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EBIKON: Schindler zieht sich aus Japan zurück

Schindler verkauft sein Japan-Geschäft an US-Konkurrent Otis. Damit verabschiedet sich der Lift- und Rolltreppenhersteller endgültig aus dem einst vielversprechenden Markt. Noch nicht ganz abgeschlossen ist aber der Rechtsfall um einen tödlichen Lift-Unfall vor zehn Jahren.
Schindler verkauft das Liftgeschäft in Japan an die Konkurrenz. (Bild PD)

Schindler verkauft das Liftgeschäft in Japan an die Konkurrenz. (Bild PD)

Mit einem Ausstieg aus dem japanischen Markt hatte Schindler bereits vor Jahren geliebäugelt, wie Verwaltungsratspräsident Alfred N. Schindler an einer Telefonkonferenz vom Dienstag erklärte. Das Geschäft sei in den vergangenen 15 Jahren nicht mehr gewachsen. Und sogar in guten Zeiten habe Schindler nie mehr als 1 Prozent Marktanteil erreicht.

Dabei setzte Schindler einst grosse Hoffnungen in Japan: Der Konzern war 1985 in den japanischen Aufzugsmarkt eingestiegen, indem er sich an der japanischen Liftfirma Nippon Elevator Industry beteiligte. Damals war das asiatische Land mit den vielen Hochhäusern der zweitgrösste Aufzugsmarkt der Welt.

Doch als ausländisches Unternehmen war es nicht ganz einfach für Schindler, dort Fuss zu fassen. So anerkennt der Inselstaat bis heute internationale Normen für Aufzüge nicht an. Mit dem Kauf der japanischen Aufzugsfirma Mercury Ascensore wollte Schindler 2005 nochmals einen Anlauf nehmen, den japanischen Markt zu erobern.

Massiver Reputationsschaden

Doch ein Jahr später geschah ein tödlicher Unfall in einem Schindler-Lift in Japan. Ein Teenager kam ums Leben, als sich ein Aufzug beim Aussteigen bei noch geöffneten Türen plötzlich nach oben in Bewegung setzte und den Jungen einklemmte.

Seither verkaufte der Schweizer Lift- und Rolltreppenhersteller keine einzige neue Anlage mehr in dem Inselstaat. Auch weil Schindler zunächst ungeschickt kommunizierte, geriet das Unternehmen stark in die Kritik und erlitt einen massiven Reputationsschaden.

In Japan wird bei solchen Fällen eine umgehende öffentliche Entschuldigung erwartet - ungeachtet der Schuldfrage. Schindler aber erkannte dies zu spät. Als sich der Konzern Tage später entschuldigte, war der Schaden bereits angerichtet.

Neben den Verkaufseinbrüchen versperrte der Unfall gleichzeitig den Rückzug Schindlers aus dem japanischen Markt, wie Verwaltungsratspräsident Schindler ausführte. Dieser Schritt wäre missverstanden worden, sagte er.

Kein Schaden aus Ausstieg

Im vergangenen Jahr bestätigte nun ein Gerichtsurteil Schindler darin, dass keine Konstruktionsfehler vorlagen. Ein Mitarbeiter von Schindler wurde deshalb freigesprochen. Stattdessen wurde eine mangelhafte Wartung - ausgeführt durch ein von Schindler unabhängiges Unternehmen - festgestellt. Mit dem Urteil, auch wenn es vom Staatsanwalt weitergezogen wird, sieht Schindler nun den Weg frei, das Kapitel Japan abzuschliessen.

Schindler verkauft, was von seinem Japan-Geschäft noch übrig ist, an seinen US-Konkurrenten Otis. Der Verkauf soll vor allem den rund 600 Mitarbeitenden die Zukunft sichern. Die Angestellten, die vor allem Wartungen durchführen, sollen Teil eines grösseren und florierenden Unternehmens sein.

Dem japanischen Markt dürfte der Lift- und Rolltreppenhersteller kaum nachtrauern. Da die Gesellschaft altere, seien die Zeiten des starken Wachstums ohnehin vorüber, hiess es an der Telefonkonferenz. Die Wachstumsstrategie in anderen Ländern hingegen funktioniere.

Die Transaktion sei für Schindler nicht «materiell», sagte Schindler. Der jährliche Umsatz habe jährlich unter 100 Millionen Franken gelegen, sagte er weiter. Der Abschluss des Verkaufs wird im Laufe dieses Jahres erwartet.

Laufende Rechtsfälle

Danach bleibt Schindler selbst nur noch in dem Land präsent, um die laufenden Rechtsfälle abzuschliessen. So ist noch ein Rekurs gegen den Freispruch des Schindler-Mitarbeiters im Fall des tödlichen Unfalls hängig. Der Mitarbeiter wird von Anwälten von Schindler vertreten.

Nach dem rechtskräftigen Abschluss des strafrechtlichen Verfahrens soll zudem über eine Zivilklage entschieden werden. Die Familie des verunglückten Jungen fordert Schadenersatz.

sda

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