EBIKON: Mall of Switzerland: Mit Temporär-Shops gegen die Flaute

Fünf Monate vor der Eröffnung sucht das Einkaufs- und Freizeitcenter in Ebikon weiterhin Mieter. Die Verantwortlichen setzen auch auf ein alternatives Ladenkonzept. Sogenannte Pop-up-Stores sollen freie Flächen füllen.

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Blick ins Innern der Mall of Switzerland. (Bild: Nadia Schärli (Ebikon, 18. Mai 2017))

Blick ins Innern der Mall of Switzerland. (Bild: Nadia Schärli (Ebikon, 18. Mai 2017))

Ernst Meier

ernst.meier@luzernerzeitung.ch

Man kennt sie aus dem Ausland, seit einiger Zeit findet man sie auch in Zürich, Genf oder Bern: Pop-up-Stores. Bei diesem ­Ladenkonzept werden frei stehende Lokale in Innenstädten zeitlich begrenzt vermietet. Pop-up-Stores eignen sich für Jungunternehmen, neue und wenig bekannte Marken sowie Nischenanbieter wie Designer oder Handwerker. Das Ladenkonzept gibt es auch für Events, Galerien oder Gastrounternehmen.

Nun prescht die Mall of Switzerland vor und wagt eine Premiere in der Zentralschweiz. Das sich im Bau befindende Freizeit- und Einkaufszentrum vermietet neu auch Flächen für eine befristete Zeit. Auf ihrer Homepage und in Online-Publireportagen bietet die Mall «attraktive Verkaufsflächen für Pop-up-Stores» an. In der Eigenwerbung heisst es: «Die fertig ausgebauten temporären Shops stehen etablierten Unternehmen, Online-Anbietern, aber auch Start-ups zur Verfügung.»

Auf Anfrage gibt Nikolas Löhr, Marketingdirektor bei der Mall-Betreiberin Freo Switzerland AG, weitere Details bekannt: «Wir haben in der Mall eine Fläche für maximal 15 Pop-up-Mieter reserviert.» Ziel sei es, neben den Dauermietern (u. a. Adidas, Footlocker, H&M, Mango, Migros oder der Drogeriefachmarkt Müller) auch weniger bekannten und regionalen Geschäften Platz zu bieten. «Es braucht keine hohen Investitionen für den Ladenbau. Der Mieter kann sich auf seiner Verkaufsfläche einrichten. Strom, Beleuchtung und die bauliche Grundausstattung sind bereits vorhanden», erklärt Nikolas Löhr. Die Fläche pro Pop-up-Store betrage zwischen 80 und 200 Quadratmetern.

Ein Pop-up-Store im modernsten Einkaufscenter der Schweiz erstaunt Branchenkenner, denn für gewöhnlich wird das Konzept als Lösung für leer stehende Geschäftsflächen an etablierten Lagen genutzt. «Pop-up-Stores sind ein Phänomen, das in der Schweiz erst langsam aufkommt», sagt Martin Hotz, Detailhandelsexperte der Beratungsfirma Fuhrer & Hotz. Die Herausforderung für die Geschäfte sei es, innert kurzer Zeit und ohne grosse Werbung genügend Umsatz zu erzielen. «Der Aufwand, um Bekanntheit und Kunden zu gewinnen, ist gerade für stationäre Verkaufsgeschäfte gross», sagt Martin Hotz.

Ersatz für fehlende Dauermieter

In Weltstädten hätten sich Pop-up-Stores als sinnvolle Lösung erwiesen, um leer stehende Verkaufsflächen neu zu beleben, weiss Hotz. «London oder New York verfügen jedoch über ein Einzugsgebiet mit mehreren Millionen potenziellen Konsumentinnen und Konsumenten.» Da seien die Frequenz und das Umsatzpotenzial riesig. Die Voraussetzungen für Pop-up-Stores in der Schweiz seien da schwieriger.

«Ein modernes Ladenkonzept sollte etwas Dauerhaftes sein und nicht wie ein Nomade hin- und wieder wegziehen», findet Hotz. Er sieht denn auch das Pop-up-Angebot in der Mall of Switzerland als «Notlösung», um noch nicht vermietete Flächen zu besetzen, «denn es gibt fast nichts Schlimmeres für ein neues Einkaufscenter als frei stehende Flächen».

In der Tat kämpft die Mall of Switzerland in Zeiten von wachsendem Online- und Ausland­shopping um jeden Mieter. Bis zur Eröffnung des Einkaufscenters am 8. November bleiben nur noch fünf Monate. Häufig braucht ein Anbieter bis zu sechs Monate Vorbereitungszeit für Bau- und Einrichtungsarbeiten. Nachdem die auf September geplante Eröffnung bereits um zwei Monate nach hinten verschoben wurde – dem Vernehmen nach, weil die Hauptmieter darauf bestanden, dass die umliegenden Flächen ebenfalls besetzt sind –, bleibt der Vermarktungsprozess der Mall weiterhin eine Herausforderung. «Drei Viertel der Verkaufsflächen sind vermietet», gaben die Verantwortlichen vor drei Wochen bekannt. «Mittlerweile konnten wir weitere Mietverträge abschliessen», sagte Nikolas Löhr gestern. «Neu dabei ist die italienische Modekette Terranova, die mit einem Flagship-Store vertreten sein wird.»

Wie viele der 15 Plätze für die geplanten Pop-up-Stores aktuell schon besetzt sind und wer diese mietet, gibt die Mall of Switzerland auf Anfrage noch nicht bekannt. «Wir können aber sagen, dass die Nachfrage hoch ist», heisst es lediglich.