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Durchgangsbahnhof: Luzerner Stadtrat beantragt 3,16 Millionen für Planung

Dank des Jahrhundertprojekts wird mitten in Luzern eine Fläche so gross wie die Altstadt frei – eine einmalige Chance für die Stadt. Damit sie mit der Planung beginnen kann, sind 3,16 Millionen Franken nötig – der Grossteil davon für mehr Personal.
Roman Hodel
Einfahrt zum Bahnhof Luzern: Die Gleise in der rechten Bildhälfte werden dank des Durchgangsbahnhofs künftig nicht mehr benötigt. (Bild: Alexandra Wey/Keystone, Luzern 18. November 2018)

Einfahrt zum Bahnhof Luzern: Die Gleise in der rechten Bildhälfte werden dank des Durchgangsbahnhofs künftig nicht mehr benötigt. (Bild: Alexandra Wey/Keystone, Luzern 18. November 2018)

Häufigere, schnellere und direktere Verbindungen: Der Durchgangsbahnhof (DBL) unter dem heutigen Bahnhof Luzern bedeutet für den öffentlichen Verkehr in der ganzen Zentralschweiz voraussichtlich ab 2040 einen Quantensprung. Das Jahrhundertprojekt ist aber auch eine grosse Chance für die Entwicklung des Luzerner Stadtzentrums. Denn durch den DBL fallen diverse Abstell- und Serviceanlagen für die Züge weg, womit rund um den Bahnhof Gleisflächen von insgesamt der Grösse der Luzerner Altstadt frei werden (wir berichteten), wie diese Grafik zeigt:

Diese Chance will die Stadt Luzern nutzen. Als Ort für die Medienkonferenz am Dienstag diente nicht von ungefähr ein Sitzungszimmer im dritten Stock des UBS-Gebäudes am Bahnhofplatz. Von dort sieht man wunderbar auf den Bahnhof. Eigentlich. Ausgerechnet vor wenigen Tagen wurde das Gebäude eingerüstet. «Das hat uns zwar zuerst gestört – doch im Prinzip steht es sinnbildlich für die kommenden Jahre», sagte Baudirektorin Manuela Jost (GLP). «Es braucht für die schöne Sicht hier momentan genauso viel Vorstellungsvermögen wie für den künftigen Durchgangsbahnhof.» Denn auf die Stadt und die Bevölkerung komme einiges zu: Zehn Jahre Vorbereitung, zehn Jahre Bauphase mit provisorischen Einrichtungen. Oder wie Jost es ausdrückte:

«Gefragt sind Kreativität, Mut – und wir müssen auch ausserhalb der gängigen Muster denken.»

Diese drei Hauptfelder sieht die Stadt in dem Projekt:

  • Siedlung: Die Stadtentwicklung neu denken und mitprägen. Sechs Hektaren = acht Fussballfelder = die Grösse der Luzerner Altstadt werden frei und können neu bespielt werden.
  • Mobilität: Nachhaltige und zukunftsfähige Mobilitätslösungen. Beispiel S-Bahn-System: Die Stadt kann die Realisation zusätzlicher Haltestellen Ruopigen und Steghof vorantreiben.
  • Freiraum: Aufenthaltsqualität bieten. Es werden und müssen öffentliche Freiräume geschaffen werden – oder bestehende aufgewertet werden.

Um die Planung seitens Stadt starten zu können, beantragt der Stadtrat dem Grossen Stadtrat nun in einem Bericht und Antrag einen Sonderkredit über 3,16 Millionen Franken. Dieser wird am 24. Oktober im Stadtparlament behandelt. 970'000 Franken sind für die sogenannte Phase 1 vorgesehen. Weitere 150'000 Franken betreffen Beiträge der Stadt an das Gesamtprojekt. Der grosse Rest von 2,04 Millionen Franken ist gedacht für die befristete Aufstockung von je 100 Stellenprozent bei der federführenden Dienstabteilung Stadtplanung und bei der Dienstabteilung Tiefbauamt für sieben Jahre.

Der Stadtrat begründet den Stellenbedarf damit, dass zusätzliche personelle Ressourcen mit spezifischem Profil nötig sind, um die Planung des Projekts aufzugleisen und voranzutreiben. Das zeige der Austausch mit anderen Städten wie Winterthur, Zürich und Bern, welche ähnliche Herausforderungen im Umfeld ihrer Hauptbahnhöfe lösen. Deborah Arnold, Co-Leiterin Stadtplanung, sagte:

«Dank des relativ langen Zeitraums für befristete Stellen ist es möglich, gut qualifiziertes Personal zu rekrutieren.»

Der Stadtrat schreibt allerdings im Bericht und Antrag auch, dass die 200 Stellenprozent knapp bemessen seinen. Weitere notwendige personelle Ressourcen würden durch bestehende Stellenprozente gedeckt. Gemäss Arnold sei dies möglich, weil es Phasen mit mehr und mit weniger Arbeit gebe. Sie und Jost gehen nicht davon aus, dass der Stadtrat schon nach kurzer Zeit weitere Stellenprozente beantragen muss.

