EBERSECKEN: Seilzieher zeigen ihre Muskeln vor der Kamera

Der Seilziehclub präsentiert sich in einem Kalender: Jeder Monat zeigt einen halbnackten Ath­leten. Und das kommt gut an.

Claudio Zanini
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So präsentieren sich die Sportler des Seilziehclubs Ebersecken auf dem Cover ihres Kalenders. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

So präsentieren sich die Sportler des Seilziehclubs Ebersecken auf dem Cover ihres Kalenders. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

So präsentieren sich die Sportler des Seilziehclubs Ebersecken auf dem Cover ihres Kalenders. (Bild: Corinne Glanzmann)
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So präsentieren sich die Sportler des Seilziehclubs Ebersecken auf dem Cover ihres Kalenders. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die Bilder erinnern an den Stil des Pirelli-Kalenders, den der italienische Reifenhersteller jährlich herausgibt. Doch anstelle von leicht bekleideten Frauen sind im Kalender der Ebersecker eben Fotografien von muskulösen Seilziehern zu sehen meist während einer Kraftübung.

Der Urheber dieser Idee ist Beat Vonmoos (33) aus Langnau bei Reiden. Während 16 Jahren gehörte er dem Seilziehclub Ebersecken als aktiver Sportler an, seit 2013 hat er im Verein das Amt des Sportchefs inne. Für sein Vorhaben musste er bei den Vereinskollegen Überzeugungsarbeit leisten: «Die Begeisterung hielt sich bei den Kameraden anfänglich in Grenzen. Die Skepsis überwog.» Aber da man sich anlässlich des 35. Geburtstags des Clubs für 2015 etwas Spezielles überlegen wollte, zogen die starken Männer mit.

Nicht gewohnt, zu posieren

Mit der Fotografin Corinne Glanzmann, die auch Fotografin bei unserer Zeitung ist, stellte Vonmoos das Konzept auf die Beine: Draussen in der Natur, auf der Baustelle oder etwa im Fitnessraum sollten die von Training und Turnieren gestählten Körper der Seilzieher abgelichtet werden. «Das war für viele von uns eine grosse Herausforderung, weil wir nicht gewohnt sind, oben ohne vor einer Kamera zu posieren», so Vonmoos, dessen Bild im Oktober des Kalenders zu sehen ist.

Wasser als Schweiss-Ersatz

Um die Fotos möglichst realitätsgetreu erscheinen zu lassen, spritzten die Seilzieher Wasser auf ihre Körper so konnten Schweissperlen imitiert werden. «Dies war aber meist nur zu Beginn nötig. Denn das Posieren war äusserst anstrengend.» Der Kalender im A3-Format zeigt jeden Monat einen anderen Seilzieher. Unterhalb der Fotografien sind jeweils passende Aphorismen abgedruckt; etwa von Friedrich Nietzsche oder Konrad Adenauer.

150 Exemplare nachgedruckt

Mit dem Ergebnis ist Vonmoos «mehr als zufrieden». Der Aufwand scheint sich gelohnt zu haben: Die erste Auflage des Kalenders a 200 Stück ist bereits restlos ausverkauft und das innerhalb des ersten Monats. «Wir sind natürlich sehr überrascht ob der Nachfrage. Davon konnten wir nun wirklich nicht ausgehen.» 150 Exemplare wurden schon nachgedruckt – mehr sollen es aber voraussichtlich nicht werden. Das Produkt hat seinen Preis: Ein Exemplar kostet 40 Franken. «Es war nie das Hauptziel, mit dem Kalender einen grossen finanziellen Gewinn zu erzielen.» In erster Linie wolle man auf den Seilziehclub aufmerksam machen. Der allfällige Überschuss fliesse in die Vereinskasse.

Die Ebersecker sind nicht nur in der nationalen Seilzieh-szene bekannt: Im vergangenen August holten sie sich im amerikanischen Madison im Bundesstaat Wisconsin den Weltmeistertitel in der Gewichtsklasse 700 kg. In dieser Kategorie stellten die Ebersecker sämtliche Mitglieder der Schweizer Nationalmannschaft. Und: Auch in der Gewichtsklasse 640 kg wurde der WM-Titel dank grosser Beteiligung der Luzerner eingefahren. «Ich denke, man darf sagen, dass wir wahrscheinlich weltweit zu den Besten im Seilziehen gehören», sagt Vonmoos bescheiden. Es versteht sich von selbst, dass die Weltmeister auch national dominieren: In vier von sechs Kategorien gewann man 2014 die Schweizer Meisterschaft.

Nachwuchs gefragt

Im Kalender sind, bis auf eine Ausnahme, vor allem amtierende Weltmeister zu sehen. Die Sportart habe sich in den vergangenen Jahren verändert: «Bei den offiziellen Wettkämpfen will natürlich jeder gewinnen. Dadurch ist Seilziehen immer mehr zum Leistungssport geworden», sagt Vonmoos. So trainieren die Ebersecker beispielsweise vor Wettkämpfen täglich. Der Club mit seinen derzeit 35 Aktivmitgliedern bangt aber um Nachwuchs. «Wir hätten gerne mehr junge Seilzieher, die nachrücken.» Deshalb veranstalten die Ebersecker ab sofort wöchentlich zwei Schnuppertrainings. Und dort wird trainiert, nicht posiert.

Claudio Zanini

Hinweis

Der Kalender kann auf der Webiste www.seilziehclub-ebersecken.ch bestellt werden.