Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

E-SPORT: Wenn Real Madrid im Casino spielt

Im Grand Casino Luzern haben sich rund 130 Gamer die Finger wund gedrückt. Gespielt wurde Fussball – digital. Der sogenannte E-Sport gewinnt auch in der Schweiz an Popularität.
Gamer-Turnier «Fifa 18 Royal Cup - Playstation 4» im Panoramasaal des Grand Casino Luzern. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 22. Oktober 2017))

Gamer-Turnier «Fifa 18 Royal Cup - Playstation 4» im Panoramasaal des Grand Casino Luzern. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 22. Oktober 2017))

Am Sonntag kam es zu aussergewöhnlichen Begegnungen im Fussball. Real Madrid spielte gegen Real Madrid. Was sich unmöglich anhört, macht das Game Fifa wahr. So haben sich im Panoramasaal des Grand Casino Luzern rund 130 Gamer im Fifa 18 gemessen, das Ende September erschienen ist. Gespielt wurden nicht die im Fussball üblichen 90 Minuten. Die virtuelle Uhr auf der Playstation 4 dreht sich nämlich schneller als in der Realität, und so ist ein Spiel schon nach 12 Minuten zu Ende.

Viele junge Männer sind an den klirrenden Spielautomaten des Casinos vorbeigelaufen, ohne ihnen Beachtung zu schenken. Ihr Ziel war das Paradies jedes Fifa-Fans: rund 40 Fussballfelder auf Bildschirmen.

Für Zuschauer ist der Spielbereich abgesperrt, sodass die Gamer in ihrer Konzentration nicht gestört werden. Denn schon ein ungewollter Knopfdruck kann einen Spieler hier den Sieg kosten, und der Traum des Preisgelds ist geplatzt. Der Gewinner des gestrigen Turniers, ein gewisser Remo mit dem Online-Alias «cfomer», hat immerhin ganze 2000 Franken abgesahnt. Im Finale setzte er sich mit Manchester United 3:1 gegen Doni aus Zürich durch, der mit Real Madrid spielte. Um ins Finale zu kommen, mussten sich beide beachtlicher Konkurrenz stellen: «Es sind Spieler aus der ganzen Schweiz angereist», sagt Simon Steiger, Präsident des Luzerner Vereins Royal Cup und Veranstalter des Events.

Es ging jedoch nicht allen Teilnehmern um das Preisgeld. «Ich mache nur aus Spass mit», sagt ein 19-Jähriger auf Anfrage. Normalerweise spiele er gegen Freunde oder im Online-Modus gegen unbekannte Spieler auf der ganzen Welt. An diesem Turnier habe er die Möglichkeit, sich mit anderen Schweizer Gamern im direkten Duell zu messen. Auf die Frage, wie viele Stunden er wöchentlich Fifa «zocken» würde, antwortet er lächelnd: «Ziemlich viele.» Und was heisst das konkret? «Vier Stunden pro Tag.» Seine Freundin, die ihn auch hier als Zuschauerin unterstützt, schaue da auch öfters einmal zu, erzählt er. «Manchmal bin ich selbst überrascht, wie viele Spieler sie kennt.» Die Fifa-Gamer seien jedoch keine Stubenhocker. Sie begeistern sich auch im realen Leben für den Fussball und spielten häufig in einem Club, sagt Veranstalter Simon Steiger.

Nachfrage hat stark zugenommen

Der 2016 gegründete Verein Royal Cup veranstaltet den Event zum ersten Mal in diesem Umfang. «Wir haben schon drei Turniere im kleineren Rahmen durchgeführt.» Die Nachfrage nach solchen E-Sports-Veranstaltungen sei in der Schweiz stark zunehmend. Gerade der digitale Fussball geniesst eine enorme Popularität. «Aus diesen Gründen haben wir uns auf das Fussballgame Fifa konzentriert», sagt Steiger. Ist die Bilanz des ersten «grossen» Turniers positiv, so werde man weitere Events in Zusammenarbeit mit dem Casino ins Auge fassen. «Unser Ziel ist es, Spieler zusammenzubringen und so die Gamer-Gemeinschaft in der Schweiz zu stärken.»

Für eine starke Gemeinschaft braucht es natürlich auch Zuschauer. So konnte der gesamte Event auch im Internet über die Plattform «twitch.tv» live mitverfolgt werden. «Eigentlich bekommt der Zuschauer ein richtiges Fussballspiel samt Kommentator zu sehen», sagt Vereinsmitglied Stefan Baumberger.

Eine Kamera zeigte zudem die Emotionen der Spieler während der Matches. Die Kameras zeigten jedoch nur Männer zwischen 18 und 30 Jahren. Unter den Gamern im Casino konnte keine einzige Frau gefunden werden – obwohl die Türe offen sei: «Natürlich könnten aber auch Frauen an solchen Turnieren teilnehmen», sagt Baumberger.

Oliver Schneider

Rangliste:1. Remo «cfomer» Vicere, Kanton Luzern. 2. Musa «Doni__» Ramadan, Kanton Zürich. 3. Thomas «RONALDO72424» Becker, Kanton Bern.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.