Dorfzentrum statt Kirchfeld? FDP fordert Analyse für das Horwer Alterszentrum

Die Auslastung im «Kirchfeld» sinkt und beim Altersheim ist ein Ersatzbau nötig. Für die FDP zwei gute Gründe, den Standort und das Angebot hoch über dem Dorf zu überdenken – schon wieder.

Roman Hodel
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Blick auf das «Kirchfeld» - im Vordergrund das renovationsbedürftige Altersheim, dahinter das Pflegeheim.

Blick auf das «Kirchfeld» - im Vordergrund das renovationsbedürftige Altersheim, dahinter das Pflegeheim.

(Bild: Pius Amrein, Horw 19. Februar 2018)

Die Zahlen sind nicht erfreulich: Im letzten Jahr lag die Auslastung des «Kirchfeld – Haus für Betreuung und Pflege» in Horw bei durchschnittlich 85 Prozent. Das sind 3,43 Prozent weniger als im Vorjahr und sogar 9,64 Prozent weniger als noch 2017. Entsprechend fällt das Betriebsergebnis aus: 2018 schloss mit einem Minus von rund 870'000 Franken und für 2019 ist ein Defizit von 350'000 Franken budgetiert. 

An der Lage dürfte es kaum liegen. Die Bewohner geniessen den Ausblick über den ganzen Talboden – inklusive beste Sicht auf See und Pilatus. Der Nachteil: Wer etwas im Dorf einkaufen will oder dort zum Arzt muss, braucht eine Fahrgelegenheit. Denn der 15-minütige Fussmarsch ist zwar gesund, aber anstrengend, weil steil. Immerhin: An Werktagen fährt nachmittags ein Gratis-Bus, denn die Linie 21 hält lediglich in der Nähe. 

Für die FDP sind das Gründe genug, politisch aktiv zu werden. In einer Motion fordert sie einen Planungsbericht vom Gemeinderat und von der Kirchfeld AG, die das Haus seit 2018 betreibt und zu 100 Prozent der Gemeinde gehört. Der Bericht soll folgendes enthalten:

  • Analyse der Nachfrage nach verschiedenen Wohn- und Betreuungsformen und deren erwartete Entwicklung in den nächsten 20 Jahren.
  • Angebotsstruktur plus Businessplan in den Bereichen stationäre Pflegeplätze, ambulante Pflegeplätze und gemischte Wohnformen wie betreutes Wohnen und Wohngemeinschaften.

Aufgrund dieses Berichts sollen dann Standort- und Nutzungsoptionen aufgezeigt werden. Etwa diese: 

  • Verlegung des Alters- und Pflegeheims in den Talboden.
  • Falls ja, was passiert mit den bestehenden Gebäuden im Kirchfeld?
  • allfällig nötige Umzonungen.

«Jetzt ist quasi die letzte Chance, um eine grundlegende Analyse durchzuführen, denn in den nächsten Jahren stehen grosse Investitionen an, darunter der Ersatzbau des Kirchfeld 2», sagt FDP-Einwohnerrat und Motionär Stefan Maissen. Zwar sind Auslastungs-Rückgänge nichts Horw-spezifisches. Dennoch befürchtet er, dass neue Angebote wie etwa das betreute Wohnen im Alter in Horw-Mitte die Situation im Kirchfeld noch verschärfen könnten. Als weitere Konkurrenz nennt er das Pflegeheim des Blinden-Fürsorgevereins der Innerschweiz am Ortsrand Richtung Luzern – es steht auch Nicht-Sehbehinderten offen, ist zu 98 Prozent ausgelastet und ziehe «immer mehr Horwer an». Nur: Wenn das Alters- und Pflegeheim in den Talboden verschoben würde, wohin? Landreserven besitzt die Kirchfeld AG keine. Maissen sagt:

«Es gäbe sicher Optionen – man könnte vielleicht auch Kooperationen eingehen.»

Auslastung Heime 2018 in Prozenten

020406080100Kirchfeld HorwViva LuzernBetagtenzentren EmmenHeime KriensBlinden-Fürsorgeverein Innerschweiz Horw

Kirchfeld-Leiter Marco Müller äussert sich nicht zum aktuellen Vorstoss, «weil wir uns nicht in die Politik einmischen.» Dennoch hält er fest, dass die Standortfrage erst vor drei Jahren, im Rahmen der Auslagerung des Kirchfelds in eine AG eingehend erörtert und auch im Parlament ausführlich diskutiert wurde: «Bei der Analyse und dem anschliessenden Entscheid kam klar zum Ausdruck, dass die stationäre Pflege in Horw auf dem Kirchfeld weiterentwickelt werden soll.» Dort verfüge man über viel Fläche für die Weiterentwicklung und könne Synergien nutzen. Müller sagt:

«Viele ältere Menschen schätzen überdies den naturnahen, ruhigen Standort – einzig die Anbindung an den ÖV gilt es zu verbessern.»

Er ist überzeugt, dass man trotz zunehmend ambulanter Pflege mittel- bis langfristig mehr Pflegeplätze benötigt als heute, wegen der demografischen Entwicklung. Aktuell gibt es im Kirchfeld 1 (Pflegeheim) 110 Betten, davon aber 52 in Doppelzimmern. Diese will die AG in Einzelzimmer umwandeln – entsprechend wird die Gesamtzahl sinken. Auch im Demenzbereich im Kirchfeld 2 mit aktuell neun Plätzen brauche es künftig mehr Kapazität. Weil dieses Gebäude zudem aus den 1960er Jahren stammt und letztmals 1987 umgebaut wurde, drängt sich hier ein Ersatzneubau auf. Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung werden Anfang Februar die Strategie 2030 verabschieden – diese wird den Rahmen für die künftige Entwicklung vorgeben. 2021 soll ein Studienauftrag plus Projektwettbewerb folgen.

Dass neue Angebote wie das betreute Wohnen im Dorfzentrum das Kirchfeld konkurrenzieren, verneint Müller: «Wer primär eine Wohnung und nur wenig Dienstleistungen sucht, ist an solchen Orten prima aufgehoben, doch wer viel Pflege und eine umfassende Betreuung benötigt, wird auch in Zukunft zu uns kommen.» Wobei: Stationäre Pflege bietet auch das Blindenheim an. Müller sagt dazu: «Es ist wie die meisten anderen Heime zwar eine Konkurrenz für uns. Aber eine, die uns anspornt – zumal die Horwer dadurch eine echte Wahlmöglichkeit haben.»

Was das Betriebsergebnis betrifft, so erwartet Müller für 2019 ein weniger hohes Defizit als budgetiert. Im laufenden Jahr gelte als Zielvorgabe eine ausgeglichene Rechnung. Er sagt: «Wir sind zuversichtlich, dies zu erreichen.» Darin bestärkt ihn nicht zuletzt die aktuelle Gesamtauslastung – sie beträgt wieder 90 Prozent.

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