EBIKON: Igel-Babys brauchen ihre Hilfe

Evelyne Noser (58) kümmert sich seit 34 Jahren um das Wohl von Igeln. Dabei muss sie rund um die Uhr verfügbar sein.

Luca Merlo
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Ein Fläschchen oder Katzenfutter: Evelyne Noser weiss, was Igel brauchen, um wieder fit zu werden. (Bild Pius Amrein)

Ein Fläschchen oder Katzenfutter: Evelyne Noser weiss, was Igel brauchen, um wieder fit zu werden. (Bild Pius Amrein)

Evelyne Noser pflegt einen Igel. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Evelyne Noser pflegt einen Igel. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Etwas verwildert sieht er aus, der Garten von Evelyne Noser (58) am Schachenweg in Ebikon. Zwischen überwachsenen Wegen und wuchernden Stauden erkennt man ein paar ebenerdige Käfige. Teilweise zugedeckt mit Wellblech und mit einer hölzernen Schlafbox drin. «So sollte ein Igelgarten aussehen», erklärt die Igelpflegerin, «nicht herausgeputzt und mit viel Bodenbedeckung.»

Noser macht verletzte und kranke Igel wieder fit für die Wildnis. Zurzeit hat sie neun Igel bei sich in der Pflege; drei weitere sind bereits angemeldet. «Das kann sich jeweils schnell ändern. Im Notfall muss ein Tier innerhalb von einer bis zwei Stunden versorgt werden.» 1980 hat die Primarlehrerin, die in Horw unterrichtet, mit ihrem «Hobby» angefangen. Damals bekam sie von der Meldestelle des Tierschutzvereins des Kantons Luzern «eine Schachtel voll Igelbabys». Der Leiter habe ihr gesagt: «Nimm du sie und probiere!» Zuerst seien ihr einige Jungtiere weggestorben. Dann sei sie auf einen Ratgeber gestossen, «der ein Tagebuch meiner Erfahrungen hätte sein können». Dank diesem Erfahrungsbericht eines Igelpflegers sei es schliesslich immer besser gelaufen.

Ohrengrübler – ein Festmahl

Inzwischen verhilft Noser jährlich 100 bis 150 Igeln zu neuen Kräften. In diesem Jahr seien ihr aufgrund des nasskalten Sommers besonders viele Tiere gebracht worden. «Bis jetzt habe ich bestimmt schon 30 Babys und gleich viele erwachsene Igel aufgepäppelt. Wenn es viel regnet, sind die Tiere oft unterkühlt und finden weniger Nahrung.» Igel ernähren sich hauptsächlich von allerlei Insekten, Würmern und gelegentlich Schnecken. In der Pflege bei Noser erhalten sie Katzenfutter. Manchmal gehe sie auf die Suche nach Ohrengrüblern. Diese seien für die kleinen Säugetiere ein «Festmahl».

Eine der grössten Gefahren für Igel sind laut Noser die Fliegen. «Sie legen ihre Eier vorzugsweise in der Gesichtspartie oder bei den Geschlechtsöffnungen der Igel ab. Die Maden schlüpfen dann hinter die Augapfel oder in offene Wunden. Das kann tödlich sein.» Deshalb verabreicht sie den meisten Tieren, die ihr aufgrund von Schwächeerscheinungen gebracht werden, zuerst eine Kochsalz- oder Antibiotikaspritze. Auch der Mensch stellt eine allgegenwärtige Bedrohung dar, da der Igel als Kulturfolger von Menschen bewohnte Gebiete als Lebensraum bevorzugt.

Hochbetrieb herrscht bei der gebürtigen Stadtluzernerin meistens im Oktober und November. In diese Zeit fällt die zweite Wurfphase der Igel. Jungtiere, die so kurz vor Wintereinbruch gebracht werden, müssen nach erfolgreicher Pflege beim Winterschlaf überwacht werden und können erst im darauffolgenden Frühling wieder ausgewildert werden. Junge Igel geben besonders viel zu tun: «Die blinden Babys muss ich alle drei Stunden ‹schöppelen›, auch nachts.» Doch die zeitaufwendigste Arbeit sei das Putzen. «Igel sind richtige ‹Säuniggle›. In einer Woche fülle ich bestimmt drei bis vier Kehrichtsäcke mit Dreck, der durch die Igel anfällt.»

«Der Natur etwas zurückgeben»

Ihre Pflegestation betreibt Evelyne Noser auf eigene Initiative. Unterstützung erhält sie vom Tierschutzverein des Kantons Luzern. Sie sagt: «Ich war schon immer eine Tierliebhaberin.» In früheren Jahren habe sie bereits zahlreiche Findeltiere bei sich aufgezogen. Unter anderem ein Streifenhörnchen und verletzte Gänse. Mit ihrem Engagement möchte Noser «der Natur etwas zurückgeben. Denn der Mensch hat vieles kaputt gemacht. Meistens auch unwissend und unbedacht.» Zum Beispiel mit herausgeputzten Gärten.

Igel gefunden – was tun?

Igel, die tagsüber herumliegen, apathisch wirken, mager sind, röchelnd atmen, zittern oder eingefallene Augen haben, sollten bei einer Igelstation gemeldet werden. Auch Igel, die offensichtlich verletzt sind, benötigen Hilfe. Igelbabys sind pflegebedürftig, wenn sie sich tagsüber ausserhalb des Nestes aufhalten, insbesondere wenn die Augen und Ohren noch geschlossen sind. Schädlich für Igel sind Pestizide und Kunstdünger. Ideal sind Blätterhaufen und Holzbeigen. Dort können sich die Igel für den Winterschlaf zurückziehen.

Vier Igelstationen

In der Zentralschweiz gibt es insgesamt vier Igelstationen:
Tierschutzverein des Kantons Luzern in Root: Tel. 041 450 00 03.
Tierpark Goldau:
Tel. 041 859 06 06.
Igelstation Büren NW:
Tel. 041 610 42 71.
Igelstation Ebikon:
Tel. 041 420 52 67 oder
076 530 64 79.

Hinweis: Weitere Infos finden Sie auf www.pro-igel.ch und auf www.izz.ch