Ziel der Phase 1 ist es laut dem Bericht und Antrag unter anderem, dass die Stadt ab Frühling 2020 bis Ende 2021 im Rahmen einer Testplanung definiert, welche Funktion der Bahnhof und seine Umgebung künftig ausüben sollen. Auch wenn die voraussichtliche Inbetriebnahme erst 19 Jahre später geplant ist, müssen in den nächsten zwei Jahren also zentrale Fragen geklärt werden. Das sind die wichtigsten Punkte:

  • Mobilitätsdrehscheibe: Wie funktioniert sie? Wie bleibt das Umsteigen zwischen den verschiedenen öffentlichen Verkehrsmitteln am Bahnhof gewährleistet?
  • Visitenkarte: Der Bahnhof Luzern hat eine einmalige Lage direkt am See. Die Leute sollen sich hier wohlfühlen.
  • Verkehrssystem: Die Erreichbarkeit der Innenstadt muss für alle gewährleistet sein, das zusätzliche Mobilitätswachstum auf den bestehenden Flächen geschehen. Es gibt nicht mehr Platz.
  • Entflechtung: Neben dem Haupteingang des Bahnhofs braucht es eine bessere Anordnung der weiteren Zugänge.
  • Stadtentwicklung: Welche Chancen bestehen und wie können diese bestmöglich genutzt werden?
  • Bauphase: Wie kann diese stadtverträglich organisiert und wie können Provisorien möglichst vermieden werden?

Das von Fachleuten in mehreren Teams erarbeitete Zukunftsbild wird im Herbst 2020 in einem öffentlichen Mitwirkungsprozess diskutiert. Direktbetroffene, Vertreter aus Politik und Wirtschaft, Kinder und Jugendliche, Nachbargemeinden – die ganze interessierte Öffentlichkeit wird dazu aufgerufen, sich einzubringen. Die Resultate werden in einem Entwicklungskonzept zusammengefasst. Dieses wird zusammen mit dem weiteren Vorgehen Ende 2021 in Form eines Berichts und Antrags dem Grossen Stadtrat vorgelegt. «Der Zeitplan ist ambitioniert, das ist uns klar – doch sind wir getrieben vom Gesamtprojekt», sagte Arnold an der Medienkonferenz. «Denn würde man zentrale Fragen erst in einer späteren Phase klären, hätte dies dann Kosten zur Folge.»

Der Durchgangsbahnhof Luzern wird unter der Federführung des Bundesamts für Verkehr (BAV) vorangetrieben. Die Partner BAV, SBB, die Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden, Verkehrsverbund Luzern, Zentralbahn sowie Stadt Luzern haben im Juni 2019 einen Zusammenarbeitsvereinbarung unterzeichnet. Im ersten Halbjahr 2019 bestätigten National- und Ständerat überdies die Wichtigkeit des Projekts. Deshalb stehen für die weitere Projektierung des Ausbaus inklusive der intensiven Phase mit dem Bau- und Auflageprojekt in den Jahren 2023 bis 2026 insgesamt 85 Millionen Franken zur Verfügung.

Laut Massimo Guglielmetti, Programmleiter des Durchgangsbahnhofs Luzern bei den SBB, ist der DBL unabdingbar, weil der heutige Bahnhof nicht weiter ausgebaut werden kann:

«Der Weichenkopf am Eingang zum Bahnhof ist am kritischsten, er hat zu wenig Kapazität – Zugverbindungen sind deshalb nur in gewissen Zeitabständen möglich.»

Hinzu kämen die Engpässe mit dem nur zweigleisigen Gütschtunnel und der nur eingleisigen Rotseestrecke. «Das alles kombiniert mit dem erwarteten Anstieg der ÖV-Nutzer macht den Ausbau nötig», so Guglielmetti. Erwartet wird bis 2040 eine Verdoppelung der Anzahl Reisenden im Bahnhof Luzern auf täglich 180'000. Hinzu kommen rund 140'000 Shoppinggäste. Der DBL besteht einerseits aus dem Tiefbahnhof selber mit vier Gleisen und zwei breiten Mittelperrons. Vorbild ist laut Guglielmetti der Durchgangsbahnhof Löwenstrasse des Zürcher Hauptbahnhofs. Hinzu kommen die beiden Zu-/Wegfahrten: Der 3,5 Kilometer lange Tunnel nach Ebikon und der 1,8 Kilometer Richtung Heimbach/Gütsch.

Hinweis: Öffentliche Info-Veranstaltung zum DBL. Dienstag, 10. Dezember von 17.30 bis 18.30 Uhr bei der Hochschule Wirtschaft Luzern, Zentralstrasse 9 in Luzern. Es referieren Stadträtin Manuela Jost, Regierungsrat Fabian Peter sowie die Projektverantwortlichen von der Stadt und der SBB.

Rösslimatt: SBB in Abschlussverhandlungen

Was auf den frei werdenden Gleis-/Bahnhofsflächen entstehen soll, ist in den meisten Fällen noch völlig offen. Zumindest für die 1. Etappe der Rösslimatt (siehe Grafik) hat die SBB seit längerem ein grosses Bürogebäude geplant und es könnte unabhängig vom Bau des Durchgangsbahnhofs (DBL) realisiert werden. Und wie es aussieht, geht es da nun auch vorwärts: Wie der Stadtrat in seiner Antwort auf eine Interpellation von SP und Grünen schreibt, befindet sich die SBB nämlich in «Abschlussverhandlungen mit Mieterschaften». Dies bestätigt die SBB-Medienstelle auf Anfrage. Sie schreibt von «Vertragsverhandlungen mit einem Ankermieter». Weitere Informationen würde man zu gegebener Zeit liefern. Eigentlich hätte die 1. Etappe bereits 2018 gebaut werden sollen, doch die SBB tat sich bislang schwer, einen Ankermieter zu finden.

Die 2. Etappe der Rösslimatt hingegen wird wegen des DBL frühestens ab 2035 realisiert werden können. Dort wird der Fokus beim Wohnen liegen. Der Stadtrat schreibt in seiner Antwort ausserdem, dass er «zum heutigen Zeitpunkt» bei der SBB «einen Mindestanteil von einem Drittel gemeinnütziger Wohnfläche» fordern wird. Dies mit Blick auf das Initiativziel «Für zahlbaren Wohnraum». (hor)

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