Drogenhandel an Luzerner Schulen fordert zwei Todesopfer

Der Fall hat die Luzerner Kriminalpolizei den ganzen vergangenen Sommer beschäftigt: Drogenhandel an Luzerner Schulen. Nun stellt sich heraus: Dabei kamen zwei Jugendliche ums Leben.

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«Benzos» (Beruhigungsmittel), Hustentropfen und weitere Tabletten wurden im vergangenen Sommer von der Luzerner Polizei sichergestellt.

«Benzos» (Beruhigungsmittel), Hustentropfen und weitere Tabletten wurden im vergangenen Sommer von der Luzerner Polizei sichergestellt.

Bild: Luzerner Polizei

(stg) Im Sommer 2019 wurde publik, dass die Luzerner Kriminalpolizei einen Drogenring, bestehend aus rund 50 Jugendlichen aufgedeckt hat. Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren, Lehrlinge, Oberstufenschüler und Gymnasiasten hätten sich im Internet (Darknet) rezeptpflichtige Substanzen und illegale Drogen bestellt, sie im grösseren Stil konsumiert und weiterverkauft – und dabei gleich mehrere Gesetze gebrochen.

Wie die «NZZ» berichtet, hat die Drogendealerei zwei Todesopfer gefordert. Dies sei in der damaligen Medienmitteilung vom September 2019 jedoch von den Behörden nicht publik gemacht worden – obwohl die Jugendlichen zu diesem Zeitpunkt bereits gestorben waren. Eine Überdosis sei ihnen gemäss «NZZ» zum Verhängnis geworden. Einer der Jugendlichen war erst 18, als er bereits im Dezember 2018 innert kurzer Zeit an einem Mischkonsum, also einem Cocktail aus verschreibungspflichtigen Medikamenten und anderen Substanzen, verstarb. Er habe Alkohol mit verschreibungspflichtigen Medikamenten gemischt, wahrscheinlich Xanax. Über den ersten Jugendlichen sei wenig bekannt, sein Tod lasse sich nur aus Erzählungen rekonstruieren: Er starb in seinem Zimmer.

So schädlich sind diese Drogen

(kuy) Amphetamin, in der Drogenszene als auch Speed bekannt, stimuliert das zentrale Nervensystem und führt zu einer Freisetzung der körpereigenen «Leistungsdrogen» Noradrenalin, Adrenalin und Dopamin. Der Organismus wird in eine Art Stresszustand versetzt, der sonst nur in Gefahrensituationen eintritt. Puls und Blutdruck steigen an, die Körpertemperatur erhöht sich, Bedürfnisse nach Schlaf und Essen sowie das Schmerzempfinden werden reduziert. Es können sich Gefühle erhöhter Leistungsfähigkeit und Euphorie einstellen, aber auch starke Unruhe, paranoide Gedanken und depressive Verstimmung. Es kann sich rasch eine Abhängigkeit mit psychischen Symptomen einstellen. Der Konsum über längere Zeit zehrt den Körper aus und kann zu Organ- und Herzschäden führen.

Ecstasy ruft stimulierende und leicht halluzinogene Wirkungen hervor, Gefühle können intensiver wahrgenommen werden. Im Körper bewirkt die synthetische Droge einen erhöhten Puls und Blutdruck, erweiterte Pupillen, Kieferkrämpfe und bei Eintreten der Wirkung häufig Übelkeit. Die Körpertemperatur steigt teils stark an. Bei Überdosierung sind Krampfanfälle, ein Kreislaufkollaps sowie Leber- und Nierenversagen möglich. Auf psychischer Ebene können sich Glücksgefühle und eine subjektiv erlebte Steigerung des Einfühlungsvermögens und der Offenheit anderen gegenüber einstellen. Andererseits können negative Emotionen wie Trauer und Angst verstärkt werden und Desorientierung, Halluzinationen und Panikattacken auftreten.

Marihuana, umgangssprachlich Gras, ist ein Rauschmittel. Gewisse Sorten wirken eher beruhigend, andere leicht halluzinogen. Der Wirkungseintritt beim Rauchen tritt meist innerhalb weniger Minuten ein, bei oraler Einnahme ist die Wirkung verzögert und tritt aber häufig sehr plötzlich ein und hält länger an. Dabei hängen die psychischen Wirkungen sehr stark von der jeweiligen Grundstimmung der konsumierenden Person sowie von der Situation und Umgebung des Konsums ab. Als akute körperliche Wirkungen können u. a. ein erhöhter Blutdruck, eine leichte Steigerung der Herzfrequenz, Augenrötung und Übelkeit auftreten. Zu den akuten psychischen Wirkungen gehört eine deutliche Anhebung der Stimmungslage.

Hinweis:
Weitere Informationen finden Sie unter www.safezone.ch.

Die Luzerner Polizei beschlagnahmte damals bei den Jugendlichen mehrere verschiedene rezeptpflichtige Medikamente.

Die Luzerner Polizei beschlagnahmte damals bei den Jugendlichen mehrere verschiedene rezeptpflichtige Medikamente.

Bild: Luzerner Polizei

Nun sind weitere Details zum Fall bekannt geworden: Jürg Wobmann, Chef der Luzerner Kriminalpolizei, habe das Ausmass des Netzwerks überrascht, wie dreist und ausgeklügelt die Jugendlichen vorgingen: Sie hätten die Drogen und verschreibungspflichtigen Substanzen in eines dieser Postfächer, die 24 Stunden zugänglich sind und keinen Schalter in der Nähe haben, bestellt. Gemietet hätten die Jugendlichen die Postfächer auf Namen von Fremden.

Kriminelle Energie stand nicht im Vordergrund

Die einzelnen Vergehen der Jugendlichen blieben erst unter dem Radar: Die Drogen seien gemäss Wobmann zu wenig hart, der Ermittlungsaufwand ist gross, die ausgesprochenen Strafen gering. Aber dann landeten die Pakete in den Briefkästen überraschter Luzerner, und es gab zwei Todesfälle. «Durch diesen Mischkonsum und die möglichen gesundheitlichen Folgen für die Jugendlichen erhielt der Fall ein Gewicht, obwohl die Jugendlichen vornehmlich mit leichteren Betäubungsmitteln handelten», sagt Wobmann gegenüber der NZZ. Die kriminelle Energie sei bei den Jugendlichen nicht im Vordergrund gestanden, eher habe sie das schnell verdiente Geld oder der Nervenkitzel gelockt.

Mehrere Polizisten ermittelten in den Fällen, aber irgendwann hätten sie einen Abschluss finden müssen – die Ressourcen seien knapp, und die Polizei müsse diese für schwerere Drogenfälle einsetzen. Man hätte endlos ermitteln können, wird Wobmann in der NZZ zitiert.

In den vergangenen Wochen seien im Kanton Luzern laut «NZZ» erneut zwei junge Männer gestorben, einer 17 Jahre alt, einer 20. Die Obduktion stehe noch aus. Bei beiden habe die Polizei den Verdacht, dass der Tod aufgrund einer Überdosierung von Medikamenten, gemischt mit anderen Substanzen, eintrat.

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