MEgaprojekt
Mit dem Durchgangsbahnhof soll Luzern zwei zusätzliche Bahnhofplätze erhalten

Zwei weitere Bahnhofplätze und Busstationen sowie neue Verbindungen über und unter den Gleisen: Das sind erste Erkenntnisse aus der Testplanung der Stadt Luzern zum Durchgangsbahnhof.

Roman Hodel
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Mit dem geplanten Durchgangsbahnhof soll die Region Luzern ab zirka 2040 schnellere Zugverbindungen in die ganze Schweiz und ein leistungsfähigeres S-Bahn-Netz erhalten. Das Personenaufkommen dürfte im Raum Bahnhof um rund 50 Prozent ansteigen. Klar ist: Mit der heutigen Infrastruktur ist dies nicht zu bewältigen. Deshalb hat die Stadt Luzern eine Testplanung mit drei interdisziplinären Teams durchgeführt: Güller Güller, Van de Wetering und Yellow Z. Nun liegen die Ergebnisse vor.

«Es handelt sich nicht um ein Siegerprojekt, sondern um Empfehlungen und daraus resultierende Grundsätze des Begleitgremiums», stellte Baudirektorin Manuela Jost (GLP) an der Medienkonferenz am Montag klar. Diese seien wichtig für die weitere Diskussion etwa mit der Bevölkerung.

Das sind die sieben Grundsätze:

  • Einbindung. Der Durchgangsbahnhof kann seine Wirkung für die Region voll entfalten, wenn er optimal in das Fernverkehrsnetz und in ein ausgebautes regionales Bahn- und Bussystem eingebunden ist.
  • Drehscheibe für alle Verkehrsmittel. Dem Bus-, Velo- und Fussverkehr soll der notwendige Raum für ein attraktives Fortbewegen und Umsteigen eingeräumt werden. Ziel ist aber auch, dass der Bahnhof, die Kultur- und Tourismusnutzungen für den Autoverkehr jederzeit erreichbar bleiben.
  • Zwei neue Bahnhofplätze. Sie sollen im Osten (Bürgenstrasse) und Westen (Zentral-/Habsburgstrasse) des Bahnhofs entstehen, den heutigen Bahnhofplatz Nord entlasten und das Bussystem weiterentwickeln. Zudem soll die Personenunterführung Süd ausgebaut werden.
  • Bahnhofplatz Nord. Er soll in seiner Rolle als Visitenkarte gestärkt werden. Der westliche Teil soll wie heute als Busstation funktionieren, der östliche Teil zu einem attraktiven Aufenthaltsraum werden.
  • Attraktiveres Tribschenquartier. Die Bürgenstrasse soll zur zentralen Erschliessungsachse für das ganze linke Seeufer vom und zum Bahnhofplatz Ost werden.
  • Zusätzlichen Fussgänger- und Veloverbindung. Damit sollen die trennende Wirkung der Gleisflächen reduziert und das Tribschen- und das Hirschmattquartier miteinander vernetzt werden. 
  • Umsetzung bald starten. Vorgezogene Massnahmen wie zum Beispiel ein angepasstes Bussystem sollen dafür sorgen, dass der Bahnhof auch während der rund zehnjährigen Bauzeit des Durchgangsbahnhofes als Mobilitätsdrehscheibe funktioniert.

So stellt sich das Team Güller Güller den Bahnhofplatz West vor:

Visualisierung: Team Güller Güller, Atelier Brunecky, Zürich

Und so könnte der heutige Bahnhofplatz dereinst aussehen:

Visualisierung: Team Güller Güller, Atelier Brunecky, Zürich

Kanton kritisiert: Erreichbarkeit des Bahnhofs Luzern für alle Verkehrsteilnehmer noch zu wenig berücksichtigt

Dem Luzerner Regierungsrat wurde die von der Stadt Luzern in Auftrag gegebene Testplanung vorgestellt. «Aus Sicht des Kantons noch stärker einzufliessen hat der überregionale Blickwinkel auf die Mobilität», wird Baudirektor Fabian Peter (FDP) in einer Mitteilung vom Montag zitiert. Es sei dem Regierungsrat ein Anliegen, dass die Erreichbarkeit der grössten Mobilitätsdrehscheibe in der Zentralschweiz für alle Verkehrsteilnehmenden – Bahn, Bus, Auto, Taxi, Schiff, Velo, Fussgänger – gleichermassen sichergestellt werden könne. Dieser Aspekt komme aus Sicht des Kantons in der Testplanung noch zu kurz. Der Kanton wird zu den Resultaten im Rahmen der Mitwirkung Stellung nehmen und ausserdem eine Gesamtverkehrsstudie mit Fokus auf die kantonalen Mobilitätsbedürfnisse unter seinem Lead angehen. Damit soll unter Einbezug der Empfehlungen des Schlussberichts der Testplanung die zukünftige Entwicklung des Verkehrssystems geprüft werden. (hor)

Dem Begleitgremium gehörten neben der Stadt Luzern das Bundesamt für Verkehr (BAV), die SBB, die Kantone Luzern, Obwalden und Nidwalden, der Verkehrsverbund Luzern sowie die Zentralbahn an; zudem verschiedene Fachleute – etwa Architekten, Verkehrsingenieure und Soziologen. Im Gremium dabei war auch Deborah Arnold, Co-Leiterin Stadtplanung Luzern. Sie betonte: «So wie auf den Visualisierungen wird es kaum herauskommen, aber die Ideen sind vielversprechend.»

