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EBIKON: Die Vision: Ein Dorfplatz über der vierspurigen Strasse

Der Gemeinderat plant verkehrsberuhigende Massnahmen im Zentrum. Ein Ebikoner Architekt geht nun noch einen Schritt weiter: Er will die Kantonsstrasse verschwinden lassen.
Simon Bordier
So könnte das Zentrum von Ebikon ohne Zentralstrasse aussehen – diese soll im Untergrund verschwinden. (Bild: Visualisierung PD)

So könnte das Zentrum von Ebikon ohne Zentralstrasse aussehen – diese soll im Untergrund verschwinden. (Bild: Visualisierung PD)

Simon Bordier

Die Ebikoner leiden seit vielen Jahren unter der Zentralstrasse, die mitten durch die Gemeinde verläuft. Und fast ebenso lange kursieren Ideen, wie man Ebikon vom Durchgangsverkehr befreien könnte: Während in den achtziger Jahren über eine Untertunnelung diskutiert wurde, ist heute vor allem von verkehrsberuhigenden Massnahmen die Rede. Konkret sieht der Masterplan der Gemeinde vor, die Kantonsstrasse im Zentrum von heute vier auf dereinst drei Spuren zu reduzieren und eine attraktive Begegnungszone zu schaffen (wir berichteten).

Für Roland Huwiler (67), einem ortsbekannten Architekten, geht der Masterplan allerdings zu wenig weit: «Das Grundproblem besteht darin, dass Ebikon durch die Zentralstrasse zweigeteilt ist; ein eigentlicher Dorfkern kann so nicht entstehen.» Seines Erachtens müsste das Zentrum komplett vom Durchgangsverkehr befreit werden.

Es ist kein eigentlicher Tunnel

Huwiler hat dazu nun eine eigene Idee entwickelt und erste Pläne entworfen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob der Architekt die Kantonsstrasse in einen Tunnel verlegen möchte. Doch Huwiler präzisiert: «Es ist kein Tunnel im herkömmlichen Sinn, denn es muss nicht in die Tiefe gegraben werden.» Vielmehr soll die Zentralstrasse auf einer Länge von 250 Metern zwischen der Abzweigung Schlösslihalde und der Sonnen-Kreuzung leicht versetzt und anschliessend überdacht werden.

Mit dem Bau des «Tunnels» würde Ebikons Zentrum völlig umgestaltet. Erstens könnte der Abschnitt, der durch die Strassenverlegung frei wird, neu genutzt werden. Huwiler schlägt eine «Flanierachse mit Arkaden und Geschäften» vor. Zweitens würden auf dem Tunneldach neue Flächen entstehen. Diese möchte Huwiler mit der benachbarten, leicht erhöhten Dorfstrasse verbinden: Dorfstrasse und Tunneldach würden demnach eine einzige grosse Ebene bilden. Die historischen Bauten entlang der Dorfstrasse sollen dabei erhalten bleiben und mit Grünanlagen erweitert werden. Zudem könnten Wohnbauten auf dem Tunneldach realisiert werden. Mit zwei Freitreppen möchte Huwiler das Niveau Dorfstrasse mit dem Niveau Zentralstrasse verbinden.

«Ebikon würde zusammenwachsen», ist Huwiler überzeugt. Man sei dabei in der glücklichen Lage, dass lediglich fünf Grundeigentümer vom Projekt betroffen wären: der Kanton, die Einwohnergemeinde, die Kirchgemeinde und zwei Private. Huwiler meint, dass die Parteien von dem Projekt profitieren würden und nur vereinzelt mit Grundeigentümern über Land verhandelt werden müsste.

«Dem Leiden ein Ende setzen»

Huwiler ist ein «geborener Ebikoner», wie er selber sagt, der dem «Leiden Ebikons endlich ein Ende setzen möchte». Als Architekt hat er in der Gemeinde schon zahlreiche Bauprojekte realisiert – als Stadtplaner ist er aber bisher noch nicht in Erscheinung getreten. «Ich bin weder Tunnelbauer noch Verkehrsingenieur», betont Huwiler. Er habe sich für seine Idee von Experten beraten lassen und unzählige Gespräche mit Politikern und anderen Persönlichkeiten in Ebikon geführt. All dies sei in das Projekt eingeflossen.

Zu den Kosten für die Realisierung der Idee kann er momentan bloss eine vage Schätzung abgeben: «Der Bau des Tunnels sollte sich mit rund 20 Millionen Franken realisieren lassen.» Nun liege der Ball bei der Gemeinde: «Ich erhoffe mir vom neu gewählten Gemeinderat, dass er die Idee seriös weiterverfolgt.»

Gute Rückmeldungen erhalten

Roland Huwiler hat seine Projektunterlagen an Exponenten aus Politik, Wirtschaft und Medien verschickt. «Ich werde täglich auf das Projekt angesprochen und erhalte immer wieder Mails von interessierten Bürgern», sagt Huwiler. Er sei dabei selbst überrascht, «dass die Idee auf so grosse Begeisterung stösst».

Parteien zeigen sich offen

Die Ebikoner Ortsparteien zeigen sich offen für Huwilers Idee – allerdings in unterschiedlichem Grad. Begeistert ist die SVP. «Endlich könnte Ebikon ein richtiges Dorfzentrum erhalten», sagt Präsident Stefan Bühler. Den Masterplan der Gemeinde finde er weniger überzeugend: «Der Verkehr wird zwar verlangsamt, aber er trennt das Dorf weiterhin entzwei.» Nun liege es an der Gemeinde, zusammen mit dem Kanton die Idee «mit höchster Priorität» weiterzuverfolgen.

«Idee hat visionären Ansatz»

Die anderen Parteien haben noch nicht offiziell Position bezogen. Erste Signale geben die Parteipräsidenten aber. «Ich finde, die Idee hat einen visionären Ansatz und sollte im Rahmen des Masterplans geprüft werden», sagt Grünen-Präsident Andreas Feller. Denn der Masterplan beinhalte auch andere wichtige Punkte wie die Verkehrsberuhigung der ganzen Kantonsstrasse, die Renaturierung der Ron oder den neuen Bushub.
Auch FDP-Präsident René Friedrich will die «interessante Idee» prüfen. «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.» Denn die Planung der Kantonsstrassenumgestaltung sei erst am Anlaufen, die Ideen können einfliessen. Othmar Som (CVP) spricht von einer «guten Vision», der man nachgehen müsse. Bemerkenswert sei, dass sich «die trennende Wirkung des Durchgangsverkehrs» aufheben lasse. In dem Punkte sei der Masterplan «nicht 100 Prozent befriedigend», so Som.

«Es liesse sich eine separate Busspur realisieren», sagt GLP-Präsident Sandor Horvath zur Idee. Doch das Projekt sei «zu punktuell und städtebaulich nicht ausgereift»: «Es löst das Verkehrsproblem nicht, sondern entlastet bloss das Zentrum auf einigen hundert Metern.»

Zurückhaltend zeigt sich SP-Präsident Martin Singer: «Ideen für einen Tunnel gab es schon viele.» Angesichts klammer Gemeinde- und Kantonskassen sei aber schon viel erreicht, wenn der Masterplan umgesetzt werden könne. «Dieser basiert auf seriösen Studien und jahrelanger Arbeit», so Singer. Die private Initiative des Architekten sei «prüfenswert», «doch wir können die Planungen deswegen nicht auf den Kopf stellen.»

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