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EBIKON: Beklemmender Blick in die Vergangenheit

Ein neuer Rundgang beleuchtet die über 750-jährige, wechselvolle Geschichte des Ortsteils Rathausen. Dabei kommen vor allem die dunklen Kapitel zur Sprache.
Stefan Dähler
Die Treppe an der Klostermauer erinnert an die Fluchtversuche zu Zeiten des Kinderheims. (Bild: Corinne Glanzmann (Rathausen, 31. August 2017))

Die Treppe an der Klostermauer erinnert an die Fluchtversuche zu Zeiten des Kinderheims. (Bild: Corinne Glanzmann (Rathausen, 31. August 2017))

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

«Morgens um halb 4 Uhr Tagwache (...). Wir mussten barfuss auf Ährenstoppeln laufen (...) Und die Knechte durften uns schlagen.» Der Ausstellungstitel «Rathausen. Ein Ort erzählt seine Geschichte» ist wörtlich gemeint. So können Besucher auf Audiodateien hören, wie ehemalige Bewohner des früheren Kinderheims vom damaligen harten Alltag, in dem es auch zu Missbräuchen kam, berichten.

Gestern wurde die Ausstellung im und rund um das Kloster Rathausen vorgestellt. Sie berichtet von der Errichtung des ersten Klosters 1259 und geht bis in die Gegenwart, in der die Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL) das Areal nutzt. Das Kinderheim, das von 1883 bis 1989 bestand, nimmt in der Ausstellung den grössten Raum ein.

Ehemalige Arrestzelle wird geöffnet

Initiiert wurde die Ausstellung vom Kanton Luzern, beteiligt waren die SSBL oder das Institut für Geschichtsdidaktik und Erinnerungskultur der Pädagogischen Hochschule (PH) Luzern. Die Kosten belaufen sich ungefähr auf einen tiefen sechsstelligen Betrag, finanziert wurde dies durch den Lotteriefonds des Kantons, diverse Stiftungen, das Bistum Basel und die Gemeinde Ebikon.

Da das Kloster als Arbeitsstätte für die SSBL-Bewohner genutzt wird, ist der Platz für die Ausstellungsobjekte beschränkt. Oft handelt es sich nur um einen rot markierten Gegenstand. Mehr Infos erhält man via QR-Code oder per Audioguide, weiter gibt es eine Broschüre sowie ein ausführlicheres Infoheft. Am eindrücklichsten ist wohl die kleine ehemalige Arrestzelle des Kinderheims, in der die Besucher einen Eindruck erhalten, wie beklemmend die Situation für die Heimkinder gewesen sein musste. Thematisiert werden aber auch die ungünstigen Arbeitsbedingungen für die Erzieher. «Die Arbeitstage waren lang, und eine Person musste etwa 30 Kinder betreuen», sagt Markus Furrer von der PH Luzern. Dies erfolgte aus finanziellen Gründen.

Kernstück der Ausstellung sind die erwähnten Erzählungen der ehemaligen Heimkinder – in anonymisierter Form. «Die Aufarbeitung war für die Betroffenen teils sehr schmerzhaft», sagt Furrer. «Es war für viele aber eine wichtige Erfahrung, dass sie ihre Geschichte erzählen können und man ihnen glaubt.» Früher sei der Aufenthalt in einem Heim mit Scham verbunden gewesen, die Gesellschaft habe auf diese Leute herabgeschaut. Mit ehemaligen Betreuern dagegen habe man nicht gesprochen – diese seien bereits sehr alt oder verstorben.

Die Anlage Rathausen war aber nicht nur Kinderheim, Kloster oder Sitz der SSBL. Sie stand teilweise auch leer, sodass es zu mehreren Zwischennutzungen kam, die in der Ausstellung ebenfalls thematisiert werden – etwa als Internierungslager für die Bourbaki-Soldaten, als Pockenspital oder als Sitz des Lehrerseminars (siehe Kasten).

Hinweis

Die Ausstellung ist gratis. Geöffnet hat das Kloster werktags von 8 bis 17 Uhr, auf Anfrage für Gruppen auch am Wochenende. Mehr Infos auf: www.rathausen.ch

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