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EBIKON: Podiumsdiskussion: Welchen Mehrwert bringt die Mall of Switzerland?

Mall of Switzerland und Luzerner Innenstadt haben als Einkaufsorte beide ihre Vorteile – so weit war man sich am Dienstagabend einig. Die Frage, ob der Bau des Shoppingcenters grundsätzlich sinnvoll war, sorgte aber bei einigen für verlegenes Schweigen.
Beatrice Vogel
Die Mall of Switzerland am Eröffnungstag. (Bild: Dominik Wunderli (Ebikon, 8. November 2017))

Die Mall of Switzerland am Eröffnungstag. (Bild: Dominik Wunderli (Ebikon, 8. November 2017))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

«Ich bin erschüttert», sagte am Dienstagabend einer der rund 70 Zuhörer in der Mall of Switzerland und erntete dafür vereinzelten Applaus. «Was hätte man alles auf dieser grünen Wiese bauen können? Vor 20 Jahren wollte man nicht noch mehr Fachmärkte, jetzt steht hier eine Mall. Was ist ihr Mehrwert für die Region?», fragte er und brachte damit die sonst so wortgewandten Redner in sprachlose Verlegenheit.

Es war aber fast die einzige richtig kritische Stimme, die an der Podiumsdiskussion, zu welcher der Architekturverlag Hochparterre geladen hatte, zu hören war. Sogar die sonst so erbitterten Gegner, die Vertreter von Mall und Luzerner Innenstadt, wirkten recht einträchtig, obwohl es in der Diskussion auch darum ging, welche Auswirkungen die Mall auf die Innenstadt hat und wie sie sich im Einkaufsmarkt behauptet.

Dabei präsentierte Hochparterre eine illustre Gruppe an Fachmännern auf dem Podium: Jan Wengeler, Centerleiter der Mall of Switzerland, André Bachmann, Präsident ad interim der City-Vereinigung Luzern, der Luzerner Architekt Marc Syfrig sowie Gino Fiorentin, Experte für Geschäftsflächen bei Wüest Partner. Es moderierten die Hochparterre-Redaktoren Lilia Glanzmann und Werner Huber.

Onlinehandel als Herausforderung

Jan Wengeler betonte, dass sich die Mall als Ergänzung zur Innenstadt sehe. «Wir haben keine Kapellbrücke, und den Pilatus sieht man nur vom Center-Manager-Büro aus. Aber wenn es regnet oder nach einem Fest der Abfall herumliegt, ist das für die Innenstadt ein Nachteil.» Worauf André Bachmann erwiderte: «Hier wurde eine künstliche Welt geschaffen, während die Innenstadt eine gewachsene Welt ist. Sie ist eine Lebenswelt, die nicht nur Konsumwelt ist – das ist der grosse Unterschied.» Wobei man sich generell einig war, dass beide Angebote ihre Vorzüge haben. Seien es, wie es Marc Syfrig formulierte, die «sentimentale Wirkung der Stadt» oder die in die Mall integrierte Kinderbetreuung und Unterhaltung. Dennoch betonten alle Redner, die zentrale Herausforderung sei heute für den stationären Handel – egal, ob Kleingewerbe oder Shoppingcenter – der Onlinehandel.

Gleichwohl zweifelte Gino Fiorentin daran, dass die Mall die nötige Frequenz von 30'000 Besuchern an Spitzentagen generieren kann. «Die Erstvermietung eines solchen Objekts ist ein Marathon. Und für Händler stellt sich die Frage, wie attraktiv ein Geschäft ist, wenn der Laden daneben leer steht.» Heute, so Fiorentin, würde man die Mall nicht mehr so planen, wie sie jetzt dastehe, gerade in Bezug auf den Onlinehandel.

Die interessanteste Bemerkung unter den Rednern machte Architekt Marc Syfrig – und nahm damit die Kritik der eingangs genannten Schlussfrage teilweise vorweg. «Heute sind Wohnen, Arbeiten und Einkaufen – anders als früher – räumlich getrennt, dazwischen ist Bewegung. Die Dezentralisierung und die damit verbundene gigantische Verkehrsschlacht ist ein städtebau­liches Drama.» Das Auseinanderziehen dieser drei Kräfte diene nicht der Lebensqualität, was Syfrig anhand der Ortschaft Ebikon beschreibt: «Ebikon war bereits früher ein ‹Strip›. Jetzt wird es durch dieses neu geschaffene Zentrum noch mehr auseinandergezogen.» Worauf Jan Wengeler erwiderte, man habe sich bezüglich Verkehr den Rahmenbedingungen fügen müssen.

Einen Ansatz einer Antwort auf die Frage nach dem Mehrwert lieferte ausgerechnet André Bachmann, indem er auf die Urbanisierung verwies. «Die Mall kann zur Zentrumsbildung beitragen», sagte er und ergänzte: «Das Emmen-Center war auch einmal an der Peripherie.»

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