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EBERSECKEN: Aus Schutt und Asche auferstanden

Ein verheerender Brand zerstörte das Lebenswerk der Familie Koller. Ein halbes Jahr später steht die Halle der Holzbaufirma bereits wieder – auch dank der Solidarität der Konkurrenten.
Christian Hodel
Oben: Junior-Chef Matthias Koller in der Halle der Koller Poly-Holzbau AG, die er in wenigen Monaten wieder vollständig in Betrieb nehmen wird.

Oben: Junior-Chef Matthias Koller in der Halle der Koller Poly-Holzbau AG, die er in wenigen Monaten wieder vollständig in Betrieb nehmen wird.

Feurig rot leuchtet der Himmel über dem Dorf. Schon Kilometer vor dem Ortseingang sind die Flammen zu sehen in dieser klaren Nacht. Der Mittwoch, 3. Februar, ist gerade mal zwei Stunden alt, als Matthias Koller (32) allmählich zu glauben beginnt, was sein Onkel wenige Minuten zuvor aufgeregt in den Telefonhörer schrie. «Die Halle brennt», sagte er. «Erzähle keinen Seich», antwortete Matthias Koller. «Doch, komm her!»

Der Junior-Chef der Koller Poly-Holzbau AG rennt zu seinem Auto. Gut neun Kilometer später überkommt ihn die Gewissheit: Das Lebenswerk seines Vaters – die 1996 erbaute Holzhalle – steht lichterloh in Flammen. «Zu retten gibt es nichts mehr», sagt einer der gut 100 Feuerwehrmänner, als der Jungunternehmer in Ebersecken ankommt. Wenig später treffen die Eltern ein – und können nichts anderes tun, als der Arbeit der Feuerwehr und den Flammen zuzusehen. Stunden später ist ihre Halle in Schutt und Asche. Keinen Lieferwagen, keine Holzsäge, keine Bohrmaschine, nicht mal einen Hammer hat das Feuer übrig gelassen in dieser Februarnacht.

Konkurrenten werden zu Unterstützern

Acht Monate sind seither vergangen – und die Halle steht bereits seit zwei Monaten wieder. Selbst Experten haben dar­über gestaunt, sagt Matthias Koller. Mindestens ein Jahr würde es dauern, bis die zwölf Arbeiter der Firma ihre Arbeit wieder aufnehmen können, habe einer nach dem Brand gesagt. «Für uns kam das nicht in Frage. Wir setzten alles daran, sofort wieder weiterzumachen.» Zwei Tage nach der verheerenden Brandnacht – nachdem Polizei und Feuerwehr das Gelände freigegeben hatten – begannen die Kollers mit dem Aufräumen und der Planung des Wiederaufbaus. Im Eiltempo errichtete die Familie mit ihren Angestellten die 52 mal 22 Meter grosse Halle neu – nebenbei arbeiteten sie Kundenaufträge auf den Baustellen ab. «Wir konnten unsere Angestellten jederzeit zu 100 Prozent beschäftigen und entlöhnen. Viele machten zudem freiwillig Überstunden oder kamen an freien Tagen zur Arbeit.»

Andere Zimmereien aus der Region wiederum stellten den Kollers Maschinen, Werkzeuge und Lieferwagen zur Verfügung. Ehemalige Mitarbeiter meldeten sich und legten teils in Fronarbeit Hand an. «Die Solidarität, die wir auch heute noch erfahren, ist eindrücklich.»

Über 3 Millionen Franken Schaden hat der Brand verursacht. «Mit den Versicherungen lief die Zusammenarbeit sehr gut», sagt Matthias Koller. «Finanziell wird aber nicht alles gedeckt sein.» Inwiefern das Feuer auch längerfristig Spuren hinterlässt, werde sich zeigen. «Natürlich konnten wir seit dem Brand weniger neue Kunden dazugewinnen oder mussten neue Aufträge ablehnen.» Man müsse nun analysieren, inwiefern man Umsatzeinbussen hatte. «Wichtig ist aber erst einmal, dass die Halle ganz fertig wird.» Ende Jahr soll der Innenausbau so weit sein, dass die Maschinen gezügelt werden können. Im Moment stehen diese im Provisorium, einem Lagerraum im Untergeschoss, der vom Feuer verschont blieb.