So könnte das Bahnhofsgebiet dereinst von der Langensandbrücke her aussehen:

Zu erkennen ist unter anderem ein Fussgänger-/Velosteg über die Gleise, rechts das künftige Rösslimatt-Quartier.

Zu erkennen ist unter anderem ein Fussgänger-/Velosteg über die Gleise, rechts das künftige Rösslimatt-Quartier.

Visualisierung: Team Güller Güller, Atelier Brunecky, Zürich

Hier mögliche Lösungsansätze etwas genauer betrachtet:

  • Busstationen. Statt wie heute nur eine, im Norden des Bahnhofs, soll es künftig auch im Osten sowie im Westen je eine Haltestelle geben. Als Buskorridore und -haltestellen dienten die Bürgen- und die Zentralstrasse. Auf letzterer müsste hierfür der Durchgangsverkehr reduziert werden. Gäbe es bei drei Busstationen rund um den Bahnhof aber nicht längere Umsteigezeiten für die Pendler? «Nicht unbedingt», sagte Arnold. «Künftig sind vor allem Durchmesserlinien geplant. Sie würden also nicht nur an einer Bahnhof-Haltestelle stoppen, sondern an mehreren. Die Pendler wählen dann jene, die für sie zum Umsteigen auf einen anderen Bus oder Zug am günstigsten ist.» 
  • Bahnhofplatz Ost. «Dieser hat grosses städtebauliches Potenzial durch frei werdende Gleisflächen», sagte Arnold. «Allerdings ist noch unklar, welche Gleise wirklich frei werden und wann.»
  • Bahnhofplatz West. Hier ist die Gestaltung begrenzt, weil das Hirschmattquartier gebaut ist. «Falls die Gleise 1 und 2 rückgebaut werden könnten, gäbe es aber auch hier Möglichkeiten», so Arnold.
  • Personenunterführung Süd. Diese muss wegen der erwarteten Pendlerströme künftig wesentlich grosszügiger sein – und laut Arnold «attraktiver». Ob darin auch Läden und Restaurants Platz finden werden, sei noch offen. «Wir forcieren sicher kein zweites Shoppingcenter am Bahnhof», sagte Arnold. Es müsse zudem geprüft werden, ob die Veloverbindung integriert werden könne oder ob diese separat, allenfalls sogar über die Gleise hinweg, geführt werden muss.

So stellt sich das Team Van de Wetering den künftigen Bahnhofplatz Richtung Pilatusstrasse vor:

Der bestehende Bahnhofplatz beim Hotel Monopol mit mehr Platz für Pendler?

Der bestehende Bahnhofplatz beim Hotel Monopol mit mehr Platz für Pendler?

Visualisierung: Team Van de Wetering

Renommiertes Büro plant beim Durchgangsbahnhof mit

Mit der Planung des eigentlichen Durchgangsbahnhofs (DBL) geht es voran: Vor Weihnachten wurden die Planerleistungen rechtskräftig vergeben, wie DBL-Gesamtprogrammleiter Massimo Guglielmetti am Montag sagte. Für die drei Abschnitte Dreilindentunnel, Tiefbahnhof und Neustadttunnel wurden je separate Planerteams verpflichtet. «Es sind je Abschnitte mit unterschiedlichen Ansprüchen und wir wollen jeweils die richtigen Leute», sagte Guglielmetti. Als Beispiel nannte er die Verpflichtung des renommierten Büros Ramboll aus Dänemark. Es baut mit dem 18 Kilometer langen Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Dänemark und Deutschland derzeit die weltweit längste Unterwasser-Verbindung für Autos und Züge. Unter den Planerteams sind aber auch diverse Büros aus der Zentralschweiz. Sie alle starten im März mit den Arbeiten am Vorprojekt. Voraussichtlich erst 2026 wird das eidgenössische Parlament über einen weiteren Ausbauschritt des schweizerischen Bahnsystems und damit über die definitive Realisierung des Durchgangsbahnhofs entscheiden. Guglielmetti betonte am Montag erneut, dass es sich beim DBL nicht bloss um ein Bahninfrastrukturprojekt handelt, «sondern es geht hier um die ganze Stadt Luzern».

Als Nächstes ist nun die Bevölkerung am Zug. Sie kann sich bis im April (digital) in die Diskussion einschalten. Die Resultate werden hernach in einem Mitwirkungsbericht zusammengefasst. Der Stadtrat wird seine Haltung ebenfalls erst definieren, wenn die Rückmeldungen aus der öffentlichen Diskussionsphase vorliegen. Alles zusammen fliesst in ein Entwicklungskonzept ein, welches das weitere Vorgehen aufzeigt. Es wird im Frühling 2022 dem Grossen Stadtrat vorgelegt.

Bevölkerung kann sich am Montagabend weiter informieren

Wer noch mehr Infos zur Testplanung und den Ergebnissen möchte: Am Montagabend vom 17.30 bis 19 Uhr findet digital eine Infoveranstaltung statt – und zwar hier. Es nehmen teil: Stadträtin Manuela Jost, Regierungsrat Fabian Peter, Anna Barbara Remund vom Bundesamt für Verkehr, die Projektverantwortlichen der Stadt Luzern und der SBB sowie Rainer Klostermann als Vorsitzender des Begleitgremiums. Die digitale Mitwirkung startet am 22. Februar ebenfalls auf www.dbl.stadtluzern.ch.

Hinweis: Die Ausstellung zu den Ergebnissen der Testplanung im Bahnhof Luzern (Ausstellungsfläche vor dem Coop) findet voraussichtlich ab März statt.