«Durchs Jahr mit dem Winzer»: Neues Projekt beim Römerweg soll Interessierten die Arbeit der Winzer näher bringen

Sechs Informationstafeln zur Weinlese schmücken den Römerweg zwischen Eich und Schenkon, eine siebte ist fest geplant. Doch bis das dazugehörige Projekt realisiert werden kann, dauert es noch.

Ernesto Piazza
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Entlang des Römerweges am Eichberg befinden sich jetzt Informationstafeln für Wanderer und Velofahrer. Diese erklären jeweils direkt neben den Reben alles rund um die jeweilige Sorte. Auf dem Bild zu sehen sind Fritz Hüsler (links) und Winzer Mathias Brunner.

Entlang des Römerweges am Eichberg befinden sich jetzt Informationstafeln für Wanderer und Velofahrer. Diese erklären jeweils direkt neben den Reben alles rund um die jeweilige Sorte. Auf dem Bild zu sehen sind Fritz Hüsler (links) und Winzer Mathias Brunner.

Bild: Pius Amrein (Eich, 6. Oktober 2020)

Auch am Eichberg werden momentan emsig Trauben gelesen. Was 2006 eher zufällig begann und bereits ein Jahr später mit der Bepflanzung der ersten Reben seine Fortsetzung fand, ist mittlerweile ein rund sieben Hektaren grosses Weingut geworden. Über dem Sempachersee gelegen, wirft es pro Jahr einen Ertrag von ungefähr 50'000 Flaschen, aufgeteilt in Rot-, Weiss- und Schaumwein, ab. Das Weingut zu einer kleinen Erfolgsgeschichte gemacht, hat das Winzerehepaar Cristina und Mathias Brunner. Sie sind Pächter und Bewirtschafter des Guts.

Die beiden Landeigentümer Fritz Hüsler und Sepp Bättig hatten den richtigen Riecher, als sie vor 14 Jahren Ja sagten zur Umstellung des Bauernhofes Buechmatt von intensiver Landwirtschaft hin zu Rebbau und sich damals für den 30-jährigen Önologen – Önologie ist die Wein(bau)lehre – aus dem Seetal entschieden. Zwischenzeitlich ist die Brunner Weinmanufaktur eine der grössten Weinproduzenten im Kanton Luzern. Nebst dem Eichberg bewirtschaftet sie auch noch Flächen im Seetal und im Aargau.

Kelterei und Winzerhaus sind geplant

Nun ist die Erfolgsgeschichte ein Kapitel reicher. Die innovativen Verantwortlichen haben entlang des Römerwegs zwischen Eich und Schenkon, dort liegt das Weingut, auf einer Länge von rund eineinhalb Kilometern einige Weintafeln montiert. Es sei wohl eine glückliche Fügung gewesen, erklärt Hüsler, dass hier am Sempachersee Weinkultur entstanden sei. Denn bereits die Römer wussten, was schmeckt und hätten den Rebbau und damit den Wein in ganz Europa verbreitet.

Die vorerst sechs Informationstafeln unter dem Motto «durchs Jahr mit dem Winzer» sollen seine Arbeiten im Jahreszyklus dokumentieren. So werden die Tätigkeiten im Frühling, Sommer, Herbst und Winter abgebildet. «Unsere Idee ist, die Hunderten von Velofahrern, aber auch Wanderer und Spaziergänger, die den Römerweg jedes Jahr nutzen, zu einem kurzen Halt einzuladen und ihnen die hier über Jahre gewachsene Weinkultur oberhalb des Sempachersees zu erklären», sagt Brunner.

Als nächstes ist geplant, die einzelnen Traubensorten für die «Besucher» ebenfalls zu beschriften, ihre Eigenheiten und Vorzüge zu dokumentieren. Und dann fehlt noch die siebte Tafel. «Das Fundament hierfür ist schon längstens gelegt», sagen Hüsler und Brunner. Sie soll installiert werden, wenn das Weingut am Eichberg einen für den Betrieb äusserst wichtigen Schritt machen kann: Dann, wenn die vor Ort von den beiden Eigentümern geplante Kelterei und das Winzerhaus endlich grünes Licht zur Realisierung erhalten.

Baubewilligung für neues Projekt soll bald kommen

Fritz Hüsler.

Fritz Hüsler.

Bild: Pius Amrein (Eich, 6. Oktober 2020)

«Es ist bisher eine eigentliche Odyssee durch diverse Ämter gewesen», stellt der Schenkoner Fritz Hüsler etwas gereizt fest. Seit drei Jahren versuche man, mit den einsprechenden Umweltverbänden zu einer Einigung zu gelangen. «Wir haben unzählige Projektanpassungen vorgenommen, von der Standortverschiebung oder der Verkleinerung der Baukörper bis hin zur besseren Eingliederung in die Umgebung. «Vom ursprünglichen Weingutprojekt mit modernen Elementen bleibt kaum noch etwas übrig», erklärt Hüsler. Und weiter betont er: Das geplante Bauvorhaben sei lediglich ein Ersatz für landwirtschaftliche Gebäude, die auf der Liegenschaft über Jahrzehnte Bestand gehabt hätten.

Wie auch immer: Die beiden Eigentümer wollen am Projekt festhalten. «Wir hoffen, dass wir den Weg durch die Gerichte nicht in Anspruch nehmen müssen», so Fritz Hüsler. Er erwartet, dass die Gemeinde Eich in den nächsten Wochen über die Baubewilligung entscheidet. Wenn dem so ist, ist es das Ziel, das Bauvorhaben innert einem Jahr zu realisieren. Dieses würde auch Cristina und Mathias Brunner helfen, denn im Moment müssen sie die Trauben immer von Eich nach Hitzkirch transportieren, wo sie in einer alten Industriehalle die Vinifizierung, also die Weinbereitung, vornehmen.

Gute Prognosen für Jahrgang 2020

Mathias Brunner.

Mathias Brunner.

Bild: Pius Amrein (Eich, 6. Oktober 2020)

Vorerst werden am Eichberg aber kräftig weiter Trauben gelesen. Und die letzten, eher regnerischen Tage hätten sich nicht negativ auf die Qualität ausgewirkt, sagt Brunner. Dies vor allem, weil mit dem Regen eher kühlere Temperaturen einher gingen. «Wir sind zufrieden», erklärt der Winzer. Und das heisst auch: Die Ernte dürfte stimmen.

«Ich gehe davon aus, dass der Jahrgang 2020 am Eichberg erneut ein guter Tropfen wird.»