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Luzern: Vier Jahre Gefängnis für einen Drogenkurier

Er hat 10 Kilo Kokain für einen internationalen Drogenring nach Luzern geschmuggelt. Dafür verurteilt das Kriminalgericht einen 48-Jährigen zu über vier Jahren Gefängnis. Eine Geschichte wie im Roman.
Kilian Küttel

«Als ich mit fünf Kilogramm reinen Kokains durch die automatischen Schiebetüren der Abflughalle des Flughafens El Alto in La Paz ging, erwartete mich eine böse Überraschung. Überall war Polizei. Ein Teil der Beamten waren normale Polizisten in grüner Uniform, aber da waren auch viele Männer in den blauen Uniformen der FELCN, der bolivianischen Drogenpolizei. Kaum hatte ich den Terminal betreten, hoben sie alle den Kopf. Es war, als hätten sie schon auf mich gewartet.»

Dies sind die ersten Zeilen von «Marschpulver», einem Roman des englischen Bestseller-Autors Rusty Young. Eine wahre Geschichte über einen englischen Drogenkurier, der fast fünf Jahre in einem bolivianischen Gefängnis sass, wo er kaum vorstellbare Dinge erlebte. Eine Geschichte von Kokain, Liebe und Schmuggel. Eine Geschichte, ähnlich wie sie sich Mitte der 2000er-Jahre in Europa abspielte: in Deutschland, in Amsterdam. Und im Kanton Luzern.

Vom 1. Januar 2005 bis zum 19. Dezember 2007 bringt ein deutsch-englischer Doppelbürger 10 Kilogramm Kokain über die deutsche Grenze in die Schweiz. 30'000 Euro verdient der gebürtige Nigerianer mit seinen Touren. Den Stoff bringt er in ein Luzerner Dorf, zu seinem Neffen. Dieser ist der Bandenchef eines internationalen Drogenrings, der das Rauschgift aus Deutschland und Amsterdam bezieht. Auch die damalige Frau des Drogenbarons steckt mittendrin. Sie wird es sein, die mit ihren Aussagen den Untergang des Netzwerks besiegelt.

1,17 Kilogramm Kokain im Körper transportiert

Am 12. Juni 2018 erhebt die Luzerner Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Kurier: wegen mehrfacher Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen mehrfacher Geldwäscherei. Fünf Jahre Gefängnis und 2400 Franken Geldstrafe fordern die Strafverfolger. Sie stellen hauptsächlich auf den Aussagen der Ex-Frau des Bandenchefs ab. Am 14. Dezember 2018 fällt das Luzerner Kriminalgericht sein Urteil, seit heute ist es öffentlich – wenn auch nicht rechtskräftig, da die Verteidigung des mutmasslichen Schmugglers Berufung angemeldet hat. Das Kriminalgericht hat ihn wegen der angeklagten Delikte verurteilt: zu vier Jahren und zwei Monaten Gefängnis und 2700 Franken Geldstrafe. Die Freiheitsstrafe fällt zehn Monate tiefer aus, als die Staatsanwaltschaft verlangt hatte. Weil er sich in der Zeit von seiner Verhaftung bis zum Urteil gut verhalten habe.

Andere anerkennende Voten sind im 39-seitigen Urteil nicht zu finden. So hatte der Beschuldigte während der gesamten Untersuchung und auch vor Gericht behauptet, lediglich 500 Gramm Kokain in die Schweiz geschmuggelt zu haben. Er habe mit den Botengängen Schulden bei seinem Neffen zurückzahlen wollen. Lediglich einmal sei er in die Schweiz gereist. Ein zweites Mal habe er es versucht. Tatsächlich, einmal ist es nur beim Versuch geblieben: Am 5. März 2008 klicken in der deutschen Grenzstadt Emmerich am Rhein die Handschellen. Der Kurier wird festgenommen, von einem deutschen Gericht zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. In seinem Körper wurden 100 sogenannte Kokainfingerlinge gefunden, die der Mann geschluckt hatte. 1,17 Kilogramm Kokain. Auf diese Weise, bekannt als Bodypacking, wollte der Kurier den Stoff in den Kanton Luzern bringen. So, wie er es laut Gericht in den Jahren zuvor mindestens zehn Mal getan hatte. Die Drogen brachte er in die Wohnung seines Neffen, wo er jeweils eine Nacht blieb, wie dem Urteil zu entnehmen ist. Gemäss diesem sagte die Ex-Frau des Bandenchefs aus, der Kurier habe jeweils viel Milch getrunken und sei lange auf der Toilette gewesen.

Bandenchef muss für elf Jahre ins Gefängnis

Während der Untersuchung tat der Beschuldigte die Aussagen der Ex-Frau als Lügen ab. Von einer Dealerbande habe er keine Ahnung gehabt und die Drogen nur seiner Schulden wegen verschoben. Demgegenüber glaubte das Gericht den Ausführungen der Frau. Auch, als diese aussagte, dem Beschuldigten 400'000 Franken im deutschen Freiburg für neue Drogenlieferungen übergeben zu haben. Zudem hat der Beschuldigte sein Konto dem Drogenbaron zur Verfügung gestellt, auf das 18'500 Franken flossen. Für das Gericht war klar, dass er sich damit der Geldwäscherei schuldig gemacht hatte. Mit dem Geld kaufte der Kopf des Drogennetzwerks einen Lieferwagen. Bereits im Februar 2016 wurde dieser vom Luzerner Kantonsgericht verurteilt – zu elf Jahren Gefängnis.

Übrigens: Glaubt man dem Autor von «Marschpulver», nahm die Geschichte des englischen Drogenkuriers folgendes Ende: Nach knapp fünf Jahren wurde er aus der Haft entlassen, entsagte dem Kokainschmuggel und -handel und ging zurück nach England, bevor er in seine alte Heimat emigrierte: Nigeria.

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