Interview

Dreikampf um das Gemeindepräsidium in Wolhusen

SVP, FDP und ein Parteiloser kämpfen in Wolhusen um das Amt des Gemeindepräsidenten.

Ernesto Piazza
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In Wolhusen kämpfen Fredi Bigler (FDP), Bruno Duss (parteilos) und der bisherige SVP-Gemeinderat Ueli Lustenberger um das Exekutivamt.

Bruno Duss (parteilos), Fredy Bigler (FDP) und Ueli Lustenberger (SVP, von links).

Bruno Duss (parteilos), Fredy Bigler (FDP) und Ueli Lustenberger (SVP, von links). 

Bilder: Pius Amrein / PD

Unsere Zeitung hat den drei Kandidaten den Puls gefühlt.

Welches ist Ihr persönliches Credo, das sie bei einer Wahl ins Präsidium ansetzen?

Bruno Duss: Zusammen sind wir stark! So möchte ich bei einer Wahl arbeiten. Gerne würde ich meine Erfahrungen, mein Wissen und meine Ideen in diesem Rat einbringen.

Fredi Bigler: Eine durchgehende Transparenz steht für mich an oberster Stelle. Ich sehe Wolhusen als Dienstleister. Dies geschieht auch dank der Digitalisierung, wie zum Beispiel dem Infokanal «WerWasWolhusen», dessen Mitbegründer und Betreiber ich bin.

Ueli Lustenberger: Ich will mich voll und ganz für das Wohl von Wolhusen einsetzen.

Wolhusen erstickt zeitweise im Verkehr. Der Kantonsrat hat die Planung der Umfahrung in den Topf A eingestellt. Wie beurteilen Sie diesem Schritt?

Bruno Duss: Die Umfahrung ist ein über 50-jähriges Anliegen und wurde schon viel zu oft von Topf zu Topf gerecht. Diverse Infrastrukturprojekte können nur durch eine Lösung des Nadelöhrs Wolhusen erfolgreich sein. In Stadt und Agglomeration wurde viel investiert, auch die Landschaft hat ein Anrecht darauf in der Weiterentwicklung nicht gehemmt zu werden.

Fredi Bigler: Von diesem für Wolhusen sehr wichtigen Schritt spricht man schon Jahrzehnte und er sollte für einmal nicht nur eine planerische Absichtserklärung des Kantons sein. Ich rechne jedoch mit einer allfälligen Realisierung nicht vor meiner Pensionierung. Es müssen aber auch alternative Modelle und Ideen wie Tempo 30, was wiederum zu mehr Sicherheit – gerade für die Kinder – und weniger Immissionen führt, ins Auge gefasst werden.

Ueli Lustenberger: Dass der Planungskredit vom Kantonsrat im Dezember 2018 von Topf C direkt in den Topf A verlegt wurde, ist für Wolhusen, für unsere Region, von grosser Bedeutung. Denn wir benötigen diese Umfahrung unbedingt und dementsprechend müssen sie mit Hochdruck vorantreiben.

Das Luzerner Kantonsspital plant in Wolhusen einen Aus- und Neubau. Wie beurteilen Sie Wolhusen als Gesundheitszentrum?

Bruno Duss: Diese Investition ist für Wolhusen und die ganze Umgebung von grösster Wichtigkeit. Mit dem Spital, dem Spitex-Stützpunkt Wolhusen, dem Wohnen am Wigernweg mit Anbindung an das WPZ Berghof oder den Hausärzten ist Wolhusen ein beachtliches Gesundheitszentrum.

Fredi Bigler: Das Spital Wolhusen als regionaler Gesundheitsversorger und bedeutender Arbeitgeber gilt es dringend zu erhalten. Für diese Investition muss man sich einsetzen und die Realisierung nicht durch unnötige Einsprachen verzögern oder gar gefährden. Ich sehe darin für Wolhusen eine grosse Chance und viel Potenzial.

