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Droht der Lokalzeitung das baldige Ende?

Der Wochenzeitung «Die Region» steht finanziell das Wasser bis zum Hals. Die Frage ist, ob die Investoren nochmals Geld einschiessen.
Investiert Von-Roll nochmals? Von-Roll-Chef Jürg Brand schliesst eine weitere Investition nicht aus. (Bild: Remo Naegeli / Neue LZ)

Investiert Von-Roll nochmals? Von-Roll-Chef Jürg Brand schliesst eine weitere Investition nicht aus. (Bild: Remo Naegeli / Neue LZ)

Die Zeichen stehen auf Sturm. Noch ist gestern zwar eine weitere Ausgabe der Wochenzeitung «Die Region» in die Briefkästen der Abonnenten gelangt. Doch wie es weitergeht, ist unklar. Redaktionsleiter Guido Gallati sagt auf Anfrage unserer Zeitung: «Die Mitarbeiter haben bis dato weder die Dezemberlöhne noch den vertraglich zugesicherten 13. Monatslohn noch die im Jahr 2012 angefallenen Überzeiten ausbezahlt erhalten.»
Offenbar hat das Unternehmen auch Mühe, laufende Rechnungen zu bezahlen. Gallati: «Die Post und das Druckzentrum fordern ultimativ die Begleichung ihrer Ausstände.» Unter diesen Umständen gehe er «eigentlich nicht davon aus, dass eine reguläre Zeitungsproduktion in der kommenden Woche noch zu gewährleisten ist», sagt Gallati.

Harter Strukturwandel

Mit der «Region» droht eine renommierte Lokalzeitung mit über 90-jähriger Geschichte von der Bildfläche zu verschwinden. Dass die «Region» schon bisher finanziell nicht auf Rosen gebettet war, wussten Insider. Die Situation hat sich aber in letzter Zeit verschärft, nicht zuletzt durch den allgemein verstärkten Strukturwandel der Medienbranche. Gemäss Guido Gallati, der 2005 als Redaktor bei der «Region» angestellt wurde und seit Anfang 2012 deren Redaktionsleiter ist, gingen die Abonnentenzahlen in den letzten Jahren kontinuierlich zurück – von 6000 im Jahr 2008 auf heute noch etwa 3500. Gallati betont: «Wir haben heute 1000 Abonnenten zu wenig, um zu überleben.»

Zusätzlich ist die «Region» durch einen Schicksalsschlag getroffen worden. Der vorherige Redaktionsleiter Peter A. Meyer, der die «Region» im April 2011 den LZ Medien abkaufte und danach auch als «Region»-Verleger wirkte, ist vor zwei Monaten verstorben. Alleinige Verwaltungsrätin der von Meyer gegründeten Regiomedia AG Emmenbrücke ist nun seine Witwe Anna Maria Michel Meyer, eine Juristin. Sie müsse sich zuerst einen Überblick verschaffen, bevor sie sagen könne, wie es mit der «Region» weitergehe, sagte sie auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Herausforderungen, die auf die neue Verwaltungsratspräsidentin warten, sind riesig. Die Regiomedia AG war mit einem Aktienkapital von 100 000 Franken gestartet. Einen namhaften Teil dazu trug die Eisengiesserei Von Roll infratec in Emmenbrücke bei. Im April 2012 erfolgte eine Kapitalaufstockung um weitere 80 000 Franken – erneut war die Von Roll beteiligt. «Das reicht aber noch lange nicht», sagt Guido Gallati. «Mindestens 250 000 Franken zusätzliches Kapital sind nötig, damit der Zeitungsbetrieb weitergehen kann.»

Investiert Von Roll nochmals?

Wie beurteilt man bei der Investorin Von Roll die Situation? «Es braucht eine zweite Stimme im Kanton Luzern; diese These des leider verstorbenen Peter A. Meyer leuchtet ein und war für Von Roll Motivation, das Projekt ‹Die Region› zu unterstützen», sagt Von-Roll-Chef Jürg Brand. Und: «Soweit ich abschätzen kann, sind die finanziellen Probleme wesentlich auf eine überhöhte Kostenstruktur zurückzuführen und nicht auf mangelnden Erfolg bei der Leserschaft oder im Inserateteil.»

Wenn sich diese Beurteilung bestätige «und es gelingt, eine noch bessere Zeitung mit ausgeglichenem Budget herzustellen», werde sich Von Roll weiter engagieren, betont Brand. Ob das im Rahmen der «Region» oder im Rahmen eines neuen Projekts ist, müsse sich allerdings «noch ergeben».

Kürzlich musste die «Region» einen weiteren Rückschlag einstecken. Aus Spargründen schaltet die Gemeinde Emmen in ihrem Info-Magazin «emmenmail» nämlich im neuen Jahr auch kommerzielle Inserate. Das könnte sich negativ auf den Inserate-Ertrag der «Region» auswirken.

Zurzeit sechs Personen angestellt

Umso wichtiger sei es, die redaktionellen Inhalte aufzuwerten, sagt Redaktionsleiter Gallati. Dazu brauche es aber dringend mehr journalistisches Personal – ein fast schon hoffnungsloser Hilferuf angesichts der Finanzlage. Zurzeit sind in der Redaktion der «Region» sechs Personen mit insgesamt 300 Stellenprozenten angestellt.

Hugo Bischof / Neue LZ

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