EBIKON: Fahrleitungen gehören bald zum Ortsbild von Ebikon

Die Gemeinde will das Zentrum verschönern. Doch nun steht fest: Sie muss sich dabei mit Fahrleitungen für die Verlängerung der Buslinie 1 arrangieren.

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Auch hier in Ebikon bei der Ladengasse dürften bis 2019 Fahrleitungen hängen. (Archivbild Corinne Glanzmann)

Auch hier in Ebikon bei der Ladengasse dürften bis 2019 Fahrleitungen hängen. (Archivbild Corinne Glanzmann)

Simon Bordier

Ebikon will schöner werden: Gemäss Masterplan soll an der Kantonsstrasse und im Zentrum mehr Platz für Velos und Fussgänger geschaffen werden. Im Zentrum ist zudem eine Flaniermeile geplant. Ein Streitpunkt ist vor diesem Hintergrund die Verlängerung der Buslinie 1, die ab 2019 bis zur Mall of Switzerland in Ebikon führen soll. Anwohnern sind die neuen Fahrleitungen, die dazu gebaut werden müssen, ein Dorn im Auge. «Das Dorfbild sollte in den nächsten Jahren eigentlich verschönert werden, doch die geplanten Fahrleitungen bewirken genau das Gegenteil», ärgert sich Ernst Niederberger, der ein Geschäft für Bodenbeläge an der Dorfstrasse betreibt. Auch Beat Knapp, Präsident des Gewerbevereins Rontal und Mitinhaber der Druckerei Ebikon AG an der Luzernerstrasse, kann dem Projekt wenig abgewinnen: «Der zukünftige Blick aus Wohnungen und Büros und von höher gelegenen Lagen auf ein Netz von Leitungen macht das sonst schon schlechte Image von Ebikon vollständig kaputt», befürchtet er. Aus ähnlichen Gründen forderte die CVP letztes Jahr in einem Brief an den Ebikoner Gemeinderat, dass Alternativen zum Trolleybus geprüft werden.

Neue Systeme noch nicht erprobt

Das Projekt hat sich seither konkretisiert. Christoph Zurflüh, Sprecher des Verkehrsverbunds Luzern (VVL), erklärt: «Als erster Schritt wurden nochmals alle alternativen Systeme vertieft geprüft.» So auch das Tosa-System, bei dem ein Bus bei jeder Haltestelle über eine Vorrichtung auf dem Dach so viel Strom tanken kann, wie er zur nächsten Haltestelle benötigt. Zurflüh hält grundsätzlich fest: «Neue Systeme sind weder betriebserprobt noch serienreif.» Zudem würden solche Systeme nicht zur bestehenden Busflotte und im Speziellen zur Linie 1 passen. «Die Linie 1 Obernau–Luzern–Ebikon muss zwingend durchgehend mit einem System betrieben werden können.» Für den VVL steht fest, dass die Verlängerung der Buslinie 1 mit Fahrleitungen erfolgt.

Der Kanton Luzern hat die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) mit der Projektierung beauftragt. Details zur neuen Fahrleitung stehen gemäss VBL-Sprecher Christian Bertschi noch nicht fest: «Wir streben mit den Grundeigentümern einvernehmliche Lösungen an, wie die Fahrleitung in­stalliert werden kann.» In den kommenden Wochen werde man alle von Maststandorten oder Mauerbefestigungen betroffenen Eigentümer kontaktieren. Für die neue Fahrleitung würden sowohl Leitungsmasten als auch Spannseile benötigt.

Das Planungsdossier wird laut Bert­schi zurzeit erarbeitet und dann dem Bundesamt für Verkehr (BAV) zugestellt. Dieses werde ein Verfahren gemäss Eisenbahngesetz durchführen, sagt er. «Dann wird das Planungsdossier in den Gemeinden Ebikon und Luzern öffentlich aufgelegt.» Die Bevölkerung hat dann auch die Möglichkeit, Einsprache einzureichen.

Busverlängerung hat Priorität

Der Ebikoner Bauvorsteher und Gemeinderat Peter Schärli (SP) meint zum Projekt: «Die Erklärung der Verkehrsplaner, dass sich die Busverlängerung nur mit dem Bau einer neuen Fahrleitung realisieren lässt, ist nachvollziehbar und glaubhaft.» Die Busverlängerung bis 2019 habe gegenüber dem Masterplan zur baulichen Aufwertung des Zentrums Priorität, zumal der Masterplan erst in den nächsten 10 bis 20 Jahren vollständig umgesetzt werde.

Die Erneuerung der Kantonsstrasse und des Zentrums dürfte allerdings schwieriger und teurer werden, wenn dort Fahrleitungen hängen. Diese müssten wohl ab- und wieder aufgebaut werden. Schärli meint dazu: «Wir haben mit dem Kanton und den VBL im Vorfeld vereinbart, dass der Kanton und nicht die Gemeinde für die entstehenden Mehrkosten aufkommt.»

Schwierigkeiten bei Mietersuche

Hans-Peter Bienz ist Geschäftsinhaber des Ingenieurbüros Eugen Bienz AG und Wohneigentümer an der Luzernerstrasse. Er könne der Argumentation der Verkehrsplaner nicht ganz folgen: «Mit dem rasanten technischen Fortschritt sollte es möglich sein, in ein paar Jahren eine Lösung ohne Fahrleitungen zu realisieren.» Seines Erachtens wäre auch eine Lösung prüfenswert, bei der die Passagiere an der Haltestelle Maihof vom Trolleybus auf einen anderen Bus nach Ebikon umstiegen. «Wenn man jetzt neue Fahrleitungen baut, wird Ebikon seinen Ruf als ‹Amplikon› kaum mehr los», befürchtet Bienz. Der Ruf laste schwer auf der Gemeinde. Dies merke er, wenn er neue Mieter für die Wohnungen an der Luzernerstrasse suche. Als Gebäudetechniker stelle er sich zudem die Frage, wie eine Vibrationsübertragung von den Fahrleitungen auf die Gebäude vermieden werden kann, an denen Spannseile befestigt sind. Bienz: «Ich vertraue darauf, dass die VBL in solch komplexen Fällen keinen Aufwand scheuen und ihre Expertise einbringen.»