EBIKON: Luzerner ist das «Gehirn» von Piccards Solarflug-Projekt

Martin Pfister (34) unterstützt für den Liftkonzern Schindler Bertrand Piccards ­Solar-Reise um die Welt. Von der Reise wird sein Arbeitgeber profitieren.

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Ein Teil des 30-köpfigen Teams von Bertrand Piccard in der Zentrale in Monaco vor dem Start von «Solar Impulse 2», beobachtet von Journalisten. (Bild: PD)

Ein Teil des 30-köpfigen Teams von Bertrand Piccard in der Zentrale in Monaco vor dem Start von «Solar Impulse 2», beobachtet von Journalisten. (Bild: PD)

Er macht Pionierarbeit. Martin Pfister (34), Luzerner Elektroingenieur bei der Schindler-Gruppe, sitzt in der Kontrollzentrale des Projekts «Solare Impulse 2» der Schweizer Wissenschaftler und Abenteurer Bertrand Piccard und André Borschberg. Sie versuchen zu schaffen, was vor ihnen noch kein Mensch gemacht hat. Mit einem Solarflugzeug wollen die beiden in 25 Flugtagen die Welt umrunden (siehe Kasten).

Martin Pfister, Sie haben für das Interview 20 Minuten Zeit viel Freiraum scheinen Sie nicht zu haben.

Martin Pfister: Nein, ich bin wirklich nicht am Ferienmachen. Derzeit bin ich in Monaco der einzige Elektroingenieur. Ich überwache alle elektronischen Komponenten des Flugzeugs. Die Zentrale in Monaco ist quasi das Gehirn des Projekts.

Wie muss man sich die Arbeit in der Kontrollzentrale vorstellen?

Pfister: Momentan arbeiten hier rund 30 Leute. Neben Ingenieuren sind es auch Meteorologen und ein Team, das alle Flüge im Vorfeld simuliert, sodass wir auf jedes Szenario möglichst vorbereitet sind. Ebenso kümmert sich ein Team um die Sicherheit. Unser Solarflugzeug erreicht eine Geschwindigkeit von maximal 100 Stundenkilometern. Wenn es etwa über einen Flugplatz fliegt, muss abgeklärt werden, wann dies geschieht, damit es zu keinen Zusammenstössen kommt.

Der Start erfolgte vor zwei Wochen. Wie nervös waren Sie?

Pfister: Sehr nervös. Ich habe am Abflugtag nur wenig geschlafen. Kurz vor dem Flug schlug ein System Alarm. Da schoss mir das Adrenalin in die Adern. Zum Glück war nichts kaputt, und der Start ging ohne Probleme vor sich.

Ist alles so eingetroffen, wie Sie es geplant haben?

Pfister: Wir sind auf Kurs. Aber die wirklich schwierigen Routen stehen noch an. Bis jetzt dauerten die Etappen vielleicht 12 oder 15 Stunden. In der zweiten Hälfte des nächsten Monats soll es aber von China nach Hawaii gehen. Das sind fünf Tage und Nächte Flugzeit über den Ozean. Dann zeigt es sich, ob die Batterien und die Energiegewinnung funktionieren.

Was sind die Knackpunkte?

Pfister: Wir können nur fliegen, wenn das Wetter mitspielt. Die Prognosen der Meteorologen sind vor allem für die langen Flüge enorm wichtig. Ebenso beruht das Solarflugzeug auf neuester Technik. Es kann immer zu unvorhergesehenen Problemen kommen. Das Solarflugzeug ist kein Serienprodukt. Man muss flexibel sein.

Im Alltag entwickeln Sie für Schindler Sicherheitssysteme. Wo sind die Gemeinsamkeiten zwischen einem Lift und einem Flugzeug?

Pfister: Bei beiden Arbeiten geht es um moderne Technologie.

Welche Erkenntnisse werden Sie mit nach Ebikon nehmen?

Pfister: Natürlich lassen sich die Aufgaben nicht eins zu eins vergleichen. Aber ich habe Erfahrungen gesammelt, die ich bei Schindler einfliessen lassen kann. Es tut gut, unkonventionelle Dinge anzuschauen, um den Innovationsgeist zu fördern.

Wären Sie am liebsten gleich selber als Pilot im Solarflugzeug mit dabei?

Pfister: Nein. Das käme wohl nicht gut. Aber ich bin immer wieder mit Flugzeugen in Berührung gekommen. Ein riesiger Flugzeug-Fan bin ich nicht. Im Team gibt es aber schon Männer, die zu Kindern werden, wenn sie ein Flugzeug sehen.

Kritiker bemängeln, das Projekt sei vor allem Werbung in eigener Sache. Ebenso sei der Flug keine Erdumrundung, weil Piccard dafür vier bis fünf ­Monate benötigt. Was entgegnen Sie?

Pfister: Man darf das Projekt kritisieren, sollte aber sein Ziel nicht vergessen. Es geht nicht um einen kommerziellen Zweck. Wir wollen eine Message transportieren, nämlich, dass alles möglich ist: Wir sind gerade dabei, die Welt zu umrunden, ohne einen Tropfen Treibstoff zu verbrauchen. Das ist grossartig.

Interview Christian Hodel und Flurina Valsecchi

Hinweis

Martin Pfister lebt in der Stadt Luzern. Er ist 34 Jahre alt und studierter Elektroingenieur ETH.

Martin Pfister. (Bild: PD)

Martin Pfister. (Bild: PD)