Dank Eigeninitiative: Drive-in-Station für Coronatests gibt es neu auch in Willisau

Ab Mittwoch können auch im Luzerner Hinterland Coronatests direkt im Auto gemacht werden. In anderen grösseren Landgemeinden ist vorerst keine Teststation geplant.

Fabienne Mühlemann
Merken
Drucken
Teilen

Vor einer Woche wurde auf der Luzerner Allmend eine Drive-in-Station eröffnet, wo sich Coronapatienten im Auto sitzend auf das Virus testen lassen können. Während dort am Dienstag Bundesrat Alain Berset zu Besuch war, hat man im Luzerner Hinterland Eigeninitiative ergriffen und selber eine Teststation errichtet. Am Mittwochmittag wird sie in Willisau bei der Sporthalle BBZ eröffnet. Die Station wird von Montag bis Freitag rund zwei Stunden am Tag geöffnet sein und ist nur für Personen zugelassen, die von einem Hausarzt überwiesen worden sind.

Bei der Sporthalle BBZ wird ein Testzentrum errichtet. Hier werden die Autos durchfahren.

Bei der Sporthalle BBZ wird ein Testzentrum errichtet. Hier werden die Autos durchfahren.

Bild: Eveline Beerkircher, Willisau, 31. März 2020

Die Stadt Willisau hat das Testzentrum zusammen mit den Ärzten der Region und der Spitex Region Willisau, welche in elf Gemeinden tätig ist, geplant und umgesetzt. Laut Rücksprache mit dem kantonalen Führungsstab liege diese Kompetenz bei der Gemeinde, so Stadtpräsidentin Erna Bieri. Als Ärzteobmann der Region Willisau hat Manfred Wicki ausserdem die Bewilligung für das Zentrum bei der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern eingeholt. Die Idee dahinter sei, dass durch die Teststation Patienten mit Coronaverdacht nicht mehr die Hausarztpraxen aufsuchen müssen. «So können die Praxen entlastet werden und ihren Betrieb weiterführen, ohne Angst einer gegenseitigen Coronaansteckung», erklärt Wicki. Zusätzlich werden auch die Spitäler im Kanton Luzern entlastet. Da man davon ausgehe, dass die Anzahl an Erkrankten noch zunehmen werde, sei dies vorerst eine präventive Aktion. Es sei im Voraus aber schwierig abzuschätzen, wie viele Tests am Tag bei der Station gemacht werden.

Auch der Kanton Luzern begrüsst diese Art der Eigeninitiative grundsätzlich. «Den Hausärztinnen und Hausärzten kommt bei der Abklärung und Betreuung von leicht symptomatischen Covid-19-Patienten eine wichtige Rolle zu. Sie kennen ihre Patienten bestens und helfen dadurch mit, die Spitäler zu entlasten, so dass sich diese auf die Behandlung von schweren Fällen konzentrieren können. In diesem Sinne erachtet es der Kanton auch als folgerichtig und wichtig, dass sich die Hausärzteschaft in das Testing miteinbringt», sagt Kantonsarzt Roger Harstall. Es mache Sinn, wenn sich verschiedene Praxen im selben Einzugsgebiet organisieren, um ihre eigenen Patienten zu betreuen und auch zu testen. «Sofern die Testkriterien strikte eingehalten werden, ist nichts dagegen einzuwenden, dass Ärztinnen und Ärzte beispielsweise eines Dienstkreises sich organisieren», sagt Harstall. Soweit die Vorgaben eingehalten würden für die Test-Station in Willisau, werde auch keine Bewilligung benötigt, weder von Bund, Kanton noch Gemeinde, so Harstall.

Zusätzliche Triagestelle in der BBZ

Der Drive-in funktioniert im Prinzip gleich wie jener auf der Luzerner Allmend. So können zugelassene Patienten, die von ihrem Hausarzt angemeldet wurden, vor Ort fahren, und es wird ein sogenannter Nasopharyngeal-Abstrich durchs geöffnete Fenster vorgenommen. Der Hausarzt teilt ihnen das Ergebnis mit, sobald es da ist. Das dauert jedoch mindestens 24 Stunden. Für Patienten mit stärkeren Symptomen wurde eine Triagestelle im Mehrzweckraum bei der BBZ errichtet. Dort können die Ärzte vor Ort entscheiden, ob und wie weiter vorgegangen werden muss.

