Drohende Besetzung

Luzerner Stadtrat hält an Entscheid fest: «Familie Eichwäldli» muss Soldatenstube verlassen

Ein Erhalt der Soldatenstube sei weder wirtschaftlich noch denkmalpflegerisch verhältnismässig, findet die Stadtluzerner Exekutive.

Simon Mathis
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Die ehemalige Soldatenstube am Murmattweg 2.

Die ehemalige Soldatenstube am Murmattweg 2.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 24. November)

Der Luzerner Stadtrat will die Soldatenstube beim Eichwäldli abreissen und fordert die Bewohner des Gebäudes bis Ende Januar 2021 zur Räumung auf. Dieses Vorgehen sorgte von verschiedener Seite für Kritik. Die Bewohner, die sich «Familie Eichwäldli» nennen, wollen das Gebäude nach wie vor nicht verlassen. In einer Mitteilung reagiert die Exekutive nun auf die Vorwürfe. Der Stadtrat hält darin fest, dass er von seinem Entscheid nicht abrücken wird.

«Eine befristete Nutzung wäre mit Sofortmassnahmen zwar möglich», schreibt der Stadtrat. Dies käme jedoch nicht nur aus finanziellen Überlegungen nicht in Frage. Das Problem sei zudem, dass sich die «Familie Eichwäldli» trotz mehrmaliger Aufforderungen nicht bereit gezeigt habe, sich an die Abmachungen und Sicherheitsauflagen zu halten.

Bereits 2017 habe der Stadtrat festgehalten, das Areal einer quartiernahen Nutzung für KMU, Kleingewerbe und Kultur zuzuführen. Das Gebiet soll ab Frühling 2021 für die Quartierbevölkerung belebt werden. Geplant sei, im Januar einen runden Tisch mit allen Beteiligten durchzuführen, um «den partizipativen Prozess zu intensivieren». Einen solchen Prozess hat der Verein Brache Eichwäldli in einem offenen Brief gefordert.

Historischer Wert der Bausubstanz sei gering

«Der Stadtrat ist gegenüber alternativen Lebensformen offen und respektiert sie», heisst es in der Mitteilung. Eine Sanierung des Gebäudes sei jedoch weder wirtschaftlich noch denkmalpflegerisch verhältnismässig. Besonders die Tragfähigkeit des Gebäudes sei stark beeinträchtigt. Zudem befinde es sich in einem energetisch und technisch schlechtem Zustand, der Brandschutz sei mangelhaft. Zwar sei die Soldatenstube im Bauinventar des Kantons Luzern als erhaltenswert eingetragen. «Da sie aber mehrfach umgebaut wurde, hat die kantonale Denkmalpflege festgestellt, dass der historische Wert der heutigen Substanz klein ist», schreibt der Stadtrat.

Nur schon ein befristeter Erhalt der Soldatenstube mache Sofortmassnahmen nötig, die alleine im Bereich Statik zwischen 200'000 und 300'000 Franken kosten würden, so der Stadtrat. Deshalb komme auch ein befristeter Erhalt nicht in Frage. «Die Stadt haftet als Eigentümerin, falls Personen im Haus zu Schaden kommen», erläutert die Exekutive. Aus privatrechtlicher und öffentlich-rechtlicher Sicht könne es sich der Stadtrat daher nicht leisten, das Gebäude weiterhin der «Familie Eichwäldli» zu überlassen.