Ueli Lustenberger: Der Neubau Kantonsspital Wolhusen ist für unsere Region von enormer Wichtigkeit, sei es als Dienstleister für das Gesundheitsangebot wie auch als Arbeitgeber. Wolhusen hat sich in den letzten Jahren zu einem Gesundheitszentrum mit einem grossen Angebot entwickelt, wie es kaum in einer anderen Gemeinde zu finden ist.

Wie beurteilen Sie das Geschäftsführermodell für Wolhusen?

Bruno Duss: Wichtiger als ein Geschäftsführermodell oder ein anderes Modell sind für mich die Menschen, welche hinter den jeweiligen Modellen stehen und wirken. Ein Führungsmodell kann und darf hinterfragt und diskutiert werden.

Fredi Bigler: Da ich selber einen KMU-Betrieb leite und einen Einblick in die Wirtschaft habe, darf meiner Ansicht nach ein CEO nicht Teil des VR sein. Denn dadurch entstehen Interessenkonflikte und Machtballungen. Ich erachte deshalb das aktuelle Geschäftsführermodell für unsere Gemeinde als ungeeignet.

Ueli Lustenberger: Das Geschäftsführermodell, in dem Gemeindeammann, Geschäftsführer und Delegierter im Gemeinderat in einer Person vereint sind, gibt es nur in Wolhusen und Willisau. Ob dieses Modell funktioniert, hängt stark mit der Person zusammen, die dieses Amt ausübt. Wenn diese Person neutral, führungsgewohnt und über grosse Gemeindekenntnisse verfügt, kann das Modell von Vorteil sein. Ein Nachteil ist, dass sich vieles um eine Person dreht. Das birgt auch Risiken.

Soll Wolhusen mit umliegenden Gemeinden noch enger zusammenarbeiten?

Bruno Duss: Ich erachte es als grossen Vorteil, fast alle Ansprechpersonen von den angrenzenden Gemeinden persönlich zu kennen. Eine Fusion ist in absehbarer Zeit nicht wahrscheinlich, interkommunale Zusammenarbeiten in verschiedenen Richtungen sind aber sicher sinnvoll.

Fredi Bigler: Die Zusammenarbeit in allen Bereichen, bis hin zu einer möglichen Fusion mit den angrenzenden Gemeinden gilt es zu fördern und gemeinsame Synergien zu nutzen. Grundsätzlich befürworte ich auch regionale Lösungen, wenn so die Dienstleistungen für die Bürger verbessert, die Professionalität erhöht und gleichzeitig Kosten gespart werden können.

Ueli Lustenberger: Im Moment ist eine Fusion kein Thema, eine regional gute Zusammenarbeit erachte ich hingegen als sehr wichtig. Diese hilft Fachwissen zu bündeln und Ressourcen zu nützen.

Wie beurteilen Sie den momentanen Steuerfuss von 2,3 Einheiten?

Bruno Duss: Steuern, Verschuldung, Belastung und dergleichen sind Reizwörter, die viel zu oft genannt werden. Es ist momentan wohl nicht sinnvoll den Steuerfuss auf Teufel komm raus, zu senken. Nur der Steuerfuss allein macht eine Gemeinde nicht attraktiv.

Fredi Bigler: Dieser ist im Vergleich zu den umliegenden Gemeinden wirklich zu hoch. Was hier jedoch fehlt, ist eine gewisse Transparenz über die freien und die zweckgebundenen Ausgaben, um allfällige Vorurteile abbauen zu können. Sicher lässt sich dieser hohe Steuerfuss auch zum Teil mit Systemwechseln in der Vergangenheit erklären, bei denen Wolhusen zu den Verlierern zählte. Ziel muss es aber sein, die Gemeinde noch attraktiver zu machen. Daher muss eine Steuerreduktion mit allen Mitteln angestrebt werden.

Ueli Lustenberger: Der Steuerfuss ist einer der höchsten im Kanton. Diesen gilt es zu optimieren, um Wolhusen attraktiv zu erhalten und weiter zu entwickeln.

Hinweis: Die Interviews wurden separat und schriftlich geführt.