Hier ist die Triagestelle.

Hier ist die Triagestelle.

Bild: Eveline Beerkircher, Willisau, 31. März 2020

Die Tests für den Drive-in seien von verschiedenen Laboratorien zur Verfügung gestellt worden. «Die Hausärzte entscheiden entsprechend den Vorgaben des Kantons und des Bundes, ob ein Patient sich einem Test unterziehen soll», sagt Wicki. Die Meldepflicht sei garantiert. «Der Leiter des Spitexverbands unterstützt das Vorhaben», so Wicki.

Ausrüstung vor Ort.

Ausrüstung vor Ort.

Bild: Eveline Beerkircher, Willisau, 31. März 2020

Für den Drive-in sind Patienten vorgesehen, die aus dem Einzugsgebiet der Spitex Region Willisau stammen. «Wenn jemand aus einem anderen Ort vorbeikommt, wird dieser natürlich nicht abgewiesen – sofern er angemeldet ist», sagt Wicki. Als Regionalzentrum stellt Willisau die Räumlichkeiten zur Verfügung. «Wir haben uns für das Sportzentrum entschieden, weil es ideal gelegen ist und über geeignete Infrastrukturen verfügt», erklärt Stadtpräsidentin Erna Bieri. Wer die Reinigungs- und Mietkosten tragen wird, sei im Moment noch in Abklärung. Die Untersuchungskosten werden über die Patienten – allenfalls über die Krankenkasse – laufen.

In Sursee, Hochdorf und Wolhusen ist kein Drive-in geplant

In anderen grösseren Landgemeinden im Kanton Luzern ist eine solche Teststation derzeit kein Thema. So auch nicht in Wolhusen. «Ich bin seit zwei Wochen immer wieder in Kontakt mit dem Wolhuser Kantonsspital und auch mit dem Ärzteobmann. Möglichkeiten für solche Teststationen wurden geprüft, aber da das Spital Wolhusen in ständiger Absprache mit den Hausärzten ist, gehe ich nicht davon aus, dass zeitnah solche Stationen umgesetzt werden», sagt Willi Bucher, Gemeindeammann von Wolhusen.

Die Stadt Sursee wurde zwar im Rahmen einer Vorabklärung von Ärzten aus der Region kontaktiert. «Wir wissen im Moment aber nichts von konkreten Plänen einer Drive-in-Station», sagt Marcel Büeler, Bereichsleiter Öffentliche Sicherheit bei der Stadt Sursee. Die Stadt sei auch nicht proaktiv auf den Kanton zugegangen. «Für allfällige Projekte wären wir jedoch unterstützend zur Stelle», so Büeler. Er ist aber der Auffassung, dass ein solches Begehren schlussendlich vom Führungsstab des Kantons Luzern kommen muss.

Im Seetal ist aktuell ebenfalls keine Drive-in-Station geplant, wie Daniel Rüttimann, Gemeinderat und ausserdem Präsident der Spitex Hochdorf und Umgebung (Region Seetal), sagt. «Die Koordination hier liegt klar beim kantonalen Führungsstab. Für allfälligen Support stehen wir aber sicher als helfende Hand zur Stelle», sagt Rüttimann. Die Spitex habe bereits in den letzten Wochen im Auftrag des kantonalen Führungsstabes Coronaproben durchgeführt. «Aus meiner Sicht genügt das bestehende Setting zur Zeit, der Kanton macht hier einen guten Job», so Rüttimann.

Neben des Drive-ins und der Triagestation wurde in Willisau im Alterszentrum Zopfmatt vorsorglich noch eine Isolierstation mit fünf Betten eingerichtet. «So könnte man positiv getestete Bewohner zum Schutz der Mitbewohner isolieren», erklärt Bieri. Die behandelnden Mitarbeiterinnen würden dort die Patienten gemäss Pandemiekonzept bestmöglich betreuen können.

Hinweis: Zu den 11 Gemeinden des Einzugsgebiets der Spitex Region Willisau gehören Alberswil, Ettiswil, Fischbach, Gettnau, Grossdietwil, Hergiswil, Luthern, Menznau, Ufhusen, Willisau und Zell.