EBIKON: Ein Experiment, das zu weit geht

Der Theaterkurs des Gymnasiums St. Klemens zeigt mit «Die Welle» ein Stück, das betroffen macht und zum Nachdenken anregt.

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Im Stück «Die Welle» tragen die Schüler Abzeichen, um ihre Zusammengehörigkeit zu demonstrieren. (Bild: Yvonne Imbach (Ebikon, 7. Juni 2017))

Im Stück «Die Welle» tragen die Schüler Abzeichen, um ihre Zusammengehörigkeit zu demonstrieren. (Bild: Yvonne Imbach (Ebikon, 7. Juni 2017))

Unter der Leitung des Regisseurs Dieter Ockenfels haben die Schülerinnen und Schüler des Wahlfachs Theater des Gymnasiums St. Klemens sich dieses Jahr an das bekannte Stück «Die Welle» herangetastet. Schon bei der Präsentation des Inhalts Anfang Schuljahr hätten die zwölf Spieler im Alter zwischen 15 und 19 Jahren fasziniert reagiert. Max Sturm, der den Lehrer Ben Ross spielt, sagt: «Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass das Stück aktueller denn je ist. Auch heute sind genau die Menschen offen für Ideologien, die sich in die Gesellschaft nicht gross einbringen können oder wollen.»

Im Stück wird von einem realen Versuch erzählt, mit dem ein Lehrer seinen Schülern den Faschismus erklärt, indem er sie zu Anhängern einer fiktiven Bewegung formt. «Die Welle» ist längst zu einem Film- und Buchklassiker geworden.

Ernsthaft und authentisch

Dem Spiel des Ensembles ist die Betroffenheit anzumerken, wie die Spieler die Rollen mit Leben erwecken und auch vor unangenehmen Charakterzügen nicht zurückschrecken. Es ist nicht leicht, sich manipuliert und erniedrigt zu präsentieren. Den Jugendlichen gehört grosses Lob ausgesprochen, wie ernsthaft und authentisch sie agieren.

Zu Beginn spielen sich die Wahlfachteilnehmer quasi selber, nämlich als ganz normale Jugendliche mit den üblichen Themen Schulstress, Fussball und erste Liebe. Allmählich wird aus den Individualisten eine Gemeinschaft, die durch ein starkes Zugehörigkeitsgefühl geprägt wird. Nach und nach werden die Charaktere aber zu nickenden Anpassern geformt, die auch nicht vor gegenseitiger Bespitzelung zurückschrecken.

Grossvater erzählte von damals

Die einzelnen Szenen im Schulzimmer, beim Lehrer daheim oder in der Redaktion der Schülerzeitung werden durch Klänge aus Wagners Oper «Walküre» voneinander getrennt. Die Musik wirkt jedes Mal aufs Neue wie ein bedrohlicher Donnerschlag, der die aufziehende Gefahr eindrücklich ankündigt. Elias Stäuble spielt den ehrgeizigsten Teilnehmer der Bewegung und sorgt für beklemmende Gefühle durch seine Intensität. Wie hat er sich auf diese schwierige Rolle vorbereitet? «Im Geschichtsunterricht lernten wir viel über den Holocaust. Und mein Grossvater lebte als Kind in Deutschland, als die SS an der Macht war. Er erzählte mir von seinen Erinnerungen an diese Zeit.» Heute Abend ist Premiere dieses starken Stücks.

Yvonne Imbach

region@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Aufführungen: Premiere heute um 20 Uhr. 10. Juni um 20 Uhr, 11. Juni um 17 Uhr. Aula Gymnasium St. Klemens, Ebikon. Restplätze an der Kasse erhältlich.