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DOKUMENTARFILM: Abschlussarbeit: Sie ist von Luzerns Schattenseite fasziniert

Die Krienserin Jacqueline Wüst (28) hat sich im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Kunsthochschule mit dem Gebiet Ibach befasst. Die Stadt Luzern verdränge Unerwünschte in die Peripherie, sagt sie.
Filmerin Jacqueline Wüst vor der Reusseggstrasse im Gebiet Ibach. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 29. Juni 2017))

Filmerin Jacqueline Wüst vor der Reusseggstrasse im Gebiet Ibach. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 29. Juni 2017))

Von weit her sieht man die stillgelegte Kehrichtverbrennungsanlage im Gebiet Ibach am Luzerner Stadtrand. Die Bewohner selbst sind hingegen fast unsichtbar. «Es gibt hier zwei Wagenplätze, einen Platz für Fahrende, eine Unterkunft für abgewiesene Asylsuchende. Und da sind auch noch die Prostituierten», erzählt Jacqueline Wüst. Die 28-Jährige hat soeben den Bachelor im Fach Video an der Hochschule Luzern – Design & Kunst absolviert: Ihre Abschlussarbeit ist der Dokumentarfilm «Ausser Sicht» über ebendieses Quartier.

«Ich hatte zum ersten Mal mit diesem Teil der Stadt Kontakt, als ich vor zwölf Jahren bei einem Wagenplatz an einem Konzert war. Mich hat dieser Ort interessiert, weil hier deutlich wird, wie der Touristenmagnet Luzern die Unerwünschten in die Peripherie verdrängt», erklärt Wüst. Der Ort ist Protagonist ihres Films, nicht ein Mensch. «Da der Ort im Fokus ist, scheint der Film etwas distanziert. Ich habe mit vielen Stimmungsbildern gearbeitet, zeige die Autobahn und den Beton im Gegensatz zur Natur.»

Eine Kindheit ohne Fernseher

Jacqueline Wüst hat nicht schon als Kind Filmchen gedreht. Sie ist sogar ohne Fernseher aufgewachsen. Aber: «Ich war immer sehr vielseitig interessiert und wollte kreativ und künstlerisch arbeiten. Mit dem Medium Film kann ich beides verbinden, das habe ich vor allem während des Vorkurses gemerkt», erklärt sie ihre Studienwahl.

Sie sei überrascht gewesen, dass viele ihrer Bekannten das Ibach-Quartier nicht kennen. «Ich wollte diese Menschen hier sichtbar machen. Dabei stelle ich nicht konkrete politische Forderungen, aber es sagt schon etwas über unsere Stadt, dass wir diese Menschen so an den Rand drängen. So entstehen Vorurteile, denn der Austausch untereinander fehlt», bedauert Wüst, die in Ebikon aufwuchs und heute in Kriens wohnt.

In ihrem knapp 15-minütigen Film hat die frisch diplomierte Filmerin über ein halbes Jahr Arbeit investiert, von der Entwicklung der Idee über das Schreiben des Dossiers bis hin zum Dreh und zur Postproduktion. «Das ist das Tolle an der Ausbildung in Luzern: Wir lernen sowohl Kameraarbeit, Schnitt und Ton, nicht nur die Autorenschaft. Das gibt viel Selbstvertrauen.»

Film ist immer Teamwork: Jacqueline Wüst hat mit dem Fokusfeld Regie abgeschlossen. Bei ihrem Film arbeiteten zwei Mitstudentinnen mit. «Nicole Wanderon hat bei meinem Film mit Kamera abgeschlossen und Selin Dettwiler im Fokusfeld Schnitt.» Unterstützt wurden die drei Filmemacherinnen von Jacqueline Wüsts Schwester, die für den Ton beigezogen wurde.

Wüst zieht näher zur Filmszene

Dass sie Studentin war, habe ihr wohl bei der Kontaktaufnahme mit den Porträtierten geholfen, sagt Jacqueline Wüst. Sie war erstaunt, wie offen der Vater der Jenischen Auskunft gab. «Bei den abgewiesenen Flüchtlingen war es schwieriger, sie hatten Angst, dass sie etwas sagen könnten, das ihnen schadet», sagt die Filmerin. Es habe ihr Spass gemacht zu zeigen, was für eine Oase auf dem Wagenplatz in den letzten 15 Jahren gewachsen ist. «Der Film hat mir Lust auf mehr gemacht, ich würde das Quartier gern weiter beobachten, die Menschen noch mehr ins Zentrum stellen», sagt Jacqueline Wüst.

Doch was die Zukunft bringt, ist für die Absolventin der Hochschule Luzern noch offen. «Vielleicht mache ich später noch den Master in Dokumentarfilm. Doch erst muss ich jetzt etwas Geld verdienen, mit einem Job in einer Bar. Ausserdem ziehe ich nach Zürich, wo die Schweizer Filmszene daheim ist», freut sie sich. Zum Abschalten renoviert Jacqueline Wüst gern alte Möbel, geht in den Wald und in die Berge oder besucht mit Freunden Konzerte.

Natalie Ehrenzweig

region@luzernerzeitung.ch

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