EBIKON: Mall of Switzerland: Gewerbe bleibt optimistisch

Die Gewerbler im Rontal fürchten sich nicht vor der Konkurrenz - einige eröffnen sogar selber eine Filiale in der Mall. Ihre grösste Sorge gilt aber dem Verkehr.

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So soll das Einkaufszentrum «Mall of Switzerland» in Ebikon dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung Halter AG)

So soll das Einkaufszentrum «Mall of Switzerland» in Ebikon dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung Halter AG)

Yves Portmann

In Ebikon wird das grösste Shoppingcenter der Zentralschweiz gebaut: Auf einer Fläche von 46 000 Quadratmetern entstehen rund 140 Geschäfte und Restaurants. Neben der Hauptmieterin Migros ziehen auch viele weitere ­Geschäfte ein. Die Verantwortlichen der Mall of Switzerland sind mit dem Stand der Vermietungen zufrieden. «Etwas mehr als die Hälfte ist bereits vermietet», sagt Mall-Mediensprecher Werner Schaeppi. «Im Bereich der Gastronomie beispielsweise haben wir über 40 Anfragen auf dem Tisch viel mehr, als wir berücksichtigen können.» Wöchentlich würden allein aus der Region Luzern durchschnittlich fünf Mietanfragen eingehen.

«Man muss mit der Zeit gehen»

Bereits einen Platz reserviert in der Mall of Switzerland hat Adrian Widler. Er führt in Root und Dierikon ein Blumen- und Gartenbaugeschäft und will die Chance des neuen Shoppingcenters nutzen. «Ich habe das Projekt von Anfang an verfolgt und mich entschieden, einen Blumenladen zu eröffnen.» Er wolle dadurch seine Dienstleistungen einem breiteren Publikum präsentieren. Trotz des Optimismus: Auch Widler steht dem Projekt nicht kritiklos gegenüber und versteht auch die gemischten Gefühle in der Bevölkerung. «Ich habe mich überhaupt nicht nach einem Shoppingcenter gesehnt, aber als Unternehmer muss man auch mit der Zeit gehen», begründet Widler seinen Entscheid.

Verstopfte Strasse

Andere lokale Gewerbler sehen die Mall of Switzerland skeptischer. «Meine grösste Sorge ist der Verkehr», sagt Ruth Villiger, Geschäftsführerin der Metzgerei Isenegger an der Luzernerstrasse 26 in Root. Schon heute sei die Strasse beispielsweise nach einem Unfall auf der Autobahn – verstopft. Gelassener sieht sie hingegen der neuen Konkurrenz entgegen. «Als Kleingewerbe habe ich keine Angst vor der Konkurrenz durch das neue Shoppingcenter. Wir sind ein Fachgeschäft mit Eigenproduktion und Fleisch aus der Region. Das schätzen unsere Kunden», sagt Ruth Villiger. Sie könnte sich vorstellen, dass es zumindest am Anfang einen «Mall-of-Switzerland-Effekt» geben wird. Längerfristig glaubt sie aber nicht, dass sie deswegen weniger Kunden haben wird. Villigers Metzgerei sei für eine Filialeröffnung in der Mall of Switzerland angefragt worden – man habe aber abgelehnt. «Ich führe die Metzgerei mit Herzblut und will weiterhin ein überschaubares Geschäft führen», begründet Villiger die Absage.

«Eine Nummer zu gross»

Ähnlich äussert sich auch Bernadette Brunner, Eigentümerin der gleichnamigen Bäckereien in Dierikon, Buchrain, Adligenswil und Luzern. «Für uns ist das Projekt eine Nummer zu gross wir sind ein Familienbetrieb.» Brunner bezweifelt, dass ein solch grosses Zentrum Sinn macht. «Ich glaube nicht, dass in der Mall of Switzerland für den täglichen Gebrauch eingekauft wird.» Im Tschannhof in Buchrain, wo die Bäckerei auch ein Café betreibt, sei sie im ­Hinblick auf die Kundschaft auch in Zukunft zuversichtlich. Grosse Fragezeichen setzt Brunner bei der Mall of Switzerland hingegen in Sachen Verkehrsproblematik.

Seit 22 Jahren ist Manfred Schnider als Optiker in Ebikon tätig. Er kritisiert das Grossprojekt: «Ich finde es zu gross und übertrieben. Das Projekt führt zu einem Überangebot.» Für Schnider ist zudem die Verkehrsanbindung nicht gelöst. Für sein Geschäft Schnider Optik an der Riedmattstrasse 12 schaut aber auch er optimistisch in die Zukunft: «Ängste bringen nichts. Meine Kundschaft schätzt die zentrale Lage meines Geschäftes, welches auch ohne ÖV oder Auto gut erreicht werden kann.»

«Mir wird angst und bange»

Die grössten Probleme ortet auch Beat Knapp, Präsident des Gewerbevereins Ebikon und Umgebung, im Verkehr: «Wenn ich an die geplante Verkehrszunahme denke, wird mir angst und bange. Die Situation ist bereits jetzt teilweise desolat rund um den Autobahnzubringer Buchrain.» Er werde das Gefühl nicht los, dass der Kanton und das Bundesamt für Strassen nicht richtig hinschauen wollen. Es wäre für die Lebensqualität der Einheimischen auch dringend nötig, die Kantonsstrasse zu sanieren, damit ­diese nicht mehr wie eine Rennstrecke aussehe. Zum Projekt Mall of Switzerland selber ist Knapp geteilter Meinung. Dass es polarisiere, sei klar. «Einerseits ­befürworten wir neue Firmenansiedlungen, welche auch Arbeitsplätze generieren, andererseits besteht die Gefahr, dass im Dorfzentrum noch mehr Detailhandelsflächen leer bleiben», erklärt Knapp. Für eine konkrete Abschätzung sei es aber zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh. Positiv sei immerhin, dass die im Rontal ­ansässige Migros den Zuschlag als Hauptmieterin erhalten habe.