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DROGEN: «Die Sucht existiert, wenn auch versteckt»

Dem Verein Akzent Prävention und Suchttherapie fehlt es zum 40-Jahr-Jubiläum nicht an Herausforderungen: Er kämpft unter anderem mit der Auslastung und dem Nein des Kantons Luzern zu einer geplanten Fusion.
Stephan Santschi
Die Behandlung von Drogenabhängigen braucht bis zu einem Jahr Zeit. Im Bild ist Heroin zu sehen. (Symbolbild: Getty)

Die Behandlung von Drogenabhängigen braucht bis zu einem Jahr Zeit. Im Bild ist Heroin zu sehen. (Symbolbild: Getty)

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

«Ich bin sehr enttäuscht, wir haben viel Zeit und Herzblut investiert und waren überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein», sagt Rolf Fischer, der Geschäfts­führer des Vereins Akzent Prävention und Suchttherapie. Und Präsident René Meier hält fest: «Schade, wir hätten Synergien nutzen und eine Organisation positionieren können, die sich ganzheitlich mit der Sucht beschäftigt. Und nicht zwischen legalen und illegalen Drogen unterscheidet.» Angesprochen ist die gescheiterte organisatorische Zusammenlegung von zwei sozialen Institutionen, die sich im Suchtbereich engagieren.

Auf der einen Seite steht der Verein Akzent Prävention und Suchttherapie, der sich unter anderem mit einem stationären Angebot jenen Menschen widmet, die illegale Drogen konsumieren. Auf der anderen Seite befindet sich das Sozialberatungszentrum Luzern (SoBZ), das den Fokus auf legale Suchtformen wie Alkohol, Tabak oder Medikamente legt. Mit dem Bündeln der Kräfte hätte ein einziges Kompetenzzentrum im Kanton Luzern entstehen sollen. «Heute gibt es zu viele Ansprechpartner, oft weiss der Betroffene nicht, wo er anklopfen muss. Wünschenswert wäre eine konkrete Anlaufstelle, die als Triage fungiert und die Anliegen an die zuständigen Stellen weiterleitet», erklärt Fischer. Beide Institutionen sind von den kantonalen Sparmassnahmen betroffen und in finanzielle Bedrängnis geraten.

Kanton mit «rechtlichen und politischen Bedenken»

Obwohl die im Frühjahr in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie (wir berichteten) den Schluss zog, dass eine Fusion Sinn ergeben würde, wird es nicht dazu kommen. Das Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons hat sein Veto eingelegt – «wegen rechtlicher und politischer Bedenken», wie René Meier sagt. Einerseits hätte die neue Organisation ein derart grosses Volumen erhalten, dass man das Projekt gemäss Aussagen des Departements hätte öffentlich aus­schreiben müssen. Andererseits scheine der Kanton schlechte Erfahrungen mit Leistungsaufträgen an Vereine gemacht zu haben. «Auch von den Synergien war man nicht so überzeugt wie wir», bedauert Meier. Den Entscheid aber müsse man akzeptieren.

Muss sich Akzent, das bis 2012 Drogenforum Innerschweiz hiess, ausgerechnet im Anschluss an die Feierlichkeiten zum 40-Jahr-Jubiläum mit dem Abbau von Stellen beschäftigen? «Dieses Damoklesschwert schwebt schon länger über uns. Wir werden uns strategisch neu ausrichten, um im Juni an der Generalversammlung die Ergebnisse präsentieren zu können», sagt Meier. Aktuell teilen sich 50 Personen 30 Stellen. Um diese zu wahren, müsse «die Auslastung der stationären Einrichtung erhöht werden – von 70 auf über 80 Prozent». Daneben prüfe man neue Angebote. Ein Pflegeheim für Süchtige beispielsweise, «weil viele Abhängige allmählich in dieses Alter kommen und die Altersheime vor grosse Herausforderungen stellen». Auch eine Beratungsstelle, die dem Klienten einen kontrollierten Umgang mit der Sucht ermöglicht, sei eine Option.

Bereitschaft für lange Therapien sinkt

Die Arbeit in der Suchttherapie sei komplizierter und teurer geworden. «Wir treffen zunehmend auf Menschen mit komorbiden Störungen», berichtet Akzent-Geschäftsführer Rolf Fischer. Das heisst: Es kommt zu Mehrfachdiagnosen. «Jemand leidet an einer psychischen Grunderkrankung oder kommt mit dem Druck im Alltag nicht mehr zurecht. Dann greift er nicht wie früher nur zu einem Suchtmittel, sondern er konsumiert mehrere davon.»

Dies sei der Grund, weshalb die Patienten im Haus Lehn in Obernau «in einem immer schlechteren Zustand eintreffen. Die Behandlung braucht so mehr Zeit, bis zu einem Jahr.» Doch immer weniger Leute sind bereit, sich so lange in Therapie zu begeben. Im Durchschnitt seien rund 70 Prozent der 15 Plätze in Obernau belegt, ebenso wie in der zweiten Einrichtung im Therapiezentrum Ausserhofmatt (10 Plätze) in Malters. Wichtig: Akzent führt keine medizinischen Entzüge durch, das geschieht vorgängig in einer Klinik. Vielmehr beschäftigt man sich mit sozialtherapeutischen Massnahmen zur Wiedereingliederung. Fischer erklärt abschliessend: «In der Gesellschaft befinden sich Drogen derzeit nicht weit oben auf dem Sorgenbarometer. Die Suchtproblematik aber existiert weiterhin, wenn auch versteckt.»

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