Düstere Aussichten für den Chilbi-Herbst im Kanton Luzern

Im Herbst finden im Kanton Luzern voraussichtlich kaum Chilbis statt, da die Schutzkonzepte nicht umsetzbar seien. Das trifft vor allem die Vereine.

Fabienne Mühlemann
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Ein Kind beim Sandkissen-Werfen an der Chilbi Grosswangen.

Ein Kind beim Sandkissen-Werfen an der Chilbi Grosswangen.

Bild: Philipp Schmidli (Grosswangen, 8. Oktober 2017)

Fast jede Gemeinde im Kanton Luzern veranstaltet einmal im Jahr eine Chilbi – einige sind grösser, andere kleiner. Es ist ein Treffpunkt für das ganze Dorf, wo man alte Bekannte wiedersieht und Jung und Alt miteinander feiern. Doch wie andere Veranstaltungen können auch Chilbis wegen Covid-19 kaum durchgeführt werden. So hat zum Beispiel Reiden die Chilbi vom 28. bis 31. August bereits Mitte Mai abgesagt.

Kürzlich wurde bekannt, dass auch Sursee ihre «Soorser Änderig» nicht durchführt. Auf Anfrage führt Marcel Büeler, Bereichsleiter Öffentliche Sicherheit bei der Stadt Sursee, den Entscheid aus: «Pro Sektor dürfen sich nach den neuesten Bestimmungen des Kantons nur 100 Personen aufhalten. Es ist jedoch nicht möglich, das Städtli in Sektoren einzuteilen und die Personalien von allen aufzunehmen.» Als Alternative zum Grossanlass, der vom 4. bis am 6. September hätte stattfinden sollen, hat der Stadtrat zunächst einen Anlass im kleinen Rahmen geprüft. «Da an diesem Wochenende drei neue Stadträte ihre Arbeit aufnehmen werden, und der Ursprung der ‹Soorser Änderig› der Termin ist, an dem bis 1798 der Kleine und Grosse Rat der Stadt Sursee neu gewählt und bestätigt wurden, wollte man dies trotzdem in irgendeiner Form feiern.» Als die Obergrenze am 17. Juli im Kanton Luzern von 300 auf 100 heruntergesetzt worden sei, musste aber auch diese Idee verworfen werden, so Büeler. Die Schausteller und Vereine sowie der Stadtrat würden den Entscheid bedauern, verstünden aber die Absage.

Vereine haben das Nachsehen

Am Mittwoch gab auch der Gemeinderat von Schötz bekannt, dass ihre Chilbi vom 25.- 27. September – welche jeweils über 1000 Personen anlockt – nicht stattfinden wird. Gemeindepräsidentin Regula Lötscher: «Wir haben mit dem Entscheid in Absprache mit den Vereinen lange zugewartet, aber wegen der 100-Personen-Begrenzung ist eine Durchführung leider nicht möglich. Und eine Chilbi sollte lebhaft und fröhlich sein – da passt eine Schutzmaske nicht dazu.»

Für Vereine ist die Chilbi jeweils ein toller Anlass, um im Dorf präsent zu sein und gleichzeitig existiert die Chilbi wegen der Vereine. Doch diese haben durch die Absagen das Nachsehen und müssen mit finanziellen Verlusten rechnen, da der Anlass jeweils eine wichtige Einnahmequelle darstellt. «Die Vereine in Schötz werden die Absage finanziell spüren. Aber dass einige daher ums Überleben kämpfen müssen, glaube ich eher nicht», sagt Lötscher. So habe zum Beispiel das Turnfest nicht stattgefunden, bei dem es jeweils viele Ausgaben gäbe. Auch den Schulen, welche an der Chilbi viele Stände haben, werde die Absage wehtun. «Diese brauchen nun weitere Ideen, wie sie das Geld erwirtschaften wollen», so Lötscher.

Die Chilbi in Grosswangen vom 11. bis 13. Oktober findet ebenfalls nicht statt. «Die Unsicherheit betreffend der Massnahmen und Regeln, welche von Bund und Kanton gefordert sind und vielleicht noch gefordert werden, veranlassten den Gemeinderat, diesen Entscheid frühzeitig bekanntzugeben», sagt Gemeinderätin Monika Meier auf Anfrage. Das Erfassen der Besucher oder die Abstandsregelung können an einem solchen Anlass nicht eingehalten werden. Eine Alternative wie in Sursee wurde nicht geprüft, «da ein Schutzkonzept für eine Dorfchilbi mit einem riesigen Aufwand verbunden und fast nicht umsetzbar wäre».

Und was bedeutet die Absage für die Gemeinde selber? «Die Chilbi ist natürlich ein wichtiger Treffpunkt für Jung und Alt, welcher in den letzten Jahren sehr an Bedeutung zugenommen hat. Ein Sonntagabend im Chalofenzelt ist beinahe legendär», so Meier. Auch treffe man auf viele ehemalige Grosswangerinnen und Grosswanger und ganze Familien, die den Sonntag an der Chilbi verbringen und die Vereine an den Ständen und im Zelt unterstützen. Meier: «Wir hoffen daher auf grosses Verständnis und freuen uns auf die Chilbi 2021.»

Entscheide stehen noch aus

Noch sind nicht alle Chilbis abgesagt, doch die Aussichten sind nicht gerade rosig. Jene in Willisau füllt jeweils das ganze Städtli, in diesem Jahr wäre das vom 17. bis 19. Oktober der Fall. Wie Stadtschreiber Peter Kneubühler auf Anfrage sagt, werde man Ende August einen definitiven Entscheid bezüglich Durchführung fällen. Doch es sehe aufgrund der aktuellen Coronasituation nicht danach aus als ob sie stattfinden könne. «Den Chilbimarkt am Montag möchten wir jedoch, wenn möglich, mit einem Schutzkonzept durchführen», sagt Kneubühler. Auch die Klosterchilbi in St. Urban lockt jedes Jahr bis zu 20'000 Besucher an. Aufgrund der aktuellen Lage rund um das Coronavirus ist noch nicht bekannt, ob und in welcher Form die diesjährige Klosterchilbi stattfinden kann, heisst es hier auf Anfrage.

Weitere Chilbis finden nicht statt

Zahlreiche Chilbis auf dem Land wurden aufgrund der Coronapandemie bereits abgesagt. So findet zum Beispiel die Chilbi in Ebikon dieses Jahr nicht statt. Die Dorfchilbi von Sörenberg wurde ebenfalls abgesagt. Auch das Chilbi-OK von Ettiswil hat entschieden, dass der Anlass vom 21. bis 23. August nicht stattfinden wird. Ebenfalls abgesagt wurde die Hiltbrunner Chilbi in Altbüron. Diese hätte am Samstag, 5. September, und Sonntag, 6. September, durchgeführt werden sollen. Abgesagt wurde aufgrund der Coronasituation auch die Chilbi von Malters am 15. bis 17. August. Der Warenmarkt am 17. August findet allerdings unter Einhaltung der Schutzkonzepte statt. (sb/fmü)