EBIKON: «Das Umsteigen ist unattraktiv»

Um nach Luzern zu gelangen, sollen Buspassagiere aus dem Rontal künftig in Ebikon auf die S-Bahn umsteigen. Dem VCS passt das nicht.

Lena Berger
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Bild: Grafik Neue LZ

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Umsteigeknoten in der Agglomeration und Buslinien, die nicht mehr zum Luzerner Bahnhof führen: So soll der Busverkehr in der Region künftig aussehen (siehe Box). Der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) findet das gar nicht attraktiv. Im Interview erklärt Verkehrsingenieur Hugo Fessler, Präsident der Sektion Luzern, warum.

Hugo Fessler, warum wollen Sie nicht auf die S-Bahn umsteigen?

Hugo Fessler*: Es gibt Umsteigeknoten, wie Kriens Mattenhof, Horw und Emmenbrücke, wo das Sinn macht. In Ebikon aber nicht. Passagiere, die zum Beispiel von Root nach Luzern wollen, sollen für nur eine Station in einen überfüllten Zug wechseln. Dieses Umsteigen kostet Zeit. Es wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Reisezeit dadurch nochmals mit zusätzlichen 10 Minuten Fahrzeit zu belasten ist. Das ist unattraktiv und verleitet eher zum Umsteigen aufs Auto.

Aber die S-Bahn bleibt nicht im Stau stecken und ist damit zuverlässiger.

Fessler: Ja, aber sie verkehrt nur im Halbstundentakt. Zusätzliche Züge sind gemäss SBB gerade zu Hauptverkehrszeiten wegen Engpässen nicht möglich. Bleibt die Möglichkeit, auf die Buslinie 1 umzusteigen, die vom Maihof zum Bahnhof Ebikon verlängert werden soll. Aber diese hält im Gegensatz zu den heutigen Linien 22/23 häufiger.

Wie sähe eine bessere Lösung aus?

Fessler: Die Linien 22/23 über den Ebikoner Bahnhof zu führen macht Sinn. Aber sie sollen da nicht enden, sondern weiter nach Luzern fahren. Die Fahrgäste haben dann die Wahl, ob sie die S-Bahn nehmen oder im Bus sitzen bleiben wollen. Auf die Verlängerung der Linie 1 (siehe Box) ist zu verzichten. Die dafür notwendigen 7 Millionen Franken kann man sich sparen, wenn die Busse 22/23 die Strecke weiterhin abdecken.

Der Verkehrsverbund setzt auf die Umsteigeknoten in der Agglo, um den Luzerner Bahnhof zu entlasten.

Fessler: Das kann man auch anders erreichen. So sollte der Bau eines weiteren Busperrons vor der Hauptpost rasch an die Hand genommen werden. Dieses – und die durchgehende Busspur in der Pilatusstrasse – schafft zusätzliche Kapazität. Linien, die am Bahnhof enden, müssen miteinander verknüpft werden, denn sie blockieren sich auf dem Bahnhofplatz. Anbieten würde sich etwa die Zusammenführung der Linien 23 mit der Linie 20. So könnte man von Horw über Luzern direkt nach Ebikon gelangen.

Was spricht dafür, gerade diese Linien zusammenzuführen?

Fessler: Wichtig bei Durchmesserlinien ist, dass die Auslastung auf beiden «Ästen» ungefähr gleich ist. Das wäre hier der Fall. Es fahren etwa gleich viele Busse von Horw nach Luzern wie von Ebikon her. Bei der heutigen Linie 1 bis Maihof dagegen stimmt dieses Gleichgewicht nicht. Auf der Strecke Kriens–Luzern wird sie viel intensiver genutzt. Ich schlage deshalb vor, dass der 1er-Bus künftig am Löwenplatz wendet und dafür die Linie 4 nach Maihof fahren soll.

Die Strategie des Verkehrsverbundes sieht das Gegenteil vor: Es soll mehr Linien geben, die nicht mehr an den Bahnhof fahren.

Fessler: Der Verkehrsverbund plant an den Bedürfnissen der Passagiere vorbei. Die Pendlerzahlen zeigen klar: Wer in der Agglomeration wohnt, pendelt ins Zentrum von Luzern. Nur ein Bruchteil dieser Leute pendelt in eine andere Agglomerationsgemeinde. Für die sogenannten Tangentiallinien besteht kaum eine Nachfrage. Deshalb fordern verschiedene Gemeinden, dass die direkte Busverbindung nach Luzern beibehalten wird – beispielsweise in Emmen die Buslinie 53.

Worauf stützen Sie Ihre Einschätzung?

Fessler: Die Volkszählung im Jahr 2000 hat gezeigt, dass damals aus Kriens insgesamt gut 5000 Personen in die Stadt Luzern gependelt sind. In die nächstgrösste Gemeinde der Region – Emmen – sind es nur rund 500 Personen gewesen. Die Nachfrage ist demnach 10-mal kleiner. In Ebikon ist es das Gleiche: Es pendeln 20-mal mehr Menschen in die Stadt als nach Littau. Und trotzdem sollen die neuen Linien 3 und 18 die Gemeinden Kriens und Emmen sowie Littau und Ebikon miteinander verbinden.

Hinweis

* Hugo Fessler (68) ist diplomierter Verkehrsingenieur ETH/SVI und Präsident der VCS-Sektion Luzern, Vorstandsmitglied der IGÖV Zentralschweiz sowie SP-Mitglied der Verkehrskommission.