzt steht im Zentrum, dass 2021 das Blue Balls überhaupt stattfinden kann.» Ausserdem hätten gerade erst Verhandlungen stattgefunden. «Nun wieder welche aufzunehmen und den Veranstaltern eigene Vorstellungen aufbürden zu wollen, wäre nicht sehr partnerschaftlich.» Die Frage, warum die Verhandlungen gescheitert sind, sei aber durchaus berechtigt. Doch dafür hätte eine Interpellation gereicht.

Die CVP habe die Motion intern zwar noch nicht diskutiert. «Ich persönlich sehe es aber kritisch, dass die Stadt den Lead übernehmen soll. Das ist die Aufgabe der Veranstalter», sagt Fraktionschefin Mirjam Fries. «Es ist uns aber auch sehr wichtig, dass das Blue Balls weiterbesteht.» Die bisherige Unterstützung stelle man sicher nicht in Frage. «Um über das weitere Vorgehen zu entscheiden, liegen uns derzeit noch zu wenig Informationen vor.» Aus Fries’ Sicht wäre es deshalb ebenfalls sinnvoller gewesen, zunächst durch eine Interpellation mehr zu erfahren, statt mit einer Motion gleich einen neuen Planungsprozess zu starten.

Grüne und FDP: Keine städtische Aufgabe

Die Grünen haben «bereits die Erhöhung des Beitrags an das Luzerner Fest kritisiert», sagt Fraktionschef Christian Hochstrasser. «Wir schätzen zwar die grossen Festivals, es sollte aber nicht die Aufgabe der Stadt sein, für deren Überleben zu sorgen.» Die Stadt leiste bereits einen grossen Beitrag an das Blue Balls, auch, indem sie öffentlichen Raum zur Verfügung stellt. «Das kann sie auch weiterhin tun, aber eine grössere Unterstützung lehnen wir ab.» Weiter merkt Hochstrasser an, dass es jeweils Monate dauere, bis eine Motion behandelt wird. Die Erarbeitung eines Planungsberichts würde weitere Zeit in Anspruch nehmen. «Es ist also sehr fraglich, ob es für die Ausgabe von 2021 reichen würde.»

Die FDP hat die Motion intern noch nicht diskutiert, wie Fraktionschefin Sonja Döbeli sagt. «Ich persönlich lehne diese jedoch ab. Das Blue Balls ist keine städtische Aufgabe.» Klar handle es sich um einen tollen Anlass. Findet dieser nicht mehr statt, wäre es ein grosser kultureller Verlust. «Doch die Veranstalter sind privat, ein städtischer Planungsbericht ist daher nicht angebracht.»

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