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EBIKON: Neue Rotsee-Wärter starten in ihre erste Saison

Am Sonntag kann das neue Rotseewärterpaar erstmals mit der Fähre hinausfahren. Nebst dem Fährbetrieb geben die beiden Fischerpatente aus, weisen Regelverstösser zurecht – und verzichten dafür bis zum nächsten Winter auf Ferien.
Bernadette Burger und Otmar Baumann vor dem Fährihus am Rotsee. (Bild: Dominik Wunderli (Ebikon, 22. März 2018))

Bernadette Burger und Otmar Baumann vor dem Fährihus am Rotsee. (Bild: Dominik Wunderli (Ebikon, 22. März 2018))

Voller Stolz und Vorfreude erzählt das neue Rotseewärterpaar von seinen ersten Trainingsfahrten mit der Rotseefähre: «Die ehemalige Fährifrau Erika Burkard hat uns diese Woche geduldig Bootsfahrlektionen gegeben und uns ins neue Amt eingeführt. Wir fühlen uns geehrt, dieses von ihr übernehmen zu dürfen», sagt Bernadette Burger (60). Sie ist ab Sonntag gemeinsam mit ihrem Partner Otmar Baumann (64) für die Rotseefähre zuständig. Es sei wunderschön, eine jahrhundertealte Tradition weiterzuführen, finden die beiden. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Bereits 1406 wurde die Rotseefähre erstmals aktenkundig erwähnt.

Doch bevor das Paar erstmals auf den Rotsee hinaustuckern durfte, galt es, einige Hürden zu überwinden. Burger und Baumann setzten sich gegen knapp vierzig Konkurrenten durch, die das Amt ebenfalls übernehmen wollten. «Als wir im vergangenen Oktober den positiven Entscheid erhalten haben, waren wir überglücklich. Wir können es kaum erwarten, uns mit den Fahrgästen auszutauschen – denn seit unserer Bewerbung ist nun fast ein Jahr verstrichen», so Burger.

Umzug ins Fährihus gehört zwingend dazu

Damals hat das Paar in der «Luzerner Zeitung» einen Bericht über den Abgang von Erika und Hugo Burkard als Rotseewärterpaar gelesen. Bald schon begannen sie, sich Gedanken darüber zu machen, das Ehrenamt zu übernehmen. «Wir wollen etwas Sinnvolles tun, das man auch im Pensionsalter – das wir ja doch schon langsam anstreben – noch tun kann. Zusammen mit unserer Vorliebe für ausgiebige Wanderungen und unserer Naturverbundenheit erschien uns das Amt als optimal. Deshalb haben wir uns beworben», fasst Baumann die Gründe für den gemeinsamen Entscheid zusammen.

Dieser bringt einige Veränderungen mit sich: So zog das Paar letzte Woche von ihrer Wohnung in der Stadt Luzern ins Fährihus am Rotsee. Auch ihre Pensen haben die beiden reduziert, um sich ihrer neuen Aufgabe widmen zu können. «Wir werden beide jeweils halbtags für die Fähre zuständig sein, so können wir weiterhin für unsere bisherigen Arbeitgeber tätig sein», sagt Burger, die ihre Liebe zur Schifffahrt übrigens bereits in jungen Jahren entdeckte. Sie hat während 16 Jahren auf einem Schiff auf dem Vierwaldstättersee gearbeitet.

Die Dimensionen auf dem Rotsee sind nun freilich anders. Maximal zwölf Personen können die beiden pro Fahrt transportieren, 280 Meter beträgt die Strecke und nach wenigen Minuten ist die Fahrt vorbei. Dass an einem kleinen See wie dem Rotsee eine Fähre betrieben wird, könnte man als unnötig empfinden. Doch Baumann ist überzeugt, mit dem Angebot ein grosses Zielpublikum anzusprechen: «Besonders ältere Leute, Familien und Wanderer nutzen die Fähre. Es gibt auch Leute, die einfach hin und wieder zurück fahren und die Zeit zur Erholung nutzen.» Und nicht zuletzt seien auch Schulklassen willkommen, fügt Burger an, die selbst auf ihrer allerersten Schulreise mit der Fähre über den Rotsee fuhr.

Keine Ferien bis zum nächsten Winter

Bis Ende Oktober ist die Fähre täglich in Betrieb, seine Ferien muss das Paar also auf die Wintermonate verschieben. «Und wenn wir wirklich mal einige Tage weg möchten, haben wir Aushilfen, die unsere Aufgabe gerne übernehmen», weiss Burger.

Zum neuen Amt der beiden zählt nicht nur der Fährbetrieb. Auch die Ausgabe der Fischerpatente und die Überwachung des gesamten Rotsees und seiner Umgebung gehören zu ihren Aufgaben. Wenn jemand Regeln – wie etwa das Schwimmverbot ausserhalb der Badi oder das Feuerverbot – missachtet, muss er oder sie zurechtgewiesen werden. Auch der Austausch mit Ruderern, Fischern, Wanderern und Behörden ist ein wichtiger Bestandteil der neuen Tätigkeit. «Wir haben die verschiedenen Verbände bereits kennengelernt und versuchen, all ihre Anliegen zu berücksichtigen», sagt Burger.

Die Rotseewärter stehen unter der Aufsicht des Quartiervereins Maihof. Dieser setzte sich nach dem Rückgang der Fahrgäste in den 1990er-Jahren für den Fährbetrieb ein und kaufte dem Kanton Luzern die Fähre im Jahr 1999 für 15000 Franken ab. Zudem ist der Verein Pächter des Fährihus, das nach wie vor im Besitz des Kantons ist und in dem das Wärterpaar eingemietet ist.
Auf die Frage, wie lang das engagierte Paar gedenke, im Amt zu bleiben, antwortet Baumann schmunzelnd: «Solange wir uns gut fühlen, werden wir hier sein. Wir haben auch bereits viele Ideen, was wir alles noch machen können.» Zuerst würden sie sich aber auf ihr Kerngeschäft fokussieren, meint Burger. «Wenn wir dann pensioniert sind, dann packen wir unsere Ideen an.»

Chiara Stäheli

chiara.staehli@luzernerzeitung.ch

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