Feuer verbreitet sich unglaublich schnell

Verdaut hat Matthias Koller das Passierte noch nicht ganz. Noch heute kommt es vor, dass er in seiner Wohnung in Ettiswil in der Nacht aufwacht und sich überlegt, ob alle Maschinen abgestellt sind und alles in Ordnung ist in Eber- secken. «Ich bin vorsichtiger und ängstlicher geworden.» Auch seine Eltern hätten die Bilder der Brandnacht immer wieder vor Augen. Warum es in der Mittwochnacht vor dem Schmutzigen Donnerstag zu lodern begann, ist laut den zuständigen Behörden bis heute nicht gänzlich geklärt. Klar ist jedoch: In einem Silo in der Halle, indem Hobelspäne und Holzstaub lagerten, nahm das Feuer seinen Ursprung. Die Ermittlungen ergaben, dass eine «technische Ursache» für den Brand verantwortlich war.

Für ihn sei wichtig, dass die Behörden «ein Eigenverschulden ausschliessen konnten» und keine Personen zu Schaden kamen, sagt Matthias Koller. Letzteres hätte durchaus passieren können: Sein Vater, ein Musikant, war in der Brandnacht bis 23.45 Uhr im Gebäude mit Kollegen und probte für ein Konzert, das im April in der Halle hätte stattfinden sollen. Gerade mal zwei Stunden später loderte bereits das Feuer – und der Sohn wurde durch das Klingeln seines Handys aus dem Schlaf gerissen: «Die Halle brennt!», rief die Stimme am anderen Ende. Schon Kilometer vor dem Ortseingang waren die Flammen zu sehen, als er in der Nacht die kurvige Strasse nach Ebersecken fuhr. Feurig rot leuchtete damals der Himmel über dem Dorf.

Christian Hodel

Die Feuerwehr beim Löschen der Gewerbehalle in Unterdorf. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Feuerwehr beim Löschen der Gewerbehalle in Unterdorf. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Feuerwehr beim Löschen der Gewerbehalle in Unterdorf. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Feuerwehr beim Löschen der Gewerbehalle in Unterdorf. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Feuerwehr beim Löschen der Gewerbehalle in Unterdorf. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Feuerwehr beim Löschen der Gewerbehalle in Unterdorf. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Feuerwehr beim Löschen der Gewerbehalle in Unterdorf. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Feuerwehr beim Löschen der Gewerbehalle in Unterdorf. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Feuerwehr beim Löschen der Gewerbehalle in Unterdorf. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Feuerwehr beim Löschen der Gewerbehalle in Unterdorf. (Bild: Philipp Schmidli)
13 Bilder

Gewerbehalle in Ebersecken ausgebrannt

Die Halle des Holzbaubetriebes steht wieder. (Bild: photo:roger gruetter)
Die Innenansicht der neuen Halle. (Bild: photo:roger gruetter)
Die Halle ist auch mit den Arbeitsgeräten ausgerüstet, hier im Bild ist eine neue Längsfräsmaschine. (Bild: photo:roger gruetter)
Ein Blick in die neuen Büroräume. (Bild: photo:roger gruetter)
Die neue Decke ist schalldämmend. (Bild: photo:roger gruetter)
Die Spuren des Brandes sind hier noch zu sehen. (Bild: photo:roger gruetter)
Matthias Koller ist der Juniorchef der Koller Poly-Holzbau AG in Ebersecken und will die Halle so bald wie möglich in Betrieb nehmen. (Bild: photo:roger gruetter)
Die Innenansicht der neuen Halle. (Bild: photo:roger gruetter)
8 Bilder

Wiederaufbau Gewerbehalle nach Brand

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