Dreimal mit Messer auf Schwiegervater eingestochen – Anwalt plädiert am Kriminalgericht auf Notwehr

Ein geschiedener Mann wollte seine Tochter sehen. Der Besuch endete blutig. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Freiheitsstrafe von 7 Jahren und 9 Monaten.

Roger Rüegger
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Schauplatz ist ein Grundstück auf dem Land. Ein serbischer Staatsangehöriger (27) will die gemeinsame Tochter und seine geschiedene Frau besuchen. Die Familie, besonders der Schwiegervater, ist aber nicht gut zu sprechen auf ihn. So versperrt dieser dem Besucher prompt den Weg, als er sein Töchterchen sehen will.

Laut Anklageschrift der Luzerner Staatsanwaltschaft packte der Ältere den Jüngeren am Kragen und gab ihm zu verstehen, dass er verschwinden solle. Was sich abspielte, ist auch nach Zeugenaussagen und der Schilderung des jungen Vaters nicht geklärt. Sicher ist aber, dass er seinem ehemaligen Schwiegervater drei Verletzungen mit einem Messer zufügte. Dafür musste er sich am Mittwoch vor Kriminalgericht verantworten. Die Verhandlung wurde mit Hilfe eines albanisch sprechenden Übersetzers geführt.

Nach dem Vorfall mit dem Messer stellte er sich

Der Beschuldigte bestritt nicht, ein Messer benutzt zu haben. Wie er es einsetzte, konnte er aber nicht ausführen: «Der Vater meiner Ex-Frau versperrte mir den Weg, ich hatte Angst vor ihm. Als ich am Boden lag, nahm er mich in den Schwitzkasten, vielleicht ist es da passiert.» Nach dem Vorfall stellte er sich der Polizei.

Der Staatsanwalt betont: «Der Mann wusste, dass sein Erscheinen nicht erwünscht ist. Er hatte ein verbotenes einhändig bedienbares Klappmesser bei sich, das er anhand der Verletzungen mit grosser Kraft eingesetzt haben muss. Nur zufällig wurde kein lebenswichtiges Organ verletzt.» Er beantragte für versuchte Tötung, versuchte schwere Körperverletzung und Widerhandlung gegen das Waffengesetz eine Freiheitsstrafe von 7 Jahren und 9 Monaten und Landesverweis von 12 Jahren.

Der Verteidiger des Beschuldigten, zeichnete ein ganz anderes Bild.

«In der Tierwelt wäre mein Mandant das Kaninchen vor der Schlange, das vor Angst erstarrt. So erging es ihm bei der Konfrontation mit dem Schwiegervater.»

Das Messer habe er bei sich getragen, weil er dieses als Bodenleger benutze. Er sei ja direkt von der Arbeit zu seiner Tochter gefahren. Bei dem Handgemenge habe er «das Messer mit Zurückhaltung eingesetzt. Er wollte den Widersacher nur auf Distanz halten.»

Es habe sich um Notwehr gehandelt. Der Verteidiger, der die Strategie der Staatsanwaltschaft als «widersprüchlich, mit nicht nachvollziehbaren Hypothesen und wenig objektiv» bezeichnete, plädierte auf Freispruch, was die versuchte Tötung und die Körperverletzung betrifft. Für Widerhandlung gegen das Waffengesetz sei sein Mandant zu einer bedingten Strafe von 20 Tagessätzen à 30 Franken sowie einer Busse von 200 Franken zu verurteilen.

Dafür will er Genugtuung von 42'380 Franken und Schadenersatz von 56'000 Franken für die 530 Tage, die sein Mandant in Gewahrsam verbrachte.